Gemeinderat Amerang

Breitband: 15500 Euro pro Anwesen

von Redaktion

Mit vier Gegenstimmen beschloss der Gemeinderat Amerang, viel Geld in die Hand zu nehmen und den Breitbandausbau im Gemeindebereich nach den Förderrichtlinien des Bundes voranzutreiben.

Amerang – Auf Grundlage einer gutachterlichen Bewertung soll das Angebot der Telekom mit einer wirtschaftlichen Deckungslücke in Höhe von 2,78 Millionen Euro zum Zug kommen – vorausgesetzt die Bewilligungsbehörden sichern die vollumfängliche Förderung in Höhe von 80 Prozent und die Verlängerung des Bewilligungszeitraums auf mindestens 24 Monate nach Vertragsabschluss zu.

Die wirtschaftliche Deckungslücke errechnet sich aus den kalkulierten Erschließungskosten des Netzbetreibers und den zu erwartenden Einnahmen. Bürgermeister Gust Voit machte kein Hehl daraus, dass ihn die derzeitige Hängepartie im Bundesförderverfahren nicht zufriedenstellt. Es werde viel angekündigt, aber letztlich fehlten schriftliche und verlässliche Regelungen zu Förderdauer und Berücksichtigung der, aus den Preissteigerungen resultierenden, Mehrkosten. „Die Leidtragenden sind die Kommunen und das ist besonders ärgerlich, denn der Breitbandausbau ist eigentlich Sache des Bundes“.

Amerang habe sich in den vergangenen Jahren angestrengt, schrittweise eine zeitgemäße Internetversorgung im gesamten Gemeindegebiet zu gewährleisten. Im Dezember sei deshalb auch der weitere Ausbau im Bundesförderprogramm für den Außenbereich beschlossen worden.

Das nun vorliegende Angebot liegt deutlich über der Kostenschätzung. Bei einer Förderung von 80 Prozent (50 Prozent über den Bund und 30 Prozent Kofinanzierung über den Freistaat Bayern), läge der Anteil der Gemeinde für 243 Hausanschlüsse bei rund 558000 Euro. Damit lägen die durchschnittlichen Kosten je Hausanschluss – vorausgesetzt alle schließen an – bei etwa 11500 Euro. Im Falle der kalkulierten 180 Anschlüsse lägen die Kosten je Anwesen bei etwa 15500 Euro. Aufgrund der Unsicherheit bezüglich der Förderung der Mehrkosten im Vergleich zum vorläufigen Förderbescheid, der knapp bemessenen Zeit zur Umsetzung Ende 2020 und letztlich aufgrund der hohen Kosten, entschied der Gemeinderat damals, gleichzeitig ein Auswahlverfahren nach den Förderrichtlinien des Freistaates Bayern durchzuführen. Die schriftliche Bestätigung zur Förderung der erhöhten Kosten und Verlängerung des Bewilligungszeitraums liegt laut Voit trotz Beantragung im Dezember 2017 noch nicht vor.

Aufgrund einer Anpassung der Förderrichtlinie zum 1.Juli erscheine die Mittelerhöhung grundsätzlich möglich. Die schriftliche Entscheidung dauere laut Rückmeldung der Förderstelle noch etwa vier bis sechs Wochen.

Zwischenzeitlich ist das weitere Auswahlverfahren im Rahmen des bayerischen Förderprogramms erledigt. Maßgeblich für das festgelegte Erschließungsgebiet war eine verfügbare Downloadrate von mindestens 30 Mbit/s. Nach Information des Netzbetreibers ist davon auszugehen, dass die Funktionalität ab Ende 2019 zur Verfügung steht. Wo mittels Vectoring Technik nicht die geforderte Geschwindigkeit erzielt wird, sollten 116 Hausanschlüsse über Glasfaser erfolgen. Die Kosten lägen bei insgesamt 1,12 Millionen Euro und damit bei durchschnittlich 9739 Euro pro Anschluss. Für die Gemeinde wäre ein Eigenanteil von 225934 Euro verblieben. Die Befürworter dieser Variante hatten neben den weitaus niedrigeren Kosten einen weiteren schrittweisen Ausbau im Blick. Downloadraten von mindestens 30 Mbit/s „plus X“ dank Vectoring und Super Vectoring in vielen Bereichen erschein ihnen in Kombination mit der Glasfaseranbindung in Bereichen unter der geforderten Mindestgeschwindigkeit eine gute Lösung.

Die Befürworter des Bundesförderprogramms setzten auf den Glasfaserausbau im gesamten festgelegten Bereich, um mit deutlich höherer Downloadraten für die Zukunft gerüstet zu sein. Ein Kooperationsvertrag mit der Telekom soll erst geschlossen werden, wenn die Förderung über das Bundesförderprogramm gesichert ist. ca

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