Ziel von Wanderern und Dieben

von Redaktion

OVB-Serie „Von Flurdenkmal zu Flurdenkmal“: Zu sagenumwobenen Kapellen

Samerberg – Den Spuren geschichtsträchtiger und teils auch sagenumwobener Kirchen, Kapellen und Wegekreuzen folgend, führte uns der Rundweg diesmal – in Törwang beginnend – vorbei an sehenswerten Naturdenkmälern, wunderschönen Landhäusern und saftigen Wiesen mit vor Kraft strotzenden Rindern über Grainbach zurück nach Törwang. Mit an Bord wieder der Samerberger Wegewart Dr. Georg Stuffer als Kenner der Region und sein Jack-Russel-Rüde Wutzi.

Von der alles überragenden Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt marschieren wir dann los in Richtung Grainbach, spannende Erwartung im leichten Gepäck. Schon von Weitem erkennen wir trotz etwas ungünstiger Witterung die Umrisse der kleinen Sebastianskapelle, die der Überlieferung nach als Pestkapelle erbaut wurde, worauf auch die beiden großen Altarbilder der Pestheiligen Sebastian und Rochus hinweisen.

Spartanisch

ausgestattet

Der Innenraum ist eher spartanisch ausgestattet, denn schon viermal wurde dieses Kleinod im Laufe der Zeit ausgeraubt. Von noch immer blühenden Rosen umrankt, lädt eine Bank neben der Kapelle zur Rast ein, wobei die Sicht auf die Hochries als optische Zugabe nicht zu verachten ist.

Nur ein Stück des Wanderweges weiter stoßen wir am Ortsanfang Grainbachs auf das Bolz-Kreuz, das im Jahre 1996 errichtet worden war, wohl aus einem Versprechen heraus. Der verzierte Wetterschutz des Holzkreuzes umrahmt Jesus, der auf Kreuzbalken aus Eichenholz angebracht ist.

Der Zahn der Zeit nagt an der Mesnerkapelle bei Grainbach, die zumindest von außen gesehen, etwas revonierungsbedürftig erscheint. Den Innenraum aber beherrscht das eindrucksvolle Altarbild der Rosenkranzkönigin, das von Christine Mayer vom Mesnerhof als Nachbildung geschaffen und in der Kapelle angebracht worden ist.

Inmitten des Samerberger Ortsteils Grainbach auf einer kleinen Anhöhe begrüßt uns die mächtige Filialkirche St. Ägidius und Nikolaus, die erstmals im Jahre 1467 geschichtlich Erwähnung findet. Ursprünglich wohl eher als Wehrkirche konzipiert, dominiert sie seit hunderten von Jahren den Ort. Die filigrane und vergoldete Wetterfahne mit Wetterhahn ist nicht nur ein lohnendes Fotoobjekt, sondern sie gibt dem eher mächtigen Bau ein zartes Indiz.

Eine mächtige Holztür fällt beim Betreten des Kirchenschiffs hinter uns zu, lässt uns innehalten, überwältigt von der Schönheit der Kirche. Drei herrliche Rokokoaltäre mit Bildern umrahmen den mächtigen Hochaltar mit Doppelsäulen und dem Altarbild mit den vierzehn Nothelfern, denen wir später noch einmal begegnen werden.

Die Deckengemälde zeigen die Heiligen Nikolaus und Ägidius, die das Gotteshaus beschützen sollen. Doch auch sie waren machtlos, als am 18. Juli 1704 plündernde Kroaten die goldenen und silbernen Kirchenschätze rauben wollten. Den plündernden Panduren sollte der damalig Mesner Simon Schmid (wir berichteten) die Schlüssel zu Kirche aushändigen, doch dieser versperrte die schwere Holztür blitzschnell von Innen, was den Zorn der Marodierenden hervorrief, die mit ihren schweren Äxten ein Loch in die Eingangstür schlugen, um sie so von innen öffnen zu können.

Dieses geschlagene Loch ist auch heute noch deutlich zu sehen, es wurde aus Sicherheitsgründen nur von außen verkleidet. Der in Todesangst schwebende Mesner flüchtete zwischenzeitlich schnell auf den hohen Kirchturm, was ihm aber wenig half, denn die Räuber drängten vehement nach.

So seilte er sich in seiner höchsten Not an der Nordseite des Turms mit dem Glockenseil ab, was aber von der Länge her nicht ganz ausreichte und das er beim Absprung loslassen musste. Daraufhin schlug die Turmglocke an, was ihn und seine spektakuläre Flucht letztlich verriet. Gegen die ihn mit Pferden verfolgenden Kroaten war er machtlos, sie holten ihn ein und töteten ihn brutal. Eine Gedenksäule, die wir auf unserem weiteren Weg noch ansteuern werden, wurde dem tapferen Mesner Simon Schmid gewidmet.

Die Wanderung für weiter auf dem Weg von der Filialkirche hinunter bis man, direkt an der Hochriesstraße Ecke Lochenalm und an Kräuterwiesen gelegen, auf die Oberwagner Kapelle stößt, die vor allem bei den älteren Einwohnern Grainbachs auch unter dem Namen Hamper Kapelle bekannt ist und die ebenfalls schon dreimal ausgeraubt worden war.

Der kleine Sakralbau aus dem Jahre 1723 ist schon recht verfallen, wird aber im Innenraum durch ein noch recht gut erhaltenes Gemälde mit Maria, der Mutter Gottes, die das Jesuskind auf dem Arme trägt und den vierzehn Nothelfern sowie den Heiligen Franziskus und Antonius deutlich aufgewertet. Der Überlieferung nach soll der kleine weiße Kapellenbau aus einem Gelöbnis heraus entstanden sein. Denn in den 1720er-Jahren wütete auf dem „Hamper Anwesen“ eine verheerende Seuche, der Menschen und Tiere zum Opfer fielen. Mit der flehentlichen Bitte um Verschonung vor weiterem Unglück ließen die Eheleute Hamper damals das kleine Gotteshaus erbauen.

Vorbei am Oberwagner-Aussiedlerhof geht es leicht bergan, links und rechts weiden auf saftigen grünen Wiesen gutgenährte Rinder, die uns neugierig hinterher schauen und die Wanderer mit ihrem Läuten und Muhen begleiten. Dann, leicht auf einer Anhöhe liegend, steht das Estermann-Kreuz, westlich des Ortsteiles Wenk, direkt neben der wenig befahrenen Straße zwischen Frasdorf und Grainbach.

Dieses Kreuz, wie viele andere auch, gilt der Überlieferung nach wohl als Schutzzeichen auf Feldern oder am Wegesrand, um die landwirtschaftlichen Bodenschätze vor Unwetter und Hagel zu bewahren. Der blühende Rosenstock verleiht dem blechernen Jesus-Corpus, der auch schon gestohlen, aber im nahen Feld wiedergefunden wurde, ein würdiges Aussehen.

Schwarzenberg

und Hochries

Umrahmt von schönen Linden, Ahorn und Buche, bietet die Bank vor dem Kreuz einen wunderschönen Blick auf die Samerberger Bergwelt. Links zeigt der Schwarzenberg seinen bewaldeten Rundrücken, zudem ist die Hochries mit ihrem blanken Gipfel nicht zu übersehen.

Der Blick schweift weiter über die drei Kuppen des Heubergs und bleibt dann ganz rechts am Bergmassiv des Wendelsteins hängen. Wahrlich ein Grund, hier inne zu halten und das Gesehene Revue passieren zu lassen, bevor es dann gestärkt weiter geht, wieder zurück zu unserem Ausgangsort, dem Dorfplatz in Törwang.

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