Schechen – Ratschn, tratschn, Leut‘ ausrichten – die Pflegerbühne begeisterte mit ihrem spritzigen Hinterhofschwank „Quadrat Ratschn Schlamassl“ ihr Premierenpublikum im Theaterstadl in Schechen.
„Unsere neue Regisseurin Heike Zach meinte, dieses erst im letzten Jahr geschriebene Stück von Ralf Wallner sei uns wie auf dem Leib geschnitten“, strahlte am Ende der amüsanten und mit viel Applaus bedachten Vorstellung Vereinsvorstand Burgi Schober, die zudem als „Berufsratschn“ Annelie Gugl brillierte. Die ordnungsliebende, neugierige Hausmeisterin hat nicht nur grundlegende Kenntnisse über die gesamte Nachbarschaft, sondern teilt dieses Wissen auch bereitwillig bei einem Guglhupf mit ihrer Nachbarin, der pfiffigen, ebenfalls alleinstehenden und stets umfassend informierten Friseurmeisterin Hilde Hupf (Tanja Rüb). Gleich ob der neue Mieter Theobald Hecht (Felix Fischer) bei ChaChaCha die Hüften schwingt, die „graue Sumpfdotterblume“ Gisela Graubrot (Margit Heindl) nicht zur Arbeit geht, die im Hintergrund stets präsente Oma Wiese (Anita Neck) wieder mal „aufs Häusl“ muss, oder der Neuzugang vis à vis mit seinen Bauchmuskeln die Frauen in Verzückung setzt (großartig gespielt vom Bühnen-, Ton- und Lichttechniker Stefan Strauß, der auf seiner Empore mit nacktem Oberkörper die Nachbarschaft ebenso wie die Zuschauer verzückt) – Gugl und Hupf wissen alles. Fast alles – denn die an alle Mieter von der lebenslustigen Packerl Betti (Cynthia Bieber) überbrachten Briefe des Immobilienspekulanten Winfried Massel (Christian Gambos) mit drastischen Mieterhöhungen, trifft auch Gugl und Hupf absolut unvorbereitet. Um die Mehrkosten decken zu können, kommen die einfallsreichen Ratschn auf den Gedanken eine Partnervermittlungsagentur zu gründen, mit der Geschäftsidee „Waschen, schneiden, kuppeln“, wohlwissend, dass einsame Witwen wie Konditorin Vevi Rammerl (Annemarie Hofbauer), bereit sind für „g’scheide Mannsbilder“ auch ordentlich zu zahlen. Natürlich kommt es bei den Verkupplungsaktionen zu einigen ´haarsträubenden` Verwicklungen und einem dramatischen Finale mit neuen Paaren und „Spanneralarm“.
Spaßige Namensspielereien, Wortneuschöpfungen wie „Wimperntuschenglubscher“, Lebensweisheiten wie „Glück ist wia a Scheißhausfliagn – wenn man`s fanga wui, fliagt`s weg“ oder freche Sprüche wie „Lieber gratulieren statt kondolieren“ des frisch verwitweten Metzgermeisters Wammerl (Christian Fuchs), der kurz nach der Beerdigung schon wieder auf der Suche nach einer neuen „Thekenbedienung“ ist, begeistern ebenso wie das deftige Feuerwerk an zünftigen und schlagfertigen Dialogen der Akteure.
Großes Lob auch an den Bühnenbildner Christian Gambos und sein Team, das den gesamten Pfleger Theaterstadl – inklusive Technik-Empore – als urige Hinterhofkulisse gestaltet hat. Lob auch an Heike Lilli Zach, die mit ihrer schwungvollen, pfiffig-deftigen Inszenierung in bayerischer Mundart ein gelungenes Debüt als Regisseurin bei der Pflegerbühne feiern durfte und an Josi Sollinger, die erstmals als Souffleuse agierte – auch wenn sie dank hervorragender Textkenntnis des Ensembles nicht zum Einsatz kam.
Mitzuerleben ist das abendfüllende und doch sehr kurzweilige „Quadrat Ratschn Schlamassl“ noch bei den Zusatzvorstellungen am 30. November und am 1. Dezember, jeweils um 20 Uhr im Pfleger Theaterstadl. Kartenvorverkauf bei der Familie Hofbauer, Telefon 08031/4696777. Aktuelle Informationen zu Restkarten und Wissenswertes zur Pflegerbühne sind auch im Internet unter www.die-pflegerbuehne.de nachzulesen.