Infoabend der Bürgerinitiative „Ja zu Riedering! Nein zu einem Riesensupermarkt auf der grünen Wiese!“

Spaltung des Ortes befürchtet

von Redaktion

Sachlich und leidenschaftlich wurden beim Infoabend der Riederinger Bürgerinitiative (BI) „Ja zu Riedering! Nein zu einem Riesensupermarkt auf der grünen Wiese!“ die beiden Pläne zum Bau von Supermärkten diskutiert. Es ging vor allem um Nachhaltigkeit und den Erhalt des Dorfbilds.

Riedering – Viele Interessierte, Bürger und Gemeinderäte folgten der Einladung der Bürgerinitiative in den Alten Wirt. Zur Begrüßung gingen die BI-Sprecher auf ihre Motivation ein: Barbara Tischer betonte, dass man miteinander ins Gespräch kommen wolle. In ihren Augen reiche es aus, den jetzigen Rewe-Standort für einen lebendigen Ortskern zu ertüchtigen. Sie befürchte eine Spaltung des Ortes.

Claudia Grosse sprach von einem „unfairen und erpresserischen“ Verhalten, als Rewe bei der Veranstaltung am Montagabend von einem Ende der Lebensmittelversorgung gesprochen habe. Ein großer Supermarkt werde das Dorf verändern, zeigte sie sich überzeugt.

Michael Hertel, der auch beim Bund Naturschutz Mitglied ist, wollte nicht noch mehr Fläche versiegelt sehen. Weyarns Alt-Bürgermeister Michael Pelzer, den die BI eingeladen hatte, betonte: „Ich rate nichts!“ Er rief in humorvollen und dennoch verbindlichen Worten zu einem Dialog mit allen Beteiligten auf. Da dürfe sich die Gemeinde nicht von außen, also von den Investoren, unter Druck setzen lassen.

Zuallererst sollte die Bedarfsermittlung stehen: Was ist den Bürgern wichtig? Diese Aufgabe müsse man gründlich angehen, dies erfordere Zeit, was sich aber, so seine Erfahrung aus seiner Heimatgemeinde, lohne. Denn: „Es ist Euer Dorf und Euer Ergebnis!“

Moderator Dr. Hermann Biehler aus Rosenheim engagiert sich seit einigen Jahren bei der Initiative „Lebenswertes Happing“. Er bat um sachliche Beiträge, ehe er Bertram Müller, einem Miteigentümer des Hauses, in dem derzeit Rewe angesiedelt ist, das Wort erteilte. Müller erklärte, dass der Pachtvertrag für sieben Jahre laufe. Beim kleinen Rewe-Markt seien die beschränkten Parkmöglichkeiten ein Problem, aber auffallend sei, dass Rewe an der Situation nichts ändere.

Dem Einwand, dass der regionale Gedanke mit einem großen Supermarkt verloren ginge und der Frage „Wer denn vom Hochwasserschutz am Schlittenberg profitiere“, hielt Gemeinderat Matthias Pummerer entgegen: „Wir sind getrieben worden.“ Der Gemeinderat habe es sich nicht leicht gemacht, seit Jahren schon debattiere man über die Nahversorgung. Und was den Bau des Hochwasserdamms angehe, so sei dieser für ganz Riedering und nicht für Rewe.

Barbara Tischer beklagte eine mangelnde Diskussion in öffentlichen Gemeinderatssitzungen. Ein Zuhörer warf ein, dass man sich im Rahmen der Dorferneuerung schon vor rund zehn Jahren darauf verständigt habe, dass bestimmte Flächen nicht bebaut werden dürften. Daran solle man sich bitte auch halten.

Weitere Wortmeldungen waren: „Wir fühlen uns bestens versorgt“, es gebe im Dorf doch schon Bäcker und Metzger. Und: Ein großer Supermarkt widerspreche der Nachhaltigkeit. Gemeinderat Josef Halbritter sah das anders, viele Leute führen doch jetzt schon in andere Orte zum Einkaufen.

Aus den Reihen der Zuhörer kam ebenfalls das Argument: Qualitätsmerkmal des Dorfes sei sein ländlicher Charme. Ein kleiner Nahversorger spiegle den wider, nicht aber ein Riesensupermarkt am Ortseingang. Beide Supermarkt-Bewerber würden außerdem mit falschen Bildern werben. „Das sind doch Luxuswohnungen auf dem Dach, keine Sozialwohnungen bei dem unverbauten Bergblick“ so ein weiterer Vorwurf.

Die erste Unterschriftenliste habe vor gut zwei Jahren damit geworben „Rettet unsere Arbeitsplätze“, Initiator dieser Unterschriftenaktion sei Rewe gewesen. Dabei sei es doch aber an der Gemeinde, den tatsächlichen Bedarf an einer Nahversorgung zu ermitteln. Überhaupt warte man auf die Informationen aus dem Rathaus, das Gemeindeblatt sei immer noch nicht erschienen und: „Wo ist denn überhaupt der Bürgermeister?“ Biehler erklärte, dass Bürgermeister Häusler bei der zeitgleich stattfindenden Sitzung des Brennerforums Süd sei.

Zur nötigen Entspannung sorgten zwei musikalische Hochkaräter: Saxofonist Mulo Francel (ein gebürtiger Riederinger) und Pianistin Nicole Heartseeker spielten munter zwischen den vielen Redebeiträgen auf. Auch wenn Mulo Francel erklärte, unpolitisch zu sein, konnte er sich eine kleine Anmerkung nicht verkneifen: „Ich fände es schade, wenn mein Schlittenberg aus Kindertagen einem Supermarkt geopfert werden würde“. Da passte das folgende Musikstück gut: „Ein prophylaktisches Requiem.“

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