Entspannt mit dem Wiesn-Express durch DAs Achental

Bockerlbahn: Gemütliche 650 PS

von Redaktion

„Großer Bahnhof“ in Rohrdorf für die amtierende Miss Herbstfest

Rohrdorf – Dröhnend startet die V 60 ihren Dieselmotor. Sie verfügt über einen 650 PS starken Maybach-Motor. Mit dem Baujahr 1959 gehört dieser Typ von Lokomotive bereits zu den Oldtimern im deutschen Bahnbetrieb. Es dauert einige Sekunden bis der Zwölfzylinder mit Grollen anläuft. Der für eine Diesel-Lok der Baureihe 260 typische Sound und die Kraft, die von diesem Gefährt ausgeht begeistert einige Zuschauer, die sich mit ihren Fotoapparaten und Aufnahmegeräten an der Lok positioniert haben. Allesamt Eisenbahnfans, die bereits eine lange Anfahrt hinter sich gebracht haben. Ihr Interesse gilt nicht nur der in die Jahre gekommenen Bahntechnik, sondern auch der Strecke, auf der sie fährt. Denn nur einmal im Jahr verkehren auf dieser Strecke Personenzüge für wenige Tage, wenn der „Wiesn-Express“ zwischen Rohrdorf und Rosenheim pendelt.

Heute wickelt das Rohrdorfer Zementwerk auf dieser Strecke seinen Güterverkehr ab. Am 9. Mai 1914 eröffnete die Eisenbahnlinie. Sie führte damals von Frasdorf über Achenmühle, Rohrdorf, Thansau und Landl nach Rosenheim. „Der Teil zwischen Rohrdorf und Frasdorf ist zu einem beliebten Rad- und Wanderweg geworden“, erzählt Helmut Wiesböck, Betreiber und Organisator des Wiesn-Expresses, der noch kurz vor dem „Aus“ für den Personenverkehr am 27. September 1970 mit den Nahverkehrszügen mitfahren durfte.

Ein Blick in den Auszug eines alten Kursbuches aus dem Jahr 1944 verrät, dass damals acht Züge täglich auf dem Fahrplan standen. Der erste Zug fuhr bereits um 6.25 Uhr in Frasdorf los und der letzte Zug endete damals gegen 22.56 Uhr – ebenfalls in Frasdorf.

„Große Beliebtheit hatte die Linie auch bei Ski-Fahrern aus der Region, die sich an schneereichen Wochenenden mit diesem Zug bis nach Frasdorf bringen ließen, um an der Hochries den Wintersport zu betreiben“, erzählt Helmut Wiesböck.

Hinter der Lok befindet sich ebenfalls ein „Oldie“, denn der von der Esslinger Maschinenfabrik hergestellte Personenwagen stammt aus dem Jahr 1958. Frisch renoviert und in einem neuen Gewand präsentiert er sich. Bei einigen älteren Fahrgästen kommen angesichts so vieler verkehrstechnischer Nostalgie ebenfalls Erinnerungen an ihre Jugend auf. „Damals war das noch eine gemütliche Fahrt. Wenn man mal seine Schulaufgaben vergessen hatte, so reichte am Morgen die Fahrzeit bis Rosenheim allemal dazu aus, um diese noch schnell im Zug nachzuholen“, erzählt ein älterer Fahrgast jungen Passagieren, die auf der gegenüberliegenden Sitzbank Platz genommen haben.

Kurz vor der Anfahrt ist der Zug gut gefüllt, die Signale stehen auf „Abfahrt“. Mit einem kurzen Pfiff von der Lok geht die Fahrt durch das Tal der Rohrdorfer Achen. Wie für eine Lokalbahn üblich, gibt es zahlreiche Halts, bei denen immer mehr Wiesn-Besucher zusteigen. Schließlich heißt es „Nächster Halt Rosenheim Herbstfest!“

So befördert der Zug seine Fahrgäste noch bis zum Ende der Wiesn-Zeit entspannt, gut gelaunt und sicher zum Herbstfest und auch wieder zurück. „Ohne Parkplatzsorgen, denn man kann dann sein Auto getrost daheimlassen und sich auch einmal eine Mass Bier mehr gönnen“, so Wiesböck. Viele Fahrten sind sogar kostenfrei, weil sie von der Gemeinde Rohrdorf, örtlichen Vereinen oder von Unternehmen gesponsort werden. Mehr dazu unter www.logistik-wiesboeck.de.

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