Navaz Mohammadi aus Pakistan arbeitet in raublinger Bäckerei schmid

Engagierter Asylbewerber muss gehen

von Redaktion

„Für ihn ist es eine Katastrophe. Für uns ein Riesenverlust – menschlich und geschäftlich.“ Das sagt Michael Schmid, Inhaber der Bäckerei&Leckerei Schmid in Raubling. Sein pakistanischer Mitarbeiter Navaz Mohammadi, der in Deutschland Asyl beantragt hatte, muss nun endgültig gehen. Das steht seit gestern fest.

Raubling – Am 28. August bekam der 35-Jährige bereits den Bescheid, der ihn binnen einer Woche zur „freiwilligen Ausreise“ aufforderte. Seit gestern ist gegen alle Erwartung nun klar: Auch der Versuch, zusätzlich zur Klage gegen diesen Bescheid beim Verwaltungsgericht München einen „vorläufigen Rechtsschutz mit aufschiebender Wirkung“ zu beantragen, ist gescheitert. Über die Klage sei zwar noch nicht entschieden, der Aufschub wurde aber abgelehnt: Navaz Mohammadi muss bis zum kommenden Wochenende aus Deutschland ausgereist sein. Das teilte Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamtes, mit.

„Für mich als Geschäftsmann heißt das, dass ich quasi über Nacht einen Mitarbeiter verliere, der bislang fester Bestandteil all meiner Planungen war“, sagt Schmid. Das fange banal beim Urlaubsplan an, erstrecke sich aber bis ins Grundsätzliche, zum Beispiel zur Frage, wie man die Betriebsabläufe organisiert. Denn in der Gastronomie, das weiß man mittlerweile selbst als Laie, hängen Erfolg und Misserfolg ganz wesentlich davon ab, ob man gutes Personal hat.

Navaz Mohammadi wurde von Michael Schmid vor etwa einem Jahr zwar nur als Spüler eingestellt, doch in einem Küchenbetrieb ist der Ablauf so verzahnt, dass auch ein kleines Zahnrad, das nicht funktioniert, den ganzen Laden zum Knirschen bringen kann. Um so glücklicher war man in Raubling, in Navaz einen Mann gefunden zu haben, der wie es so schön heißt, „die Arbeit sieht“. Einen der, wenn er selbst gerade mal weniger zu tun hat, nicht möglichst unauffällig in der Ecke steht, sondern versucht, auch woanders anzupacken, wenn er dort einen Engpass sieht. Mit der Zeit hat man Navaz deshalb mit immer mehr Aufgaben betraut, in der Zwischenzeit spülte er nicht nur, sondern war auch Küchenhilfe, schnitt das ganze Gemüse, das man zum Kochen und zum Garnieren braucht. Und auch hier legte er sich voll ins Zeug: „Beim Schneiden“, sagt Mitarbeiter Markus, „war er bald so schnell, dass er jeden Koch im dritten Lehrjahr abhing“.

Menschlich ein Verlust

Schlimm, das sagen alle bei der Bäckerei, sei auch der menschliche Verlust. In Küche und Service kann die Arbeit manchmal recht stressig werden. „Da ist jemand, der nie schlecht gelaunt ist, der selbst, wenn’s richtig rund geht, für jeden noch ein Lächeln übrig hat, ganz schön wichtig“, meint der Chef. Zumindest sei er jemand, den man wirklich vermissen werde. Bitter sei das ganze vor allem auch deswegen, weil niemand von Navaz’ Kollegen die Entscheidung nachvollziehen könne. Navaz liege doch, so heißt es, keinem auf der Tasche: Er verdiene sein eigenes Geld, zahle Steuern und Sozialbeiträge. „Im Grunde finanziert er damit doch genau die Leute, die ihn jetzt vor die Tür setzen. Wer soll das verstehen“, fragt ein Mitarbeiter der Bäckerei.

Doch die juristische Beurteilung des Falles sieht ganz anders aus. Nach seiner eigenen Aussage ist Navaz Mohammadi schon vor zehn Jahren aus Pakistan ausgereist. Aus der Tatsache, dass der Grund keine politische Verfolgung war, sondern, weil er in Pakistan nach dem Tod seines Vaters keine Perspektive des wirtschaftlichen Überlebens sah, und deshalb zuerst nach Griechenland und dann nach Deutschland ging, hat er offensichtlich nie ein Hehl gemacht. Und deshalb ist die juristische Sachlage eindeutig: „Der Entscheid des Bundesamtes für Migration, den Asylantrag abzulehnen, war erwartbar“, wie Pressesprecher Fischer erklärt. Beim Asyl handele es sich, wie er erläutert, um ein hohes Rechtsgut, das der Staat nicht durch Einzelentscheidungen wie etwa im Fall von Navaz Mohammadi aufweichen, sondern ganz grundsätzlich auf die tatsächlich unmittelbar an Leib und Leben Verfolgten beschränken wolle. Allerdings sei selbst jetzt eine weitere Zukunft Navaz Mohammadis in Deutschland nicht definitiv ausgeschlossen, sagt Fischer. Bekäme er von der Bäckerei Schmid einen Ausbildungsvertrag, könnte er mit diesem bei der Deutschen Botschaft in Pakistan einen Visa-Antrag „für die Einreise nach Deutschland zum Zwecke einer Ausbildung“ beantragen.

Ausreise bis Freitag

Voraussetzung dafür ist allerdings eine fristgerechte freiwillige Ausreise, und das bedeutet eben, dass Navaz Mohammadi Deutschland bis nächsten Freitag verlassen haben muss. Bei der Bäckerei Schmid kümmert man sich deshalb jetzt mit Hochdruck darum, alle nötigen Unterlagen für den Visa-Antrag zusammenzubekommen.

Der Ausbildungsvertrag selbst sei kein Thema, man hatte diesen Navaz eigentlich schon lange angeboten, erklärt Schmid. Tragischerweise hatte er damals nicht gleich zugegriffen, wohl aus Angst, den Anforderungen einer Ausbildung in einer fremden Sprache nicht gewachsen zu sein. Was jetzt bleibt, ist hoffen. Denn das, was ihn hier im Grunde zu einem Vorzeige-Asylbewerber macht, nämlich, dass er deutsche Werte und deutschen Lebensstil nicht nur akzeptiert, sondern auch für sich übernommen hat, würde ihn in seiner Heimat zum Außenseiter machen. Dort wäre er wieder ein Fremder.

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