Hans Pumpfer mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

Energiegeladenes Leben im Augenblick

von Redaktion

Große Ehre für einen großen Sachranger: Hans Pumpfer (90) ist gestern auf Schloss Hohenaschau für seinen „unermüdlichen Einsatz im Gemeinwesen“ mit den Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden. Porträt eines Mannes, den ein immenser Sinn für Gerechtigkeit antreibt.

Aschau – Er war nicht im Kirchenchor und nicht bei der Blasmusik. Damit ist das Wirken des mittlerweile 90-jährigen Hans Pumpfer durchaus vollständig charakterisiert. Denn sonst war er eigentlich überall. Von Aschau und Sachrang über Stadt und Kreis Rosenheim bis nach München reicht sein Wirken, vom Gründungsmitglied der Bergrettung Sachrang über das Bürgermeisteramt in Sachrang und Aschau bis zum ehrenamtlichen Richter beim Bayerischen Verwaltungsgericht reicht die Liste der Posten.

Das Problem dabei: Über diese Fülle von Ämtern schreibt sich leicht. Man liest auch leicht darüber hinweg, bis man sich klar macht, was dahinter steckt: Es bedeutet keinen Abend daheim zu sein, oftmals nicht nur einen, sondern mehrere Termine zu haben und das nach einem ganzen Tag Arbeit im eigenen Bauunternehmen, das eigentlich schon allein den ganzen Mann fordert. Warum macht man das? Nicht nur einmal, zweimal die Woche, sondern Tag für Tag, nicht nur kurzfristig, sondern Jahrzehnt um Jahrzehnt?

Ganz offensichtlich, weil man zu jenem Menschenschlag gehört, für den Stillsitzen keine Erholung, sondern eine Strafe wäre. Mit dieser Disposition könnte man zum Beispiel aber auch Extremsportler werden, bräuchte nicht Bürgermeister, Kreistagsmitglied, Pfarrgemeinderat und jede Menge mehr werden, dazu drei Vereine gründen. Es muss also noch etwas anderes hinzukommen. Etwas, das über das eigene Ich hinaus weist: Eine unbändige Lust am Gestalten zusammen mit anderen, am Verändern und Voranbringen, kurz am Machen.

Wobei jedes Machen-Wollen eine Antriebsursache braucht, aus der sich dann die Zielrichtung ergibt. Und diese Antriebsursache scheint bei Hans Pumpfer ein ganz tief verwurzeltes Gerechtigkeitsempfinden zu sein.

Mit unglaublicher Energie gesegnet

Von ihm selbst ist zu seiner unglaublichen Energie nur ganz wenig zu erfahren. Denn jemand, der damit gesegnet ist, kann wohl schlicht nicht verstehen, wie wundersam er all denjenigen vorkommt, die nicht mit dieser Energie gesegnet sind.

Auch zur Frage nach dem ursächlichen Antrieb nicht. Denn als seine Frau Hannelore ihn während des Gesprächs als einen grundgerechten Mann beschreibt, fängt Hans Pumpfer an sich zu winden und auf seinem Stuhl hin und her zu rutschen. Man kann sehen, kann förmlich spüren, wie unangenehm ihm dieses Lob ist. Was im Grunde doch nichts anderes bedeutet, als dass er Gerechtigkeit als ein derart hohes und nobles Gut versteht, dass der eigene Anteil daran immer vernachlässigbar gering ausfallen muss.

Aufschlussreicher sind da schon seine Erzählungen. Etwa die, wie in seiner Schulzeit während des Dritten Reiches eines Tages das Kruzifix an der Wand fehlte. Und er ganz instinktiv das Gefühl hatte, das hier etwas ganz grundlegend falsch lief. Wohl weil für ihn hier nicht nur gegen Recht verstoßen, sondern auch eine als richtig empfundene Ordnung gestört wurde.

Worauf er, der sonst so freundliche, bereitwillig mitarbeitende Achtjährige, der Lehrerin ganz unvermittelt ein knallhartes Ultimatum stellte: Entweder das Kreuz kommt zurück oder die Klasse verweigert jede weitere Mitarbeit. Ein Erlebnis, das die Lehrerin bis ins Mark traf, wie sie ihm Jahrzehnte später erzählte. Das Kreuz jedenfalls war am nächsten Tag wieder da.

