Stephanskirchen – Helmut Heiss wurde vor zweieinhalb Jahren als Integrationsbeauftragter der Gemeinde Stephanskirchen bestimmt. Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen blickt Heiss auf die vergangenen Jahre zurück und spricht über die aktuelle Situation, die gemeindliche Flüchtlingsarbeit und den Helferkreis Asyl, der heuer sein fünfjähriges Bestehen feiert.
„Unser Konzept mit den dezentralen Unterkünften hat sich sehr bewährt“, sagt der Integrationsbeauftragte.
Dezentral bedeutet, dass in verschiedenen Ortsteilen höchstens 26 bis 28 Flüchtlinge in kleinen Wohneinheiten leben. Der Vorteil: „Unsere Helfer gehen ohne Angst in die Wohnungen und besuchen die Flüchtlinge“, sagt Heiss. Das Besondere: Trotz 190 Flüchtlingen – der wohl höchsten Zahl im Landkreis – gab es in Stephanskirchen keine Gewaltexzesse. „Wir haben eine niedrige Kriminalitätsrate und das Zusammenleben über die Kulturgrenzen hinweg ist meist unproblematisch.“
Die Grundstruktur bei den dezentralen Unterkünften spiegelt sich auch in den Helferkreisen wider. Jede Unterkunft hat einen Sprecher oder besser „Kümmerer“. Diese treffen sich alle sechs bis acht Wochen im Rathaus zum Erfahrungsaustausch und zur Vernetzung. Bei den Versammlungen mit dabei sind Lena Arbinger, Asylverwaltungskraft im Rathaus und Melanie Bumberger, die Migrationssozialarbeiterin von der Caritas. „Wir sind in einem regen Austausch“, sagt der Integrationsbeauftragte.
Heiss weiß, dass sich die heiße Phase der Flüchtlingsphase abgekühlt hat: „Vieles läuft von alleine. Die Flüchtlinge finden sich hier zurecht. Sie wissen wo die Ärzte sind, wo man einkaufen kann und wo man Hilfe bekommt. Vieles ist deshalb überflüssig geworden.“ So wurde beispielsweise das Lager „Libl am See“ aufgelöst, das Möbel und Gebrauchtwaren für die Flüchtlinge bereitstellte. Auch das Sprech-Café und die Radlwerkstatt „Rückenwind“ gehören der Vergangenheit an.
Was bleibt, ist der Kulturen-Kochtreff in der Otfried-Preußler-Schule. „Der Kochtreff wist ein Angebot des katholischen Bildungswerkes. Sechs Flüchtlinge und sechs Einheimische treffen sich zum gemeinsamen Kochen. Es ist ein schönes Angebot“, erklärt Heiss. Gekocht wurde Essen aus Syrien, Afghanistan und Irland. „Ein Meilenstein im vergangenen Jahr war der Danke-Abend im Vereinshaus in Stephanskirchen“, fährt der Integrationsbeauftragte fort.
Mit 65 Ehrenamtlichen wurde auf vier Jahre erfolgreiche Arbeit zurückgeblickt, aber auch in die Zukunft geschaut. „Wir haben unser Ziel erreicht – ein Mindestmaß an Integration“ Heißt: Die Flüchtlinge finden sich in Stephanskirchen zurecht.
Ans Aufhören denkt Heiss aber noch lange nicht: „Wir brauchen auch weiterhin Aufmerksamkeit, Freundlichkeit, Offenheit und Integrationsbereitschaft. Eben all das, was ich mir selber in einem fremden Land wünschen würde.“