Wallfahrtskirche St. Magdalena auf der Biber von Schimmel befallen

Hand in Hand das Kleinod retten

von Redaktion

Es war wohl im Jahr 2013, erinnert sich Kirchenpfleger Heinz Steiner. Damals sei erstmals der Schimmel im beliebten Wallfahrtskirchlein St. Magdalena auf der Biber oberhalb von Degerndorf entdeckt worden. Aggressiv habe sich der Pilz ausgebreitet. Steiner musste handeln.

Brannenburg-Degerndorf – Ein fünfköpfiges Kirchen-Team unter der Leitung von Helmut Kraus, Dekan für das Inntal, sowie Claudia Kolb, Manfred Kolbeck, Toni Feicht und Heinz Steiner beschlossen, die Ärmel hochzukrempeln und das Kleinod zu retten. „Es liegt uns einfach allen am Herzen“, sagt der Kirchenpfleger.

Denn immerhin wurde St. Magdalena auf der Biber bereits im Dreißigjährigen Krieg von einem Eremiten erbaut. Das Besondere: Das inzwischen barocke Kirchlein ist bis heute in seiner Form weitgehend unverändert geblieben. Es liegt mitten auf einer Waldwiese und ist umgeben von einer Kreuzweganlage.

Ins Auge sticht im Inneren des Kirchleins das große Altarbild mit dem Kruzifix, das vermutlich zur Erstausstattung aus dem Jahr 1630 gehörte. Es zeigt die Namensgeberin, die heilige Maria Magdalena, die das Kreuz mit dem Gekreuzigten umklammert hält. Ihr Patrozinium wird am 22. Juli gefeiert. „Dazu kommen jedes Jahr sehr viele Gläubige von weit her. Verbürgt ist das Jahr 1636 als erste Wallfahrt“, berichtet Steiner. Aber auch zu Andachten, Bittgängen und Wallfahrten wird das Kirchlein gerne besucht. Der Trachtenverein betreut die Anlage.

Eremitische Bewegung

Interessant: Im 12. Jahrhundert entwickelte sich in Frankreich und Deutschland nach dem Vorbild von Maria Magdalena eine eremitische Bewegung. Die Heilige ist bis heute eine verehrte Patronin der Frauen, Winzer, Gärtner, Friseure und Parfümhersteller. Sie wird angerufen bei Augenleiden, Ungeziefer und Gewitter; ihr Hauptattribut ist das Salbgefäß, ab dem 16. Jahrhundert gilt sie als Personifizierung des „Vita contemplativa“ (beschauliches Leben) mit Totenkopf und Kruzifix in der Hand.

Und sie ist in vielen Darstellungen überall im Kirchlein zu finden. Seit vielen Jahren steht die kleine Wallfahrtskirche samt Kreuzweg mit Einfriedungsmauer unter Denkmalschutz. Das sei zwar auf der einen Seite eine feine Sache, erschwere aber auch das schnelle Eingreifen, wenn ein Schaden droht, seufzt der Kirchenpfleger.

Und dieser Schaden war enorm. Der Schimmel hatte Kunstgegenstände und das Kirchlein selbst angegriffen. „Doch dank eines neuartigen Verfahrens konnte der Pilz durch Fachleute beseitigt werden“, erklärt Steiner. Inzwischen ist eine Klimaanlage eingebaut, das Loch im Boden, aus dem Feuchtigkeit in die Kirche eingedrungen war, wieder geschlossen, Kirchenbänke und Gemälde restauriert.

Daneben wurden auch die Kreuzwegkapellen und die Zwischenwände renoviert. Hier waren die Dächer undicht geworden.

100000 Euro nötig

Nun steht noch die Innensanierung der St. Magdalenenkirche an. „Das nächste Riesenprojekt“, meint der Kirchenpfleger. Zudem seien die eigenen finanziellen Mittel der Kirchenverwaltung inzwischen weitgehend aufgebraucht. „Das Ordinariat hat bisher sehr geholfen, aber auch wir müssen unseren Teil zur Rettung beitragen.“

100000 Euro seien nun fällig, allein die Restaurierung des Altars verschlinge laut Gutachten rund 50000 Euro. Steiner: „Und allein für Gutachten sind bereits 6500 Euro ausgegeben worden.“

Alles in allem seien für die Instandsetzung rund 350000 Euro veranschlagt worden. Eine recht ordentliche Summe, findet Steiner. Doch woher sollen die Gelder kommen? Ende 2019, so der Plan, soll alles wieder in Ordnung sein.

Aufgeben komme für ihn und das Team allerdings nicht in Frage. „Das sind wir unserem Kirchlein und den Gläubigen schuldig“, findet der 75-Jährige. Und ein kleines bisschen Spaß macht es ja auch.

Wer spenden möchte: Pfarrkirchenstiftung Christkönig Degerndorf, IBAN DE03711500000020083127, Kennwort St. Magdalena.

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