Haflinger sind beliebter denn je. Was macht den Charme dieser Rasse besonders aus?
Der Haflinger und Edelbluthaflinger ist ein Pferd mit sehr viel rassetypischen Charme. Dazu gehört ein ausdrucksstarker edler Kopf, die verschiedenen Fuchsschattierungen mit dem obligatorischen seidigem weißen Langhaar.
Die vielfältigen Einsatzbereiche eines Haflingers sind beispielhaft. Wie stehen Sie dazu?
Der Einsatzbereich dieser Rasse im sportlichen- und Freizeitbereich ist breit gestreut, vom Kutsch- und Reitpferd bis hin zu einem idealen Western- und Voltigierpferd, ideal als Freizeitpartner für Kinder, heranwachsende Jugendliche und natürlich auch für Erwachsene, dann insbesondere im Fahrsport. Auch im Turniersport lassen die Haflinger schon seit Jahren groß aufhorchen. Dies ist unter anderem mit der mittlerweile sehr guten Ausbildung der Pferde durch unsere Fahrer und Reiter gewährleistet.
Wie ist die Lage hier auf dem Pferdemarkt? Sowohl im Freizeit-, als auch Sportbereich?
Es sollten und müssen, dringend mehr Fohlen als die letzten Jahre in die artgerechte Aufzucht genommen werden. Momentan ist der Markt mit geeigneten und für die jeweilige Verwendung ausgebildeten Pferden, Stuten und Wallache, nicht gedeckt.
Das Championat in Bad Feilnbach hat sich im Laufe der vergangenen Jahre zu einem Höhepunkt für Züchter etabliert. Worauf sind Sie hier besonders stolz?
Die Fohlen-Championate in unseren vier bayerischen Regionalverbänden werden seit Jahren von unseren Züchtern sehr gut angenommen, wobei die höchsten Meldezahlen seit Jahren (mit beinahe 100) jeweils in Oberbayern zu registrieren sind. Im vierjährigen Turnus kommen wir nach Bad Feilnbach. Der Flair der Anlage, eingebettet vor der Kirche von Lippertskirchen und dem Auerberg, dazu eine perfekte Organisation, wird von Züchtern und Besuchern gerne angenommen.
Das Championat gilt als Standortbestimmung für den Jahrgang 2018. Wie sieht es mit dem Nachwuchs heuer aus?
Der Jahrgang unserer Fohlen aus 2018 hat eine fast noch nie da gewesene hohe Qualität dargeboten. Mehr als die Hälfte der aufgetriebenen Fohlen konnten den hohen Standard der Endringteilnahme erreichen. Die Spitzenfohlen hatten höchste Bewertungen durch unser kompetentes Richtergremium erhalten und gehen jetzt am 7. Oktober zum süddeutschen Vergleich der Fohlen nach München.
Ein straffes Programm galt es, also bei dem Championat zu absolvieren. Wie viele Nennungen und Auszeichnungen gab es?
Es wurden 87 Fohlen zu diesem Championat gemeldet. Es wurden wie immer je zwei Sieger nach Geschlecht und Rasse ermittelt. Also insgesamt acht Schärpenfohlen.
Gab es ein herausragendes Fohlen, von dem Sie sich besonders viel versprechen oder das besondere Anlagen hat?
Gerade Fohlen verändern sich in der Wachstumsphase auch mal sehr schnell wieder. Deshalb ist das Championat eine erste Standortbestimmung des Nachwuchses. Was aber oft hinzukommt, ist ein sehr guter, durchgezüchteter Stutenstamm vieler gezeigter Fohlen. Eine gute Tagesform des Fohlens, dabei eine gute Mutter in der Ahnentafel, dem sogenannten Pedigree, lassen schon auf eine erfolgreiche Pferdekarriere hoffen und schließen. Ausnahmslos alle Schärpenfohlen waren von erlesener Qualität.
Können Sie für unsere Leser den Unterschied zwischen Haflinger und Edelbluthaflinger erklären?
Einen Unterschied zwischen Haflinger und Edelbluthaflinger gibt es in der Zuchtzielbeschreibung keinen. Hierbei geht es darum, dass durch Züchtung die Rasse quasi modernisiert wurde. Das heißt, dass Blutanteile zwischen Original und Oriental vermischt wurden. Dieser Prozess ist aus heutiger Sicht abgeschlossen. Das Ursprungszuchtbuch der Rasse Haflinger, das Italien und Österreich gemeinsam führen (EU-Gesetzgebung), erlaubt keinen Blutanteil höher als maximal 1,56 Prozent orientalische Gene im Pedigree. Dadurch musste eine neue Rassegruppe entstehen, was durch die Deutschen Verbände umgesetzt wurde, die nun hierbei das Ursprungszuchtbuch führen.
Die Pferdefreunde am Wendelstein sind ein Garant als Ausrichter. Zum wiederholten Mal fand die Veranstaltung in Bad Feilnbach statt. Wo sehen Sie hier die Stärken und auch etwaige Schwächen? Bleibt das Championat auch künftig dem Standort treu?
Wie gesagt, alle vier Jahre sind wir in Bad Feilnbach. Wir wechseln innerhalb unserer Genossenschaften im Turnus. Der Pferdezuchtverband Oberbayern als Veranstalter kommt gerne nach Bad Feilnbach. Ideale Platzverhältnisse, sowohl Gras- auch als Sandplatz (bei schlechtem Wetter unbedingt erforderlich) eine professionelle Bewirtung mit einem guten Team sind hier jedes Jahr gewährleistet.
Dem Pferdezuchtverband Oberbayern gehören wie viele Züchter aktuell an?
Im Pferdezuchtverband Oberbayern sind derzeit 1220 Haflinger- und Edelbluthaflingerzüchter registriert. Sehr Stolz sind wir dabei auch auf viele junge, aktive Züchter.
Eine der herausragenden Aktiven im Sport mit Haflingern ist die Bad Feilnbacherin Katrin Karosser. Bei Turnieren zeigt sie Nervenstärke sowie die Talente der blonden Rasse. Wie sehen Sie die Zukunft der Haflinger?
Gerade die Präsentation der Haflinger und Edelbluthaflinger auf Turnieren und den Brauchtumsveranstaltungen hat den Rassen eine neue Dimension der Vermarktung geboten. Der Ausbildungsstall „Brainpoldhof“ mit Chefin Katrin Karosser hat dazu wesentlich beigetragen. Großartige und unzählige Erfolge belegen dies eindrucksvoll. Interview: Silvia Mischi