Internationale Begegnungen am Chiemgauer Schulbauernhof

Interkulturelle Erfahrungen

von Redaktion

Internationale Begegnungen am Chiemgauer Schulbauernhof: In einem dreiwöchigen internationalen Jugendbegegnungsprojekt auf dem Seiml-Hof in Ilzham in der Gemeinde Obing entdeckten 45 Jugendliche aus Deutschland, Polen und Italien den Spaß an ihren eigenen Fähigkeiten und einer nachhaltigen Lebensführung.

Obing – „Czesc, Ciao, Hallo oder Griaß Di“ – die Sprachbarrieren unter den Jugendlichen waren schnell überwunden und ihre anfängliche Skepsis bei ihrer Ankunft, einer gehörigen Portion Wehmut kurz vor der Abreise gewichen. Denn der interkulturelle Austausch unter den jungen Leuten und ihren Betreuern klappte bestens.

Nicht nur auf dem Chiemgauer Schulbauernhof, sondern auch beim spontanen Weißwurstfrühstück mit Haiminger Nachbarn. Mit Englisch und Deutsch war die Verständigung untereinander meist kein Problem. Der Rest wurde übers Handy oder von den Betreuern übersetzt. „Wir haben viele neue Erfahrungen gemacht und neue Freunde gefunden,“ fand Adam. Er gehörte zu den 15 polnischen Teilnehmern, die laut ihrem Betreuer in ihrer Heimat eher als Außenseiter galten und erst kürzlich wieder ins Bildungssystem zurückgeholt worden seien. Es habe großen Spaß gemacht, gemeinsam zu arbeiten und mehr über biologische und ökologische Landwirtschaft oder Solarenergie auf dem Seiml-Hof zu erfahren, fand der junge Pole, der sich im Laufe seines Aufenthalts sogar für „gesundes Essen“ erwärmen konnte und nach eigenen Angaben, viel über Nahrungsmittel gelernt habe.

Die Erfahrungen, die die Mädchen und Buben, die bisher eher am Rand der Gesellschaft standen, hier gesammelt hätten, habe ihr Selbstbewusstsein sichtlich gestärkt, ergänzte der Betreuer. Die jungen Leute kämen mit viel neuem Wissen in die Heimat zurück und darauf seien sie auch sichtlich stolz. „Die Gemeinschaft mit Jugendlichen aus Deutschland und Polen war sehr wichtig“, fand Cristina. Sie gehörte zur italienischen Gruppe, deren Teilnehmer aus einer Schule im städtischen Bereich kamen. Für sie war die landwirtschaftliche Arbeit weitgehend Neuland und anfangs habe sie ein wenig mit der Stallarbeit gefremdelt. Dann habe der Umgang mit den Tieren großen Spaß gemacht, ebenso wie das Melken oder die Verarbeitung der Produkte aus eigener Herstellung oder Ernte. So wurde Käse gemacht, Marmelade gekocht oder die Kräuter des Gartens verarbeitet. Auch im Umgang mit Pinsel und Farbe oder mit Holz beim Bau des mobilen Büros hätten sich die Jugendlichen geschickt angestellt und die Mädchen hätten besser mitangepackt als die Jungs, verriet die italienische Betreuerin.

Die Gruppen hätten sich schnell gemischt und sowohl bei der Arbeit als auch bei der gemeinsamen Freizeitbeschäftigung habe man großen Spaß miteinander gehabt, erzählten einige aus der deutschen Gruppe, die sich aus 15 Teilnehmern mit und ohne körperlicher und geistiger Beeinträchtigung zusammensetzte. Der Schwerpunkt der dreiwöchigen, internationalen Begegnung lag, laut Thomas Mitterer vom Chiemgauer Schulbauernhof, auf dem Austausch zwischen Jugendlichen aus verschiedenen Nationen. Ausschlaggebend dafür waren die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa sowie Probleme beim Übergang von der Schule ins Berufsleben für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung.

Gemeinsamkeiten entdecken

Während ihres dreiwöchigen Aufenthalts sollten die Jugendlichen Vorbehalte abbauen und Gemeinsamkeiten entdecken. Bei landwirtschaftlich und handwerklich geprägten Gruppenarbeiten und in der Freizeit sollten sie ihre Fähigkeiten erkennen und ausbauen, interkulturelle Erfahrungen machen, neue Sichtweisen kennenlernen und Solidarität und europäisches Miteinander erfahren. Innerhalb des Projektes bekamen die Jugendlichen die Gelegenheit, sich beruflich zu orientieren und unter fachmännischer Anleitung ihre handwerklichen Fähigkeiten auszuprobieren und medial aufzuarbeiten.

Gleichzeitig wurden die Themen Umweltschutz, gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit bearbeitet. Das Umfeld des ökologischen Seiml-Hofs und der Umweltstation boten ausreichend Gelegenheit dazu.

Modellcharakter für andere Organisationen?

Laut Thomas Mitterer vom Chiemgauer Schulbauernhof hat das Erasmus-Projekt Modellcharakter für andere Organisationen und Regionen. Hier würden konkrete Methoden an die Hand gegeben, um ähnliche Projekte zu wiederholen. Ziele wie Europa gemeinsam zu erfahren, Abbau von Vorurteilen, Reflexion der eigenen kulturellen Identität, umweltbewusstes Verhalten und berufliche Orientierung könnten damit effektiv umgesetzt werden. „Das Erasmus-Mobilitätsprojekt hat gezeigt, was auch für Menschen mit Beeinträchtigungen möglich ist, freute sich Thomas Mitterer. Auch Bürgermeister Sepp Huber war vom Jugendbegegnungsprojekt angetan. Er hob hervor, wie wichtig die Wertevermittlung und der Blick auf eine nachhaltige Lebensführung sei, die sich der Chiemgauer Schulbauernhof zum Thema gemacht habe.

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