Bad Aibling/Kiefersfelden – Der Klang einer Zither ist einzigartig und das macht auch für Franziska Kirmaier den Reiz aus. „Ich habe mich sofort in das Instrument verliebt. Dass man selbst Melodie und Begleitung spielt sowie die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten – sowohl für Volksmusik als auch modernes Liedgut – hat mich vom ersten Moment an fasziniert“, schwärmt das Mädchen gegenüber unserer Zeitung. „Das ist einfach meins“, hatte sie festgestellt. Das war vor vier Jahren.
Bis dahin hatte das Mädchen im Kindergarten bereits Flöte gespielt und vor sechs Jahren mit dem Gitarrenspiel begonnen. Die Mutter ihrer Gitarrenlehrerin hat dann aber Franzi zur Zither gebracht. Die 15-Jährige ist seither mit ihren Instrumenten ein eingespieltes Team. Kein Wunder. Jede freie Sekunde wird eigentlich geübt und die Fingerfertigkeit auf den Saiten verbessert. „Das geht mittlerweile meiner Familie auf die Nerven“, gesteht sie zusammen mit ihrer Mutter lachend.
Oma hat ein
Zimmer geopfert
Eine Lösung war aber schnell gefunden, da alle auf den Erfolg und den Fleiß von Franzi stolz sind: Die Oma hat ein Zimmer geopfert. „Das ist jetzt mein Musikzimmer. Dort wird jetzt anstelle des Familien-Wohnzimmers geübt.“ Mindestens zwei Stunden, sieben Tage die Woche. Das waren insbesondere am Anfang im wahrsten Sinne des Wortes schmerzhafte und harte Zeiten: „Bis sich eine Hornhaut auf den Fingern gebildet hat, haben meine Finger oft geblutet und Blasen gehabt.“ Dabei fährt Franzi zweigleisig, denn auch auf der Gitarre ist sie erfolgreich unterwegs. Doch ihre wahre Leidenschaft gilt der Zither.
Der Fleiß hat sich auch gelohnt: Platz zwei kam heuer beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Lübeck heraus. Dazu hatte die Aiblingerin aber erst den Landesentscheid in Regensburg und den Regionalwettbewerb in Traunstein für sich entscheiden müssen (wir berichteten). Vor diesen Wettbewerben und anderen Auftritten werden sogar Nachtschichten an Proben eingelegt. Denn die 15-Jährige hat eine Vision: Sie will an der Münchner Hochschule die Professur an der Zither erlangen.
Doch bis dahin ist noch ein weiter Weg, der erst einmal an der Realschule Bruckmühl seinen Abschluss finden soll. Parallel zum letzten Schuljahr läuft ab 15. Oktober bereits das Jungstudium. Eine Doppelbelastung. Denn dafür geht es zusätzlich zur zehnten Klasse einmal pro Woche und jeden zweiten Samstag (Theorie und soziales Umfeld) nach München. „Das wird hart. Aber es ist mein Traum und eine Ehre, so jung dort aufgenommen zu werden“, so Franzi. Nur ein Drittel der Bewerber schafft die Aufnahme an der Hochschule. Dozenten sagen über das Jungstudium: „Die sind teils besser als unsere Bachelor-Studenten.“ An der Hochschule war bereits der berühmte Pianist Lang Lang als Gastdozent tätig. Tenor Jonas Kaufmann hat dort seine Ausbildung zum Opern- und Konzertsänger absolviert.
Für die Aufnahme hat Franzi Kirmaier hart gearbeitet, gezittert und gebangt. „Wir waren bei den Vorspielen alle sehr nervös.“ Ihre Hände haben gezittert, als sie ans Instrument vor der fünfköpfigen Jury der Hochschule trat. „Ich lächle immer beim Spielen. Bei einem Blick zu den Zuhörern konnte ich aber keine Regung ablesen. Ich wusste nicht, ob es der Jury gefällt.“ Erst nach meinem Spiel habe ihr jemand auf die Schulter geklopft. „Das hat mir Mut gemacht“, so Franzi.
Aber: Einen Monat musste sie warten, ehe der ersehnte Brief in Bad Aibling ankam. „Das Warten war schlimmer als das Vorspielen und alle Proben zusammen. Ich war so glücklich, als es dann in dem Schreiben hieß, ich sei aufgenommen“, strahlt die 15-Jährige, wenn sie von diesem Moment spricht.
