von Redaktion

Es blieb spannend bis zuletzt und das Ergebnis lässt Raum für etliche Deutungen. Doch eines ist klar: Edeka hat sich beim Bürgerentscheid in Riedering mit 1521 Ja-Stimmen durchgesetzt. Mitbewerber Rewe hat das Nachsehen. Für ihn und seinen Standort Am Schlittenberg hatten 1326 Bürger votiert.

Riedering – Nun also Edeka am Ortsausgang von Riedering in Richtung Mitterfeld. Auf rund 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche will der Lebensmittel-Nahversorger ein für den Ort abgestimmtes Vollsortiment mit mehr als 20000 Artikeln anbieten. Zudem will Edeka bevorzugt Produkte von Erzeugern aus der Region ins Sortiment nehmen. Das zumindest versprechen Michael Zauner und Christian Strauß von Edeka Südbayern in einer Bürgerinformation, die der Heimatzeitung schriftlich vorliegt.

Und noch ein Ass hat Edeka im Ärmel: Wie das Unternehmen auf den riesigen Plakatwänden optisch verdeutlicht, will es oben drauf auf den Markt, also gewissermaßen huckepack, „bezahlbare Wohnungen“ errichten.

„Ein spannendes Projekt, das dem Gemeinderat aber noch gar nicht vorliegt“, so Bürgermeister Josef Häusler. Nach der langen Auszählnacht, die bis gegen 1 Uhr morgens dauerte, steht fest: „Edeka hat das Rennen gemacht. Wir werden nun sehr schnell den Kontakt mit dem Unternehmen suchen.“

Denn eines sei klar: Ohne belastbare Zusagen von Edeka, dass es der Firma Ernst ist mit der Ansiedelung, werde es keine Bauleitplanung geben. Er sei da wachsam geworden, denn ein anderer Nahversorger in einer anderen Gemeinde habe zum Schluss einen Rückzieher gemacht. „Das darf hier nicht passieren“, so der Rathauschef. Ein weiterer Punkt, über den der Gemeinderat mit dem Unternehmen sprechen und dann schriftlich fixieren sollte, wäre in seinen Augen das Thema „regionale Produkte“. Richtig spannend werde es bei den geplanten Wohnungen oben auf dem Dach von Edeka. „Diese Planung ist noch nicht in unsere Hände gelangt“, meint Häusler. Unklar sei auch, ob die Wohnungen in den Verkauf oder die Vermietung gehen werden. „Wichtig ist, dass bei diesem Wohnprojekt auch Riederinger Bürger zum Zuge kommen“, so der Rathauschef.

Bis 2020 könnte der Markt stehen

Michael Zauner, Regionalleiter von Edeka Südbayern, zeigt sich über das Votum der Bürger hocherfreut. Auch er wolle nun schleunigst in Gespräche mit der Gemeinde eintreten, damit „wir bis spätestens Ende 2019 Baurecht haben“, so der Regionalleiter. Bis 2020 könnte dann alles fertig sein, so seine Schätzung.

Dass er mit Edeka-Riedering wirklich neue und moderne Wege gehen will, bekräftigt er im Gespräch mit der Heimatzeitung: Was spricht gegen E-Ladesäulen, was gegen den Fußweg zur Kita, was gegen eine Tiefgarage und was gegen die Wohnungen, so fragt er. Im derzeitigen Planungsstand seien auf rund 600 Quadratmetern acht sehr moderne Wohnungen mit einem Traumblick in die Berge vorgesehen. „Das heißt aber nicht Luxus“, betont er. „Wir wollen zusammen mit dem Investor bezahlbaren Wohnraum schaffen.“

Insgesamt werden mehrere Millionen Euro zur Realisierung von Edeka-Riedering in die Hand genommen, sagt er vorsichtig zum Investitionsvolumen.

Weniger glücklich über das Ergebnis zeigt sich Barbara Tischer, die Sprecherin der Bürgerinitiative „Ja zu Riedering, Nein zum Riesensupermarkt auf der grünen Wiese“. Es sei schwer, einen Bürgerentscheid so zu formulieren, dass er klar und für jedermann verständlich ist. „Es hat nicht viel gefehlt, dass der neue Markt abgelehnt worden wäre. Das ist bitter.“ Schließlich gebe es am Ort bereits einen Rewe auf rund 700 Quadratmetern, der Pächter habe erst jüngst seinen Vertrag um weitere sieben Jahre verlängert, erklärt Tischer.

Sie und ihre Mitstreiter wollen nun ihr Augenmerk darauf richten, dass die Planungen tatsächlich so umgesetzt werden, wie angekündigt. Hinter die Wohnungen mache sie allerdings ein Fragezeichen, denn im Ort kursierten Gerüchte, dass es sich um reine Luxuswohnungen handeln wird, erzählt Tischer. Die Bebauung müsse sich in die umgebende Wohnbebauung einfügen, fordert sie. Ihr Hauptaugenmerk wolle sie aber auf den Bestand des Grüngürtels zwischen Riedering und Mitterfeld legen. „Es darf nicht ohne Not Grünfläche versiegelt werden.“ Das lese sie aus dem Ergebnis des Bürgerentscheids 1. Immerhin hätten dort 1450 Bürger mit „Nein“ zur Neuansiedlung gestimmt. Bürgerentscheid 2 (1244 Ja-Stimmen) und 3 (1255 Ja-Stimmen) verfügten mit ihren Ja-Stimmen jeweils nicht über die Anzahl der Nein-Stimmen vom Bürgerentscheid 1.

Wie schwierig die Interpretation des aus insgesamt vier Fragen bestehenden Bürgerentscheides ist, darauf weist auch Bürgermeister Josef Häusler hin.

Das erste Kuriosum: Die Wahlbeteiligung lag beim Bürgerentscheid bei 73,62 Prozent, wobei sie bei der Landtagswahl bei rund 82 Prozent lag. „Etliche Bürger kamen nur zur Wahl des Bürgerentscheids und nahmen ihr Stimmrecht für den Landtag und den Bezirkstag gar nicht wahr. Und andersherum ebenso“, so der Rathauschef.

Interessant ist auch die Tatsache, dass überraschend viele ungültige Stimmen abgegeben wurden: 1000 Stimmen bei Entscheid 2, 1063 bei Entscheid 3. Und auch bei der entscheidenden Stichfrage wurden 557 ungültige Stimmen gezählt. „Da bin ich ein bisserl ratlos über die Beweggründe“, meint Häusler. Denn auch diejenigen, die grundsätzlich gegen eine Neuansiedlung sind, hätten hier die Möglichkeit gehabt, eine Priorisierung vorzunehmen, falls sie bei der ersten Frage überstimmt werden.

Das Ergebnis

im Einzelnen

Stimmberechtigte: 4624

Wahlbeteiligung: 73,62 %

Quorum 20 %: 925 Stimmen nötig.

Bürgerentscheid 1:

1878 Ja-Stimmen,

1450 Nein-Stimmen.

Bürgerentscheid 2 (für Rewe): 1244 Ja-Stimmen, 1160 Nein-Stimmen.

Bürgerentscheid 3 (für Edeka): 1255 Ja-Stimmen,

1086 Nein-Stimmen.

Stichfrage:

1326 für Rewe,

1521 für Edeka

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