Nägel im Mais versteckt

Lebensgefährliche Sabotage in Griesstätt

von Redaktion

Zehn Zentimeter lange Nägel im Maisfeld – ein Sabotageakt, der Mensch und Tier das Leben kosten und großen Schaden am Häcksler verursachen kann. Zehn Zentimeter lange Nägel im Maisfeld fand dieser Tage ein Landwirt aus Griesstätt. Auch der BBV ist besorgt.

Griesstätt – „Der hat gewusst, was er tut!“ Der Landwirt, nennen wir ihn Franz Bauer – auch wenn er nicht so heißt – , ist auch Tage später noch fassungslos. Er kann nicht verstehen, wie jemand Dutzende Nägel in Maispflanzen steckt. „Wenn der Metalldetektor nicht anspringt, landen da große Stücke im Futter und meine Viecher krepieren. Und an der Maschine hat man schnell einen Schaden von 20000 Euro beieinander.“

Bauer hatte vor einigen Tagen einen Häcksler samt Fahrer angeheuert, um den Mais auf dem Acker nahe seines Hofes zu Futter für seine 65 Kühe zu verarbeiten. Was nicht so funktionierte, wie geplant: Ein Unbekannter hatte 100er Nägel so in die Maispflanzen gesteckt, dass der Häcksler alle paar Meter stehen blieb (wir berichteten). „Die Nägel stecken alle zehn oder zwölf Reihen, der Häcksler erfasst acht Reihen gleichzeitig – und blieb ständig stehen“, berichtet Bauer.

Das tut er übrigens automatisch, denn Häcksler und auch andere landwirtschaftliche Maschinen sind schon seit Langem mit Metalldetektoren ausgestattet. „Das ist auch nötig, denn da geht es schnell um hunderte PS und tausende Umdrehungen“, sagt Josef Steingraber, Geschäftsführer des Kreisverbandes des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), „wenn da etwas dazwischen gerät ist das lebensgefährlich.“ Eine Straftat sei solcher „Irrsinn“ für seine Begriffe sowieso. Was Steingraber besonders ärgert: „Auf den Maschinen hocken überall Kinder, die begeistert mitfahren. Und dann so etwas…“

Bauer nimmt an, dass es eine zielgerichtete Zerstörungsaktion gewesen ist. Die Nachbarfelder und Nachbarkollegen seien nicht betroffen gewesen, der Täter habe offensichtlich gewusst, welchen Häcksler er miete und auch etwa wann. Denn die Nägel steckten ein paar Tage im Maisfeld, sind leicht rostig. Er fühlt sich persönlich gemeint, auch wenn er nicht weiß, warum. „Mit den Nachbarn habe ich keinen Streit“, sagt er. Er könne zwar schon mal sauer werden, „aber dann werd‘s ausgred und guad is.“ Was ihn besonders erbost: Der Attentäter hat in Kauf genommen, dass Bauers Tiere darunter leiden. Die paar mehr Maschinenstunden seien ihm egal, der Schaden überschaubar, „aber ich liebe meine Viecher und wenn ich mir vorstelle, dass eine Kuh nach der anderen verreckt, weil sie Metall gefressen hat…“ Was Stücke von 100er-Nägeln im Verdauungssystem eines Wiederkäuers anrichten, kann sich auch ein Laie vorstellen.

Der BBV-Kreisgeschäftsführer glaubt eher nicht an ein zielgerichtetes Attentat. „Eigentlich sind es in solchen Fällen immer militante Naturschützer, die auf einem völlig falschen Weg sind“, so Steingraber. Solche Anschläge seien „eigentlich nur noch zum Kopfschütteln“, zumal sie immer die Falschen träfen, denn auf dem Häcksler sitze nicht der Landwirt, sondern ein Lohnunternehmer und meistens ein Kind.

„Wenn der Metalldetektor nicht anspringt, landen da große Stücke im Futter und meine Viecher krepieren.“

Er gehe davon aus, dass jemand dahinterstecke, der einen Groll gegen Mais hat – weil er ihm die Aussicht nimmt oder weil er zu viel angepflanzt wird für Biogasanlagen oder weil er die Böden schädige. Was er laut BBV-Kreisgeschäftsführer nicht tut: Der Mais brauche weniger chemischen Schutz und weniger Dünger als jedes Getreide, er sei sehr robust. Außerdem seien Landwirte schon auf der Suche nach Alternativen für die Biogasanlagen. „Wer einen Groll hat, soll sich an uns wenden oder an einen Landwirt, den er kennt“, so Steingraber.

Glücklicherweise seien solche Anschläge im Landkreis selten, mehr als einen oder zwei im Jahr gebe es nicht. In Mittelfranken war es diesen Sommer eine ganze Serie, da sei der Täter gefasst worden. Auch in der Region Traunstein habe es eine gewisse Häufung der Fälle gegeben, so Steingraber. Auch wenn der Landkreis Rosenheim relativ verschont geblieben sei: „Der BBV ist sehr besorgt.“

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