von Redaktion

Feierlicher Abschied von Kathrin Hörmann-Lösch, Direktorin des Gymnasiums Raubling

Raubling – Der „kleine Abschied“ von der Schulfamilie des Raublinger Gymnasiums hatte schon zu Ende des letzten Schuljahres stattgefunden. Am Donnerstag nun der große, offizielle und damit endgültige: Direktorin Kathrin Hörmann-Lösch geht in den Ruhestand und verlässt nach 16 Jahren Schulleitung „ihr Gymnasium“.

Damit geht nicht nur für sie, sondern auch für die Schule ein Lebensabschnitt zu Ende: „Als ich das Gymnasium übernahm“, sagte Hörmann-Lösch in ihrer Abschiedsansprache, „war es fünf Jahre alt, also im Kindergartenalter. Jetzt ist es 21, ein junger Erwachsener, der seinen eigenen Weg machen wird“. Der Vergleich ist berechtigt, denn wie bei jungen Menschen war diese Zeitspanne auch für die Schule durchaus turbulent.

Da waren zunächst die Jahre, als das Gymnasium noch im Aufbau war, eine Zeit, in der auch eine Schule ihren eigenen Stil und ihre Linie erst noch finden muss. Dann die große Herausforderung der Umstellung auf das G8: Schulen sollen normalerweise Orte der Beständigkeit und Kontinuität sein, um jungen Menschen einen festen Bezugs- und Orientierungspunkt geben zu können. In dieser, wie Hörmann-Lösch es nannte, „unruhigen Zeit“ waren sie jedoch ein Ort der täglichen Improvisation: Ohne Lehrbücher, ohne exakt ausgearbeiteten Lehrplan, mit der logistischen Herausforderung des stark ausgeweiteten Nachmittagsunterrichtes hing es in erster Linie von den Schulen ab, vom Engagement der Lehrer und dem Organisationstalent der Direktoren, ob die Umstellung zum Chaos oder zu einem letztendlich doch strukturierten Übergang geriet.

In solch turbulenten Zeiten des Erwachsenwerdens braucht der junge Mensch, braucht auch eine junge Schule vor allem eines: starke Führung. Das setzt nicht zuletzt den Mut voraus, Dinge, die falsch oder auch nur nicht optimal laufen, beim Namen zu nennen. Und von daher war Kathrin Hörmann-Lösch die richtige Frau an der richtigen Stelle. „Wenn Sie das Gefühl hatte“, so die Elternbeiratsvorsitzende Susanne Franz, „dass etwas schieflief, war niemand, auch kein Beamter im Landratsamt oder Ministerium, vor ihren bohrenden Nachfragen sicher“. Hartnäckig und entschlossen sein zu können, ist gut, positive Ergebnisse erbringt diese Eigenschaft aber erst dann, wenn sie auch „sozialverträglich“ ist. Hier zeichnete sich, wie Josef Huber, der stellvertretende Landrat, betonte, die Direktorin als eine Person aus, die das feine Gespür dafür hat, was von dem Gewünschten tatsächlich durchsetzungsfähig ist und was nicht. Wobei durchaus die Fähigkeit zur Selbstkritik dazukomme. Es sei leider so, habe sie einmal über sich selbst gesagt, dass es ihr nicht immer gelinge, die Leistung und das Engagement ihrer Kollegen so zu würdigen, wie diese das verdient hätten: „Das ärgert mich an mir selbst.“

Auch diese Selbsteinschätzung belegt, dass sich bei Kathrin Hörmann-Lösch hinter einem Korsett aus straffer Selbstdisziplin offensichtlich ein Mensch voller Empathie befindet. Bezeichnend der Moment, als sie einmal bei einem Gespräch über die Geschichte des Gymnasiums auch über die zwei Todesfälle unter den Schülern berichtete, die man zu beklagen hatte, darüber, wie die Schulfamilie versuchte, das zu bewältigen und wie ihr in der Erinnerung die Augen nass wurden.

Diese Mischung aus einem Herz voller Mitgefühl und einem Naturell voller Tatkraft half wohl auch dabei, dass sie zusammen mit ihrer gesamten Schulfamilie die größte Herausforderung meisterte, der sich das Gymnasium zu stellen hatte: die eineinhalb Jahre währende Unterbringung von Asylbewerbern in der Turnhalle der Schule!

Für sie war diese Phase, von der sie einmal sagte „diese eineinhalb Jahre zählen doppelt“, durchaus eine Zeit voller Anspannung, auf der anderen Seite aber auch eine Chance: Es war eine Gelegenheit, dem Traum von einer lebensnahen Schulbildung, die einen vorurteilsfreien, dafür aber auf Wissen gegründeten Blick auf die Welt ermöglichen soll, wieder ein Stück näher zu kommen. Alles in allem, das darf man sagen, kann Kathrin Hörmann-Lösch beruhigt in den Ruhestand gehen: Ihr Kind, das Gymnasium, ist in der Tat erwachsen geworden, zeichnet sich auch aus dem Blickwinkel einer externen Evaluation als „funktionierende Schulfamilie“ aus.

Was ihre eigene Befindlichkeit angeht, so sei nach dem ersten Vierteljahr von dem Ruhestandsloch, in das viele fallen, wenn sie aus einem engagierten Berufsleben aussteigen, nichts zu spüren. „Ich genieße es“, sagt sie, strahlt dabei und meint nicht nur die Tatsache, dass sie, wie sie scherzhaft sagt, endlich ihren Wecker entsorgen konnte, sondern jetzt auch Zeit für ihre große Leidenschaft, das Reisen, habe. Die Wünsche ihrer Festgäste liefen deshalb vor allem auf eines hinaus: Dass sie ihre Umtriebigkeit behalten möge. Keinen Zweifel daran hatte Richard Rühl, der Ministerialbeauftragte für die ostbayerischen Gymnasien. Er meinte, in Bezug auf Kathrin Hörmann-Lösch werde auch in Zukunft gelten: „Wollen Sie etwas gesagt bekommen, fragen Sie einen Mann. Wollen Sie etwas erledigt haben, wenden Sie sich an eine Frau.“

Den Wecker hat sie schon entsorgt

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