Diese kleine Geschichte erzählt schon viel über den späteren Hans Pumpfer. Zum Beispiel, warum er sich später so sehr in den zahllosen Vereinen aber auch für die Kirche engagierte, dort zum Beispiel nicht nur über 24 Jahre als Pfarrgemeinde- und Dekanatsrat, sondern auch ganz entscheidend bei der Wiederbelebung der Ölberg-Wallfahrt.

Weil es zu seinem Credo gehört, dass nur derjenige wissen kann, wo er hinwill, der auch weiß wo er herkommt, das Wissen über die Herkunft für ihn aber ganz maßgeblich von den Vereinen und der Kirche bestimmt wird. Durch sie bekommt man schon als junger Mensch quasi ganz von selbst ein weltliches wie spirituelles Ordnungsraster, das einem durchs ganze Leben hindurch Halt und Heimat gibt. Pumpfer: „Mit diesem Wissen geht alles, ohne es nichts.“

Die Geschichte zeigt aber auch einen Hans Pumpfer, der zwar durchaus Kante zeigen kann, wenn er das Gefühl bekommt, dass die Dinge unrecht laufen. Der aber ansonsten von einem derart freundlichen und offenen Wesen ist, dass man sich sofort für ihn eingenommen fühlt. Was einerseits seinen Erfolg erklären hilft, andererseits aber alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist, weil Männer mit so ausgesprochenen Macherqualitäten wie er sie hat, ihren trägeren Mitmenschen oftmals mit ausgesprochener Ungeduld gegenübertreten.

Und sie zeigt jemand, der, wenn es ums Handeln geht, nicht lange zögert, sondern loslegt, sich dabei übrigens aber immer lieber am gesunden Menschenverstand orientiert, als an dem „wie man es halt sonst so macht“.

Wie etwa damals, als er vor etlichen Jahrzehnten als Ehrenamtlicher Richter beim Bayerischen Verwaltungsgericht mit darüber entscheiden musste, ob eine Frankfurter Brauerei Bier in Bayern verkaufen dürfe, obwohl dieses nur nach dem Deutschen, nicht aber nach dem Bayerischen Reinheitsgebot gebraut sei. Ein Gutachten für 30000 Mark war schon in Auftrag gegeben worden, nun sollte ein zusätzliches weitere Klärung bringen.

„Kann doch gar nicht sein“, meinte Pumpfer, „wir am Gericht sind doch alles gestandene Mannsbilder beziehungsweise Frauen“. Statt weitere Zigtausende in ein neues Gutachten zu versenken, solle man den Streit doch schlicht und einfach durch eine gerichtliche Bierprobe entscheiden. Gesagt, getan. Nachdem, wie Pumpfer erzählt, das Frankfurter Bier dem bayerischen nicht viel nachstand, gegenüber den Vergleichsproben aus England oder Belgien dagegen haushoch gewann, wurde dem Bier aus Frankfurt auch der Vertrieb in Bayern gestattet.

Die Kräfte lassen etwas nach

So viele Anekdoten Hans Pumpfer auch zu erzählen weiß, er wirkt dabei nicht wie jemand, der zunehmend in der eigenen Vergangenheit lebt, sondern wie einer, der nach wie vor im Hier und Jetzt steht. Selbst dann, wenn er darüber berichtet, dass die Kräfte etwas nachlassen würden und er mittlerweile sogar froh sei, abends öfter daheim bleiben zu dürfen. Auch wenn das von seiner Frau vehement bestritten wird.

Vermutlich ist damit auch der große Lebenserfolg von Pumpfer zu erklären. Vermutlich war er immer einer, der stets im Augenblick lebte und sich dem, was in diesem Augenblick seiner Meinung nach zu tun war, voll und ganz widmete. So wundert es auch nicht, dass seine Frau sagte: „Manche sind mit 90 einfach alte Männer. Das ist mein Mann nicht.“

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