von Redaktion

Bahn schlägt vier Varianten vor – Inntal-Bürgermeister mit Alternativ-Vorschlag

Stans/ Flintsbach/ Einöden/ Brannenburg/ Reischenhart – Beim Thema Verknüpfungsstelle im Inntal sehen die betroffenen Bürgermeister ziemlich dunkelrot. Es geht um die Ortschaften Einöden, Flintsbach, Brannenburg oder Reischenhart. An einem dieser Orte soll nach Aussage der DB eine Verknüpfungsstelle errichtet werden, damit Züge von der Bestandsstrecke auf die neuen Gleise und umgekehrt wechseln können. „Das geht überhaupt nicht“, sagt der Raublinger Bürgermeister Olaf Kalsperger und meint die mögliche Verknüpfungsstelle in Reischenhart.

Optimale Voraussetzung für eine Verknüpfung ist eine möglichst parallele Streckenführung der Bestands- und der Neubaustrecke. Dann könnten gewissermaßen „vorne“ und „hinten“ je eine Weiche für den Wechsel sorgen. Platzbedarf: rund 30 Meter Breite. Aktuelle Zuglänge: 500 Meter. Tempo 120-160 km/h.

Komplizierter wird es bei einer Kreuzung, also wenn der Zug beim Wechsel der Gleise beispielsweise die Autobahn oder die Bestandsstrecke kreuzen muss. Ein solch komplizierter Fall liegt bei Reischenhart vor. Deshalb engagiert sich eine Bürgerinitiative gegen dieses Bauvorhaben. Ihr Argument: Drei Ebenen, das bedeutet auch Brücke über Brücke, und dieses Bauwerk wird extrem hoch und weithin sichtbar sein.

Diesem Argument widerspricht DB-Planer Torsten Gruber. „Die unterste Ebene ist gewissermaßen der Keller, dann kommt die zweite Ebene – das Erdgeschoss – und dann die dritte Ebene – der erste Stock.“

Das mag so sein, entgegnet der Raublinger Bürgermeister. „Die unterste Ebene ist tatsächlich in einer Troglage“, sagt er. Aber wie sieht es nach 50 Meter aus, dann haben wir keinen Trog mehr, alles ist oberirdisch? Er ist überzeugt: „Das würde ein Mammutprojekt.“

Außerdem wird von Mitgliedern der Bürgerinitiative in Reischenhart unterstellt, dass diese Verknüpfungsstelle nicht nur dem Wechsel von Güter- und Personenzügen, von schnelleren und langsameren Zügen dienen, sondern auch eine „Abzweigung“ in Richtung Salzburg bedeuten könnte. Dem widerspricht Gruber deutlich. „Hierfür haben wir keinen Planungsauftrag.“

Kritisch sieht der Flintsbacher Bürgermeister Stefan Lederwascher die möglichen Verknüpfungsstellen in Einöden und Flintsbach. „Wir leben hier in einem der am dichtesten besiedelten Gebiete in Deutschland. Muss dann hier auch noch eine solche Verknüpfungsstelle hin, die weiter Platz frisst“, fragt er empört.

Natürlich bringe die diskutierte Verlagerung der Bestandsstrecke nahe an die Autobahn auch Erleichterung für Einöden, und er sehe auch ein, dass es Möglichkeiten geben müsse, im Notfall schnell auf die Gleise zu gelangen. „Aber doch nicht an den engsten Stellen im Inntal!“

Stefan Lederwascher und Olaf Kalsperger, die beiden Bürgermeister aus Flintsbach und Raubling, sehen sich im Schulterschluss mit etlichen anderen Rathauschefs „Wir stellen alle vier von der DB vorgeschlagenen Verknüpfungsstellen infrage. Warum wird nicht nördlich von Kufstein sowie nördlich von Rosenheim ein solcher Punkt errichtet“, stellen sie in den Raum. Dort könnten die Personen- und Güterzüge sowie die Züge für den Personennahverkehr wesentlich bequemer auf das entsprechende Gleis wechseln oder überholen, argumentieren sie. Es gebe einfach mehr Platz. Kritisch sehen sie den Ausstieg einiger Gemeinden aus dem Dialogforum mit der Bahn. „Die Planung geht doch weiter, auch ohne sie. Schade.“

Laut DB-Sprecher Franz Lindemair passieren die Verknüpfungsstelle in Stans/Tirol täglich 197 Züge, davon 53 schnelle Reisezüge und 144 Güterzüge, auf der Bestandsstrecke fahren dort 145 Züge, davon 108 Personenzüge und 37 Güterzüge. „Der Nahverkehr hat definitiv profitiert“, so Lindemair.

Striktes Nein zu Verknüpfungsstellen

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