Die schönste Fassade im ganzen Land hat das sogenannte „Prinzessinnenhaus“ in Vogtareuth derzeit nicht. Es könnte aber bald wieder schön herausgeputzt werden, hofft die Gemeinde.Foto ammelburger
Das sogenannte „Prinzessinnenhaus“ in der Ortsmitte von Vogtareuth ist seit Jahren eine Bauruine – sehr zum Ärger der Gemeinde. Jetzt wird der Rohbau samt Grundstück zwangsversteigert. Der Gläubiger sprach mit dem Oberbayerischen Volksblatt über die Hintergründe.
„Prinzessinnenhaus“ unter dem Hammer
Vogtareuth – Heinrich Burger, Geschäftsführer der Bayrisch Wohnen GmbH in Schechen ist der Gläubiger. Er war von der Eigentümerin mit der Abwicklung des Bauvorhabens betraut worden – und hat sie dabei auch vor etwa sechs Jahren persönlich kennengelernt. „Ja, es wurde mir damals glaubhaft vermittelt, dass sie eine Prinzessin sei,“ erinnert sich Burger. Sie habe zwar keine Krone auf dem Kopf getragen und sei auch schon etwas älter gewesen, aber alles in allem eine sehr nette Dame. „So wie das Geld anfangs geflossen ist, gab es keinen Grund zur Sorge“, erinnert er sich. Nach einiger Zeit habe das allerdings anders ausgesehen. Der Kontakt sei abgebrochen. Die aus Saudi Arabien stammende Eigentümerin, die wegen ihres kranken Sohnes in Vogtareuth gewesen war, sei nicht mehr zu erreichen gewesen. „Eigentlich schade“, bedauert Burger mit einem Blick auf die Baupläne. „Das Haus hätte eine Augenweide werden können.“
Das bestätigt auch Bauunternehmer Sebastian Pauker, der vor etwa zwei Jahren selbst auf der Baustelle tätig war. Er bedauert, „dass die Bauarbeiten kurz vor dem Dach gestoppt wurden. Was gebaut wurde, war alles sehr ordentlich.“ Da blute ihm als Bauunternehmer das Herz, gibt er offen zu, wenn man sein Werk dann „einfrieren“ müsse.
Vogtareuths Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter hofft, dass das Haus demnächst doch noch weitergebaut würde: „Gern würde ich bei der nächsten Bürgerversammlung am 20. November, den Bürgern gute Nachrichten vermelden.“ Gerade in Hinblick auf die Dorferneuerung sei es wünschenswert, dass an so exklusiver Stelle im Ort ein entsprechendes Gebäude stehe.
Doch bevor es dazu kommt, kommt es am Donnerstag, 8. November, in der Außenstelle des Rosenheimer Amtsgerichts in Bad Aibling, Sitzungssaal 19/I, Hofberg 5, zur Zwangsversteigerung. Geboten wird dann für das 672 Quadratmeter große Grundstück, teilweise bebaut mit dem Rohbau aus dem Jahr 2016; einem Anteil an der Augenossenschaft mit Holzschlagrecht (drei Ster pro Jahr) und zwei Nutzanteilen am sogenannten „Rechtlerwald“.
Der Gesamtwert wurde von einem Gerichtsgutachter auf rund 432000 Euro angesetzt. Mindestens die Hälfte dieser Summe müsste bei einer Zwangsversteigerung erzielt werden, erklärte Stefan Tillmann, Pressesprecher des Rosenheimer Amtsgerichts, zum Prozedere der Versteigerung.
Die Gemeinde Vogtareuth würde nicht mitbieten, erläuterte Leitmannstetter. Dafür hätte der Gemeinderat kein Mandat erteilt.
Immobilienhändler Burger machte deutlich, dass er bereits mit „mehrere Interessenten“ gesprochen habe, die das angefangene Bauvorhaben gern zu einem guten Ende führen möchten.