Zehn Jahre Herzviola in Aschau

Subtil, fein und kraftvoll berührend

von Redaktion

Ihr außergewöhnlicher Klang geht ins Herz, öffnet die Sinne, berührt die Grenzen musikalischer Hörgewohnheiten und lässt Menschen ganz tief zu sich finden. Die Rede ist von der Herzviola, einem äußerst resonanzfähigen Klanginstrument, das Musikpädagoge Edwin Schmitz aus Aschau erfunden und eigenhändig erbaut hat.

Aschau – „Ich habe den Kaiser von China gesehen.“ „Mit der Herzviola ist ein sehr sanfter Kontakt zu Menschen möglich, die sich nicht mehr äußern können“. Solche Seiten kann die Herzviola, eine Mischung aus Laute und Geige, bei Kindern und Erwachsenen anstimmen. Die auf den ersten Blick eher wie ein aufwendig gestaltetes Kinderinstrument anmutende Herzviola wirkt auf vielfältige sinnliche und therapeutische heilpädagogische Weise, und das schon seit über zehn Jahren, wie ihr Erfinder und Erbauer, Edwin Schmitz, berichtet.

Für die Herzviola und ihre Geschichte muss der 56-jährige Violinist und Musikpädagoge allerdings weiter ausholen. Der gebürtige Westfale studierte Musikpädagogik in Detmold, London und Oxford, wo er Kato Havas‘ ganzheitlichen, „besonderen Weg zum Violinspiel“ kennenlernte, wie er erzählt. Eine Methode zum frühen Anfang auf der Geige.

Wieder zurück in Deutschland merkte er beim Unterrichten an vielen Musikschulen im bayrischen Oberland, später dann als selbstständiger Geigenlehrer, dass sich Kinder mit dem Klang der kleinformatigen Schülergeigen ihr feines Gehör verderben.

Ursprünglich wuchs daher in ihm der Wunsch, den Kinderträumen vom Geigenspielen für die ersten Anfänge auf dem Instrument mit einem vollwertigen Klangkörper zu begegnen. Und so entstand die Herzviola. Er sei kein Geigenbauer, betont er, auch wenn er mittlerweile viele Herzviolen und nun sogar seine erste Geige nach venezianischem Vorbild selbst gebaut hat.

In seinem Wohnatelier hat er sich eine kleine Werkstatt eingerichtet, für die gröberen Arbeiten habe er einen Werkraum in Leitenberg, wo er heimische Hölzer naturgetrocknet lagere, berichtet der zweifache Vater weiter. Dass die Herzviola aber nicht nur Kindern die Liebe zur Musik nahebringt, sondern auch therapeutischen Nutzen haben kann, zeigte sich schon bei seinem ersten Konzert mit der Herzviola im Seniorenheim Kursana in Prien. Schmitz sieht seine Herzviola als Saiteninstrument, das „subtil, fein und kraftvoll“ berührt und das zu „Entschleunigung, Tiefenentspannung und achtsamer Begegnung mit unserem Inneren“ führt.

Was wie esoterische Zauberkunst klingt, scheint zu wirken, denn bei der Therapiearbeit mit Kindern und Jugendlichen mit besonderen seelischen Bedürfnissen oder Behinderung, mit schwerst Erkrankten, Koma- und Schlaganfallpatienten oder demenzerkrankten und sterbenden Menschen findet seine Herzviola mittlerweile großen Anklang. Dabei sei das Instrument leicht zu spielen, und auch ohne Musikkenntnisse rasch zu erlernen, betont Schmitz.

Überhaupt, und da kommt er wieder auf seinen Beruf als Musikpädagoge zurück, sei Musik eine natürliche und schöne Art von Therapie, die jeder Mensch in sich trage. „Es gibt keinen unmusikalischen Menschen“, da brauche es eben einen anderen Ansatz.

Die Klänge der Herzviola entstehen durch Zupfen, sanftes Anklopfen und durch das Streichen des archaisch anmutenden Bogens aus Pferdehaaren. Zudem schwinge der Klangkörper bei leisester Berührung aus sich heraus. Und so nehmen Reaktionen wie „Ich habe den Kaiser von China gesehen“ (so ein Kind nach einem Herzviola-Konzert im Rahmen des Priener Ferienprogramms) oder „Mit der Herzviola ist ein sehr sanfter Kontakt zu Menschen möglich, die sich nicht mehr äußern können“ (so eine Erlanger Wohn- und Pflegeheimleiterin für Senioren) nicht Wunder.

Musik bestimme sein Leben, Musik sei für ihn „Größe und Ursprung“, erklärt Schmitz. Inzwischen hat er auch die Herzviola-Lebensuhr entwickelt. Die Uhr ist ein halbmondförmiger Kreis, auf dem drei Herzviolen angeordnet sind, deren Bögen sich mittels Riemen bewegen und so ihre Saiten zum Erklingen bringen. Der Antrieb erfolgt mittels Pedalen.

Wenn Edwin Schmitz dann noch eine vierte Herzviola in die Hand nimmt und darauf spielt, zeigt sich eine entspannende und entschleunigende Wirkung, wenn man sich darauf einlässt. Oder, wie es Schmitz formuliert: „Es fördert die innere Ruhe!“

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