Dass eine dermaßen intensive Übungs-, Auftritts- und Erfolgsgeschichte nicht ohne Familie, die voll und ganz hinter den Aktivitäten der Tochter steht, geht, steht dabei außer Frage. Mutter Alexandra ist quasi der „lebendige Terminplaner“ der Tochter. Sie fährt Franzi alle zwei Wochen zu Zitherlehrerin Sabine Huber nach Grassau. Auch zu Proben oder Auftritten mit dem dortigen Jugendorchester sowie den Gitarrenstunden in Kolbermoor geht es regelmäßig.
Darüber hinaus spielt die 15-Jährige E-Gitarre in einer Band mit Mitschülern. „Das Instrument finden meine Freundinnen zwar etwas cooler, sie unterstützen mich aber voll und stehen hinter mir und meinem Traum. Auch wenn das bedeutet, dass ich nicht bei jedem Treffen oder Ausflug dabei sein kann“, erläutert Franzi.
Ihre Freundinnen helfen ihr auch, wenn ein Hefteintrag fehlt oder zusätzliches Lernen für eine Schulaufgabe ansteht, die es nachzuschreiben gilt. Denn: Durch die Wettbewerbe brauchte sie öfters eine Befreiung für die Schule. „Da war aber kein Problem. Denn auch die Schule ist stolz auf den Erfolg.“ Wenn sie auf Tour ist, ist Franzi an den Bahnhöfen und Co. immer gut erkennbar. Ihr Rucksack hat eine spezielle Form: „Huckepack“ trägt sie ihr circa ein Meter langes Instrument zu den Auftritten. Der Rucksack sorgt zugleich für eine möglichst gleichbleibende Temperatur der Zither, damit diese nicht verstimmt. Was für ein gutes Gehör die 15-Jährige hat, untermauert folgendes Beispiel: „Kurz bevor eine Saite reißt, wird der Ton, den sie spielt leiser.“
Zu allem kommt auch noch, dass die Aiblingerin im Zitherorchester des Zitherclubs Rosenheim mitwirkt sowie in verschiedenen Musikgruppen wie dem Westerhamer Trio und der Jakobneuhartinger Zithermusi – von München über Elkofen und Ebersberg sowie im gesamten Landkreis Rosenheim. „Wir treten auch bei Taufen und Geburtstagen auf. Wirken bei Hoagaschts mit und umrahmen Gottesdienste“, beschreibt Franzi ihr „Repertoire“. Deshalb hat sie auch bereits einen Künstlernamen: Zither-Franzi. Kurz, präzise und alles sagend.
Von Volksmusik
bis Michael Jackson
Volksmusik, Klassik aber auch rockiger „Stoff“ wie von Guns‘n‘Roses oder Michael Jackson – alles lässt sich auf der Zither spielen – und erscheint dabei in ganz neuem Licht und wird zu einem speziellen Klangerlebnis. Franzi: „Ich will mich auch auf alles einlassen. Denn Zither ist nichts Angestaubtes.“ Dass dafür natürlich nicht jede Zither geeignet ist, erklärt einem Franzi sofort. So ist die nachgebaute schwarze Kerschensteiner mit Klavierboden geeignet für kurze Töne und kommt speziell in der Volksmusik zum Einsatz.
Der in Parsberg geborene Instrumentenbauer Franz Xaver Kerschensteiner hat noch 100 Jahre nach seinem Tod eine riesige Fangemeinde – und das weltweit. Die Konstruktion seiner Zithern und seine neuen Bauformen, um eine freiere Schwingung des Resonanzbodens zu erreichen, sind in Musikerkreisen legendär.
Dem gegenüber steht Franzis zweite treue Begleiterin: eine Kleitsch-Zither, erbaut in Kiefersfelden. „Diese hat einen lauteren Ton und ist für klassische und moderne Stücke gut geeignet. Auf ihr übt man länger, da man die Saiten nicht so fest drücken muss“, so das Talent.
Ohne ihr Instrument ist die 15-Jährige fast nie anzutreffen. Selbst im Urlaub reist eine der beiden Zithern mit. „Im Koffer hatten wir sie jetzt in Andalusien dabei“, schildert Mutter Alexandra. Vater Franz Sagmeister und Schwester Magdalena sind stolz auf Franzi und haben in den Zitherkreisen regelrecht eine zweite Heimat gefunden. „Man kennt sich mittlerweile gut. Sie sind alle nett und es ist ein gutes Miteinander. Auch bei den Wettbewerben“, heißt es unisono.