Die Violinistin Constanze Germann-Bauer erhielt bereits im Alter von vier Jahren Geigenunterricht.
Der Holzbildhauer Marco Bruckner mit seinen Skulpturen „Zwei Freunde? – nein, ein Jude“.Fotos giesen
Die Violinistin Constanze Germann-Bauer erhielt bereits im Alter von vier Jahren Geigenunterricht.
Der Holzbildhauer Marco Bruckner mit seinen Skulpturen „Zwei Freunde? – nein, ein Jude“.Fotos giesen
Pittenhart/ Traunstein – Ein besonderes musikalisches wie geistig anregendes Erlebnis war die Verleihung des ARTS-Kulturförderpreises. Im großen Saal des Traunsteiner Rathauses überreichten Sigrid Ackermann, Vorsitzende der ARTS-Kulturfördervereinigung, die Urkunden zusammen mit Dr. Thomas Auberger, Präsident des Lionsclub Traunstein und Reiner Heinz, dem Vertreter der Middeler Kulturstiftung Prien. Preisträger sind Constanze Germann-Bauer und Marco Bruckner. Beide leben und arbeiten in Pittenhart.
Germann-Bauer, 1990 in München geboren, wuchs im Berchtesgadener Land in der Nähe von Salzburg auf, wo sie bereits im Alter von vier Jahren ihren ersten Geigenunterricht bekam. Mit zwölf Jahren begann sie mit dem Vorbereitungslehrgang Violine an der Universität Mozarteum Salzburg. In 2009 begann sie dort ihr Studium in instrumentaler Gesangspädagogik mit dem Hauptfach Geige, Schwerpunkt Jazz und Pop. 2016 schloss sie das Studium mit dem Master of Arts ab.
Constanze Germann-Bauer spielt häufig bei Konzerten in Traunstein und bei den Reichenhaller Philharmonikern. Regelmäßig konzertiert sie solistisch im bayerischen und österreichischen Raum, sowohl in Ensembles als auch Bands und Orchester.
Die verheiratete Mutter einer zweijährigen Tochter lehrt derzeit bei der Musikinitiative Pittenhart und möchte ihre Unterrichtstätigkeiten weiter ausweiten. Eines ihrer Ziele sei auch, eine Orchesterstelle zu bekommen, sie wolle aber weiter in der Region mit Kammermusikgruppen konzertieren, so die Laudatorin Sigrid Ackermann.
Der weitere Preisträger, Marco Bruckner, stellte sich selbst vor. 1996 in Prien am Chiemsee geboren, machte er schon als Kind erste künstlerische Gehversuche mit Zeichnungen und Holzarbeiten. „Die Schule war nicht so meins“, gab der 22-Jährige gerne zu. Aber schon mit acht Jahren sei er mit seinem Opa, damals Landwirt in Pittenhart, in den Wald gegangen, wo er seine Beziehung zu Natur und Holz entwickelte. Neben der Schule habe er schon als Jugendlicher Drechselarbeiten, Gebrauchsgegenstände und abstrakte Figuren gefertigt. Heute finden in seinem Atelier in Pittenhart regelmäßig Ausstellungen statt.
2013 begann Bruckner seine Ausbildung zum Holzbildhauer an der Holzbildhauerschule in Berchtesgaden und beendete sie erfolgreich im Sommer 2016. Er präsentierte seine Arbeiten bereits in den unterschiedlichsten Städten und Gemeinden in über 30 Präsentationen. Bei der offenen jurierten Jahresausstellung des Kunstvereins Traunstein stellte er sein Luther-Projekt, abstrakte Darstellungen von Luther, im Juni dieses Jahres in Traunstein aus.
Eines seiner großen Ziele sei es, die Akademie der Bildenden Künste in München zu besuchen. In den nächsten Jahren werde er seine Arbeit zunehmend auf sakrale Skulpturen in Motorsägetechnik ausrichten. Ein Beispiel seiner Arbeit war bei der Preisverleihung zu sehen: Zwei abstrakte Köpfe – ein Birkenklotz, rot lackiert mit großem schwarzen Kainsmal an der Stirn, und ein „normaler“ Kopf – von Marco Bruckner als „Zwei Freunde? – nein, ein Jude“ betitelt. Seine Interpretation: „Die Menschen werden mit ihrem Glauben abgestempelt“. Er wolle seine Arbeiten nie wirklich fertig machen, sondern dem Betrachter, die Interpretation der Figuren überlassen.
Instrument der
Talentförderung
Waltraud Wiesholler-Niederlöhner, Dritte Bürgermeisterin von Traunstein, gratulierte den Preisträgern im Namen der Stadt. Sie bezeichnete die jährlich seit 1992 stattfindende Verleihung des ARTS-Kulturförderpreises als heute fest etabliertes und herausragendes Ereignis in der Kunst- und Kulturszene der Region. Der Preis sei ein wichtiges, sogar unverzichtbares Instrument der Talentförderung in der Region und bereichere das kulturelle Leben der Stadt Traunstein in unvergleichlicher Weise.
Der stellvertretende Landrat Josef Konhäuser, selbst von Anfang an Mitglied von ARTS und Förderer, gratulierte den jungen Künstlern auch im Namen von Landrat Siegfried Walch. Die Welt der Kunst sei nicht an eine einzelne Ausdrucksform gebunden, wie man an den Preisträgern sehe, sondern sie sei so wandelbar wie das Leben selbst. „Kunst ist Ausdruck unseres Daseins und schafft Werte wie Identität und Zusammengehörigkeit“ so Konhäuser.
Ein weiterer Höhepunkt des Abends war der Festvortrag von Professor Dr. Peter Michael Hamel unter dem Titel „Das Lokale ist das Universale“. Der Direktor der Bayerischen Akademie der Wissenschaften für die Abteilung Musik, der seit 30 Jahren in Aschau lebt, bezog sich in seinem sehr persönlich gehaltenen Vortrag direkt auf die beiden Preisträger, deren Werdegang er von Anfang an begleitete, aber ebenso auf die Kulturfördervereinigung ARTS. Dabei würdigte er im Besonderen die ehrenamtlichen Aktivitäten in der Traunsteiner Kulturszene, die weit über die Region hinaus wirken.
ARTS sei eine der ganz wenigen, von Anfang an ehrenamtlich geführten Kulturinitiativen, die sich nicht nur die Förderung von bildender Kunst, also Malerei und Bildhauerei, sondern auch die moderner Musik und schreibender Kunst auf die Fahnen geschrieben habe, sagte Hamel.
„Aus Klang wird Musik“, ein Zitat des rumänischen Musikers Sergiu Celibidache, gebrauchte der Festredner, um das inspirierte Violinspiel von Constanze Germann-Bauer zu beschreiben. Sie selbst bewies diese Aussage durch die Darbietung zweier anspruchsvoller Solostücke auf der Geige.
Zu Marco Bruckner merkte Hamel an, dass die von ihm geschaffenen Figuren niemals „fertig“ seien, sondern der Betrachter daraus etwas weiterentwickeln könne.
Der Festabend endete dank der Spenden von Traunsteiner Geschäftsleuten bei einem großen Buffet und mit angeregten Gesprächen der Besucher.gi