Ausstellung in der Staatlichen Münzsammlung in München

Obinger Münzschatz in der Residenz

von Redaktion

Ein Münzfund aus dem Gemeindegebiet Obings wird derzeit in München in der Staatlichen Münzsammlung in der Residenz gezeigt. Er belegt die geschichtliche Bedeutsamkeit dieses Siedlungsraumes und gibt Hinweise auf gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen zur Zeit der Wende vom elften zum zwölften Jahrhundert.

Obing/München – Sondengeher hatten den Münzschatz aus dem Hochmittelalter in einem Waldstück ausgegraben und den Wissenschaftlern des Museums für historische Münzen zur Auswertung überlassen. Archäologische Fundstücke gehören zur Hälfte dem Finder und zur Hälfte dem Grundstücksbesitzer, auf dessen Grund sie gefunden worden sind.

Doch mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung erwarb die Staatliche Münzsammlung diesen ältesten Hortfund mittelalterlicher Münzen in Bayern. 994 Pfennig-Münzen aus Obing werden bis 24. März 2019 in einer Sonderausstellung zusammen mit einem ähnlichen Fund aus dem Allgäu präsentiert.

Romanische Kleinkunstwerke

Unter dem Titel „Geprägte Bilderwelten der Romanik“ geht es den Ausstellungsmachern vor allem um die Herausarbeitung des kunstgeschichtlichen Aspektes des Fundes. Sie sehen in seinen Münzen romanische Kleinkunstwerke von größter Bedeutung. Die Silberpfennige wurden zwischen 1056 und etwa 1130 geprägt und auch ungefähr um 1130 vergraben. In dieser Zeit war der Pfennig in Europa die dominierende Silbermünze, die fast jeder mit sich im Geldbeutel herumtrug.

Bildliche Darstellungen auf Münzen gab es schon bei den alten Griechen und Römern. Münze als staatlich genehmigtes Zahlungsmittel war stets mit der Herrschaft in einem bestimmten Gebiet verbunden. Daher waren auf Münzen oft die Herrscher des entsprechenden Territoriums abgebildet. Das gilt auch für Europa im Mittelalter.

Nach Aussage der Münchner Wissenschaftler der Münzkunde entwickelte sich ab dem elften Jahrhundert in Süddeutschland allerdings eine besondere Kultur der Münzprägung, in der vielfältige Bilderwelten erfasst wurden. Dem Betrachter boten sich auf den kleinen Silberprägungen neben Herrschern in historischen Szenen Gestalten aus Bibel und Mythologie, mit Tieren kämpfende Helden und sogar Himmelsbilder, Architekturen von Städten und Kirchen.

Die Motive griffen die Formensprache der Romanik auf, die sich in dieser Epoche in ganz Europa in Malerei, Skulptur und Architektur ausgeprägt hatte. So wurden die Münzen als schnell in der Gesellschaft sich verbreitendes Medium zum Botschafter eines neuen Kunststils.

Heute erweisen sich die in der Münchner Ausstellung gezeigten Pfennige des Obinger Münzfundes für den historisch und kunstgeschichtlich Interessierten als wertvolle Quelle zur Vorstellungswelt der Menschen im Hochmittelalter.

Zu sehen sind sie in der Staatlichen Münzsammlung in der Münchner Residenz, Residenzstraße 1, Eingang Kapellenhof, bis 24. März 2019, jeweils von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. re

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