Interview mit Burghard Schimanski

„Aschauer Kneipp-Verein lebt wieder“

von Redaktion

Vorsitzender seit sechs Monaten im Amt – Mit neuer Führungsriege überarbeitetes Programm im Angebot

Aschau – Nein, der Aschauer Kneipp-Verein hat sich nicht aufgelöst, im Gegenteil, mit über 220 Mitgliedern ist der Kneipp-Verein ein mitgliederstarker Verein. Der neue Vorsitzende des Vereins, Burghard W. Schimanski, Unternehmensberater in München, will nun mit beinahe komplett neuer Führungsriege den Bekanntheitsgrad des Vereins mit einem neuen Programm und einer komplett überarbeiteten Webseite (www.kneippverein-aschau.de) noch weiter steigern. Oder wie es Schimanski im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen ausdrückt: „Wir wollen traditionelle Gesundheitsvorsorge und -förderung betreiben, aber mit zeitgemäßem Erscheinungsbild.“

Welche Rolle spielt der Verein im Allgemeinen in Aschau?

Selbstverständlich sind andere Ortsvereine mitgliederstärker, allen voran der WSV als reiner Sportverein. Aber so klein wie der Kneipp-Verein sich bisher nach außen präsentiert hat, sind wir im Aschauer Gesellschaftsleben nicht. Und auch bayernweit brauchen wir uns nicht zu verstecken, denn im Bayerischen Kneipp-Landesverband weisen Städte und Gemeinden jeweils durchschnittlich 160 Mitglieder auf. Die rege Teilnahme an Wanderungen, Gymnastik-Kursen, abendlichen Sonderveranstaltungen, Exkursionen und Mitgliederversammlungen zeigen uns das Interesse an der Vereinsbindung und an der Kneippschen Lehre.

Was zeichnet den Verein unter Ihrer Vorstandschaft aus?

Wir haben die strukturellen Voraussetzungen für eine gedeihliche Vereinsarbeit geschaffen. Dazu gehören nicht nur Verwaltungs- und Finanzsysteme, sondern auch inhaltliche Veränderungen. Das Herzstück unseres Vereinslebens bleiben die unterschiedlichen Gymnastik-Kurse. Hier konnten wir durch Verhandlungen die Turnhallen-Nutzung um 50 Prozent steigern. Inzwischen bieten wir an drei Wochentagen jeweils drei Stunden unterschiedliche Gymnastik an. Das ist bei den knappen Hallenkapazitäten in Aschau das Maximum. Nur eine einzige freie Stunde müssen wir noch mit Leben füllen. Ausgehend von ehemals zwei Übungsleitern sind wir inzwischen auf fünf Übungsleiter gewachsen, und für Aus- und Notfälle stehen Ersatzkräfte parat.

Bisher hatte der Verein seinen Schwerpunkt bei den 45 bis 65-Jährigen und vor allem zu 90 Prozent bei den weiblichen Mitgliedern. Und deshalb wollen wir weitere Zielgruppen ansprechen.

Und was heißt das konkret?

Die Lehre von Pfarrer Kneipp steht bei uns im Mittelpunkt. Leider können wir nicht alles abdecken. Dazu fehlen uns auch Kräfte etwa bei den Themen Ernährung, Kräuterkunde oder Wasserübungen. Also müssen wir uns auf das beschränken, was uns finanziell und personell machbar erscheint. Wenn wir also Yoga anbieten, dann erschließen wir damit eine Altersgruppe, die bisher nicht ausreichend repräsentiert war. Das gilt auch für Zumba. Oder das Eltern-Kind-Turnen, ein Novum in Aschau, das hoffentlich nicht nur auf junge Eltern anziehend wirkt, sondern auch die Kleinsten für den Kneipp-Gedanken begeistert.

Vielleicht haben wir auch demnächst etwas für Männer wie Krafttraining im Angebot. Dabei unterliegen wir aber stets der limitierten Sporthallen-Kapazität. Deshalb hoffen wir, dass die Gemeindeverwaltung zügig den Bau der Sporthalle angehen kann, denn davon würden auch wir profitieren.

Und dann haben wir natürlich auch Sonderveranstaltungen wie die Abendveranstaltung mit dem Titel „Ein Abend für Ihr Herz“ in Aschau am 18. Oktober, wozu wir hochkarätige Referenten gewinnen konnten, oder die Veranstaltung zum Thema Ernährung im November. Zwischen den Vorträgen gibt es musikalische Unterhaltung und Weinbegleitung. So ein Abend soll ja nicht nur graue Theorie liefern, sondern auch Spaß machen.

Sie als Unternehmensberater denken strategisch und planen mit kurz- bis langfristigen Zielen. Wirkt sich dieses Denken auch auf Ihre Vorstandstätigkeit aus?

Ich bin nun seit sechs Monaten im Amt und habe das Amt übernommen, weil sich sonst niemand bereit fand. Nun sind auch erste Erfolge sichtbar: Die Wahrnehmung in der Mitgliedschaft ist wieder geweckt und das Engagement der vielen Helfer im Verein, des Bürgermeisters, des Tourismus-Chefs oder der Kirchengemeinden hilft uns, noch effizienter zu werden. Was die Ziele angeht, so will ich die Attraktivität des Vereins steigern, sei es durch Angebote, aber auch hin zu einer stärkeren Ausgewogenheit zwischen Jung und Alt, zwischen Männern und Frauen. Dazu helfen uns die Erkenntnisse aus unseren Test-Veranstaltungen der Gymnastik, aus dem Wünsche-Spektrum der Mitgliedschaft und last but not least den Sporthallen-Kapazitäten in der Zukunft.

Mein besonderer Dank gilt meinen Kolleginnen im Vorstand und dem Beirat, den fleißigen Boten, die das Kneipp-Journal monatlich an alle Mitglieder austragen, und die vielen Wanderführer, die sich nicht entmutigen lassen, auch dann nicht, wenn trotz mehrfacher Ankündigung niemand zum Treffpunkt erscheint. Mein Ehrgeiz ist jedenfalls geweckt.

Interview: Elisabeth Kirchner

Kneipp-Verein Aschau

Bereits vor über 150 Jahren erkannte Priester Sebastian Kneipp (1821-1897), dass ein Schlüssel zur Gesundheit in dem harmonischen Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele liegt. Die Herstellung des Gleichgewichts dieser Einheit fördert das Wohlbefinden. Wenn Körper, Geist und Seele in Einklang sind, werden die Selbstheilungskräfte des Körpers maßgeblich gefördert. Die „Kneipp’sche Lebensphilosophie“ basiert auf den fünf Säulen Wasser, Kräuter, Ernährung, Bewegung und Balance. Unter dem Dachverband des Kneipp-Bundes existieren heute in Deutschland über 600 Kneippvereine mit rund 160000 Mitgliedern. Einer davon ist in Aschau, dem neues Leben eingehaucht wird.

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