Samerberg/ Nußdorf – Vom Gipfel des Heubergs geht es in einer leichten Kletterei ganz nach oben auf die Wasserwand oder Wassererwand, wie die Einheimischen sagen. Dort oben hat man an schönen Tagen einen märchenhaften Rundumblick ins Inntal und auf den Simssee.
Diese Stelle hatte es schon dem 16-jährigen Willi Bruckbauer angetan. Er wurde im Jahr 1900 geboren und war ein echter Bergfex. Dann kam der Erste Weltkrieg und der Bub musste fort an die Front nach Frankreich. Da habe er geschworen, berichten seine Nachfahren, dass er als Dank für eine heile Rückkehr ein Kreuz auf der Wasserwand errichten würde.
Und er kam heil zurück und hielt sein Versprechen. Noch im Jahr 1918 hat er mit ein paar Freunden das Kreuz über die steilen Felsen der Wasserwand hochgezogen, es mit U-Eisen einbetoniert und fest verschraubt. „Den Herrgott hat er extra in Tirol machen und vergolden lassen“, sagt sein Sohn mit dem gleichen Vornamen aus der Schreinerdynastie Bruckbauer.
All die Jahre habe er ein Auge drauf gehabt und es repariert, wenn es nötig war. 1957 ist er gestorben.
Doch die Liebe zu den Bergen und zu diesem Kreuz hat er an die nächste Generation weitergegeben. Denn als das alte Holzkreuz durch einen Sturm umgerissen wurde, beschlossen die beiden Söhne Willi und Friedl, an gleicher Stelle ein neues Kreuz aufzustellen. Das war dann am 7. Mai 1959. „Das neue Kreuz haben wir nach dem Vorbild des alten in der Werkstatt gemacht“, erinnert sich Friedl. Mühsam sei es, zerlegt in zwei Teilen, hochgeschleppt worden. „Es hat schon viel Schweiß gekostet“, erinnert sich Willi. Sogar Pfarrer Kästner sei mit oben auf dem Gipfel der Wasserwand gewesen und habe das Kreuz gesegnet. Der alte Herrgott war gerettet und wieder angebracht worden.
Doch es dauerte nicht lange und der Blitz schlug ins Kreuz ein. Am 26. August 1962 wurde die inzwischen dritte Version aus schönem, beständigem Lärchenholz hinaufgeschleppt. Viele helfende Hände waren damals dabei: Der Schweiberer-Bauer, der Lagler Andi und viele weitere Freunde. Auch dieses Kreuz wurde wieder von Pfarrer Kästner gesegnet.
Das bislang jüngste Kreuz kam 2008 auf die Wasserwand. „Es ist inzwischen zehn Jahre da oben und es fehlt sich nix“, sagen Willi (77) und Friedl (75). Am Kreuz gibt es inzwischen einen Blitzableiter und der alte Herrgott ist frisch vergoldet.
Ende August soll wieder eine traditionelle Bergmesse gefeiert werden. „Auf dass wir noch viele Jahre mit unserem Kreuz erleben dürfen“, so die beiden Söhne des Mannes, der einst mit 16 Jahren fort an die Front musste und für seine glückliche Heimkehr das erste große Holzkreuz spendete.