Ein Arbeitsplatz in Traumlage.
Oberaudorf – Seit rund drei Wochen wird am Hocheck – gleich ums Eck von der Liftstation – in die Tiefe gebohrt. 400 Meter stehen auf der Vorgabe, aktuell wurden bereits 120 Meter erreicht, sagt Manuel Gotthalmseder. Er ist DB-Projektleiter für diesen Abschnitt.
Im Rahmen der Planungen zum Brenner-Nordzulauf und der Trassenfindung gab es bereits an die 30 Probebohrungen im Inntal. Diese sind bis auf vier abgeschlossen. Die spektakulärste ist die aktuelle Erkundungsbohrung oben am Hocheck.
„Aktuell sind wir schon 120 Meter vorangekommen“, sagt der DB-Projektleiter. „Ohne Probleme“, wie er anfügt. Allerdings dürfte sich das Tempo jetzt deutlich verringern, denn die oberste Schicht aus Moränenablagerungen mit Kies und Schotter ist durchbohrt. „Dort kamen wir rasch voran, rund 20 Meter pro Tag, weil das Material recht locker ist“, erklärt der Projektleiter im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.
Aktuell gehe es etwa zehn Meter pro Tag in die Tiefe, das Bohrgestänge treffe nun auf kieseliges Kalkgestein und Mergel. Dieses Gestein sei sehr viel härter als die Moränenablagerung. „Die Gesteinsschichten stammen aus der Jurazeit, sie sind vor etwa 160 Millionen Jahren entstanden.“ Nach Schätzungen der Geologen wird diese Schicht etwa 100 Meter stark sein, noch weiter unten werde sie wegen des Kalks rötlich eingefärbt und sehr dicht sein. Das zumindest erwarten die Experten.
Gespannt sind alle auf etwaige sogenannte „Störflächen“, also Bereiche, in denen sich Gesteinsschichten gegenseitig verwerfen und aneinander reiben. „Das ist besonders bei Gebirgsfaltungen für uns interessant, weil dann das Gestein nicht mehr homogen ist“, so Gotthalmseder. Besonders der unterschiedliche Druck, der Wasserstand und der Wasserdruck werden mit Spannung erwartet.
Das Bohrloch hat oben am Hocheck einen Durchmesser von etwa 20 Zentimeter, der Bohrkern selbst von rund zwölf Zentimeter. Er werde genau unter die Lupe genommen. Kaum komme das Bohrgestänge wieder nach oben, werde der Bohrkern entnommen und in genau beschrifteten Kisten gelagert. „Der exakte Aufbau ist für uns hoch spannend“, sagt der DB-Projektleiter.
Aktuell laufen die Bohrungen am Hocheck nach Plan, was bedeutet, dass bis zum Wintereinbruch alles erledigt sein dürfte. Ein Bohrmeister sowie zwei Mitarbeiter treiben die Probebohrung täglich voran.
Freilich könne niemand voraussehen, ob die Bohrung komplikationslos verlaufen werde. „Derzeit haben wir keine Spülwasserverluste, das ist ein gutes Zeichen“, meint Gotthalmseder. Sobald man auf der Sohle in etwa 400 Metern Tiefe angelangt ist, werden dort Messinstrumente installiert, die vor allem Daten zum Wasserdruck und Wasserstand nach oben an die Oberfläche mittels Kabel und Fühlrohren melden werden.
Logistisch sei die Baustelle keine Herausforderung. „Im Grunde haben wir ideale Voraussetzungen, weil wir sogar eine Straße zum Transport zum Bohrpunkt benützen dürfen“, erklärt der DB-Projektleiter.
Zwei große Schautafeln informieren am Hocheck alle Gäste und Touristen, die tatsächlich die Informationen aufmerksam aufnehmen, wie er immer wieder feststelle. Die Probebohrung am Hocheck, so merkt er schließlich an, sei derzeit die einzige, an der aktuell noch gearbeitet werde. Alle anderen Bohrstellen, die von den Geologen bereits im Jahr 2016 als notwendig festgelegt wurden, seien beendet – bis auf drei: Flintsbach, Raubling und Neubeuern. „Flintsbach und Raubling erfolgen in Kürze. Und auch in Neubeuern werden wir über kurz oder lang die Genehmigung erhalten“, zeigt sich der DB-Projektleiter überzeugt.