Hufeisenwerfen in Nussdorf

Ein Sport für echte Männer

von Redaktion

In früheren Zeiten, als Bauern noch ihre Felder mit Gerätschaften bestellten, die von Pferden gezogen wurden, als Pferde und Kutschen noch zu den gebräuchlichen Verkehrsmitteln zählten, da war es nicht selten, dass man am Wegesrand ein abgefallenes Hufeisen finden konnte. Heute sind Hufeisenwerfer vereinsmäßig organisiert – zum Beispiel in Nußdorf.

Nußdorf – Der Finder hatte nicht nur das sprichwörtliche Glück, sondern bereits auch die wichtigste Komponente für eines der beliebtesten Wurfspiele in der Region in der Hand. Vermutlich entwickelte sich gerade in der ländlichen Umgebung bei Knechten und Stallburschen der Spaß am Hufeisenwerfen. Später wurde dieser Zeitvertreib sogar bei zahlreichen Kirtas und Festen ausgetragen. Auswanderer haben das Spiel übrigens mit nach Amerika genommen. Dort ist es unter der Bezeichnung „Horseshoe Pitching“ bekannt.

Nach getaner Arbeit trafen sich die Knechte, um mit diesem Spiel sich die spärlich bemessene Freizeit zu vertreiben.

Neben den Hufeisen braucht man dann nur noch eine Daube, einen zehn mal zehn Zentimeter großen Holzklotz, als Zielmarke, einige gleichgesinnte Mitspieler und feste Spielregeln.

Der Klassiker für den Spielablauf ist: Zwei Mannschaften zu je vier Mann treten gegeneinander an und werfen abwechselnd. Ziel ist es, sein Hufeisen möglichst nah an die 18 Meter entfernt liegende Daube zu werfen. „Jeder Spieler hat sein eigenes Wurfeisen. Dabei ist die Form des Eisens grundsätzlich frei wählbar. Es kann ring- oder auch hufeisenförmig sein, darf allerdings einen Durchmesser von 23 Zentimeter und ein Gewicht von 1200 Gramm nicht überschreiten. Die Eisen werden auf ein Holzstück, die Daube, geworfen“, erklärt der Nußdorfer Vereinsvorsitzende Sepp Oberauer fachmännisch. Er ist langjähriger Vorsitzender des Hufeisenclubs Nußdorf-Hinterberg, der im Jahr 1977 gegründet wurde. „Um einen guten Treffer zu erzielen, gehörten nicht nur Kraft, sondern auch eine große Portion Geschicklichkeit dazu“, meint der Fachmann. Selbst auf dieser kurzen Distanz könne eine plötzliche Windböe einen sonst guten Wurf von der Flugbahn abbringen. An den Dauben steht ein Schiedsrichter, der jeden Fehler und jede Unregelmäßigkeit sofort bewertet. Außerdem zähle Teamgeist, da das Hufeisenwerfen vorrangig als Mannschaftssport betrieben wird.

Was den Franzosen ihre Kugelsportart „Boule“ ist, das ist den Bayern und Tirolern das Hufeisenwerfen. So haben sich in den 1960er- und 1970er-Jahren recht zahlreich Hufeisenclubs, die sich im benachbarten Tirol auch „Plattenwerfer“ nennen, entwickelt. Trainiert wird im Regelfall zweimal pro Woche. Allerdings fast ohne Beteiligung von Frauen, die sich in diesem Metier offenbar noch schwertun, auch unter den Teilnehmern der klassischen Turniere waren bisher kaum aktive Spielerin vertreten.

Der Hufeisenclub ist zwischenzeitlich sowohl aus dem sportlichen als auch aus dem gesellschaftlichen Leben der Gemeinde Nußdorf nicht mehr wegzudenken. Jedes Jahr wird zu Ostern eine Dorfmeisterschaft ausgetragen, an der sich alle Vereine und Gruppierungen aus Nußdorf beteiligen. „Manche Vereine bilden aufgrund des großen Zuspruchs sogar mehrere Mannschaften“, so Oberauer. Auch der gesellige Teil komme im Verein nicht zu kurz, denn nach dem Training oder den Turnieren stehe immer ein gemütliches Beieinander auf dem Programm, schmunzelt der Chef.

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