Flintsbach – „Hoch – legt an!“, ertönt das Kommando. Dieses gilt den zum Ehrensalut angetretenen 30 Flintsbacher Gebirgsschützen. Dann wird es am Flintsbacher Kriegerdenkmal bei mehreren 100 Teilnehmern, die sich zum Totengedenken anlässlich des 65. Wiedergründungsjubiläums der Flintsbacher Gebirgsschützenkompanie eingefunden haben, ganz still.
Fahnenabordnungen umsäumen das Kriegerdenkmal. Seitlich sind Ehrengäste und offizielle Teilnehmer sowie zahlreiche Abordnungen bayerischer Gebirgskompanien angetreten. Einige Abordnungen kommen aus dem benachbarten Tirol. Ein Blick in die Reihe der offiziellen Vertreter zeigt, welche Bedeutung diesem Moment beigemessen wird, denn hier stehen unter anderem der Landeshauptmann der Gebirgsschützen, Martin Haberfellner, Gauhauptmann Fritz Kelzenberger, Kompaniehauptmann Walter Wons und Flintsbachs Zweiter Bürgermeister Bernhard Pichler.
Äußerste Konzentration bei den Schützen. Sie setzen den rechten Fuß routiniert 45 Grad seitwärts. Dann werden auch die Gewehre hoch angelegt, der Befehl „Feuer!“ hallt durch die Straße. Gleichzeitig lösen sich aus 30 Gewehren die Schüsse, die in ihrer Summe für einen einzigen ohrenbetäubenden Knall sorgen. Dieser Vorgang wiederholt sich dreimal – so will es die Tradition.
Tradition spielt bei der vor 65 Jahren wiedergegründeten Kompanie der Flintsbacher Gebirgsschützen eine große Rolle. Denn der „historische Nachweis der Wehrhaftigkeit der Bewohner von Flintsbach geht bis in das Jahr 1435 zurück“, sagt Hauptmann Walter Wons in seiner Festansprache. Beleg dafür sei eine Mannschaftsliste aus dem Jahr 1425. Über Jahrhunderte hinweg wurden Männer aus den zur Herrschaft Falkenstein gehörenden Orten zur Sicherung und zum Schutz der Heimat eingesetzt. Bis zur Auflösung der Gebirgsschützen im Jahr 1869/70 wurden die Flintsbacher Schützen zur engeren Heimatverteidigung vielmals zum Einsatz gerufen. Viele ließen dabei ihr Leben. Ihrer und aller derer, die in den vielen kriegerischen Auseinandersetzungen seit der Gründung der Kompanie im Mittelalter ihr Leben gelassen haben, galt das Totengedenken.
Erst im Jahr 1951 gab es erste Bemühungen, die Schützenkompanien wieder zu gründen. In Flintsbach war es dann am 13. August 1953 soweit. „Seit ihrer Gründung ist die Gebirgsschützenkompanie bemüht, als fester Bestandteil unserer Gemeinde zusammen mit den anderen Ortsvereinen Tradition und Brauchtum zu erhalten“, so Hauptmann Wons. Heute sorgen die Gebirgsschützen unter anderem für den Erhalt von Kapellen und Wegkreuzen in ihrem Heimatort. So verstehen sie sich auch als Beschützer der Kirche und Bewacher des „Allerheiligsten“, wenn zum Beispiel zu Fronleichnam die Monstranz durch das Dorf getragen wird. Dann stellen sie die Wache. „Ihr seid aus dem aktiven Dorfleben nicht mehr wegzudenken“, hieß es beim 65. Jubiläum.
Die heilige Messe hielt Pfarrvikar Andreas Lederer. Nach einem Festumzug durch das Dorf unter Begleitung der Flintsbacher Musikkapelle, der Trommler, Fahnenabordnungen und zahlreicher Einwohner fand schließlich der Festabend statt. Dabei wurden zahlreiche Ehrungen ausgesprochen. So wurden Josef Wieland, Josef Resch und Anton Liegl zu Ehrenmitgliedern ernannt. Die Kompaniemedaille in Gold mit Aufstecker für 60-jährige Mitgliedschaft erhielt Anton Grad senior; für 40-jährige Mitgliedschaft Josef Wieland, Georg Astner und Karl Maier. Geehrt wurden Mitglieder für 5-, 15-, 25- und 40-jährige Zugehörigkeit. Außerdem wurden zahlreiche Mitglieder mit der „Langjährigkeits- und Verdienstmedaille des Gebirgsschützenbundes“ ausgezeichnet.