Neubeuern/Irschenberg/Island/Indien – 20 Jahre „Abenteuer im Kajak“: Zum Jubiläum seiner Filmtour präsentiert der bekannte Extrempaddler Olaf Obsommer aus Neubeuern sein „Programm der Gegensätze“: Nach einer eiskalten Winterreise nach Island geht es in den tropischen Süden Indiens. Dabei sind wieder spektakuläre Filme entstanden. Diese werden gezeigt am Donnerstag, 29. November, ab 20 Uhr in der Dinzler Kaffeerösterei am Irschenberg direkt an der Autobahn A8.
Die Wasserfälle im Norden Islands sind schon im Sommer eine Herausforderung für wagemutige Wildwasserpaddler. Wie verrückt muss man da erst sein, diese im Winter zu versuchen? Anfang März sind Matze Brustmann, Adrian Mattern, Jobst Hahn und der vierfache Extremkajakweltmeister Sam Sutton aus Neuseeland zum bekannten Goðafoss gereist, um das Außergewöhnliche zu wagen. Am „Fall der Götter“ gelangen dem Quartett binnen mehrerer Tage ein Dutzend erfolgreiche Fahrten auf den unterschiedlichsten Routen – darunter die Erstbefahrung des 14 Meter hohen Hauptfalls in der Strommitte im Winter.
„Vom fehlenden Gefühl in den Händen einmal abgesehen, ist eine Befahrung kaum schwieriger als im Sommer“, so der Münchener Matze Brustmann. „Kommt man allerdings in Schwierigkeiten und gerät am Fuße des Wasserfalls in eine tückische Unterströmung, tickt die Uhr unerbittlich.“
Damit eine Rettung im eisigen Wasser sichergestellt war, befanden sich stets zwei Paddler im Kajak unterhalb des Wasserfalls in Bereitschaft, um ihren Kameraden im Notfall zu Hilfe zu kommen. Pech hatte der Kiwi Sam Sutton, der gleich am ersten Tag aus zwölf Metern Höhe auf einem Eisblock landete, der aus dem Kehrwasser in die Strömung geraten war. Statt meterweit abzutauchen, war der Bremsweg extrem kurz und schmerzhaft. Die daraus resultierende Rückenprellung zwang Sutton fortan zum Zuschauen.
War das Wetter anfangs noch unplanmäßig frühlingshaft mit sieben Grad, Wind und Regen, verwandelte sich der Goðafoss innerhalb einer Woche bei Dauerfrost und steten Schneeschauern in ein wahres Wintermärchen – ganz so, wie es sich Michael Neumann, Fotograf und Initiator des Projekts, gewünscht hat. Island ist schon im Sommer einmalig schön, doch wenn Väterchen Frost und Frau Holle die Kontraste auf ein Minimum reduzieren, ist Island Balsam für die Seele und Zucker für die Augen.“ Als am letzten Tag für die finalen Dreharbeiten nochmals die Route in Strommitte in Angriff genommen wurde, war die Anfahrt durch einen eisgesäumten Kanal bereits auf einen Meter zusammengeschrumpft und das Wasser hatte die Konsistenz eines Smoothies angenommen – nur kälter …
Der Bundesstaat Kerala im Südwesten des Landes hat in der Regenzeit Potenzial für gleich mehrere Paddlerleben. Doch die größte Herausforderung ist, überhaupt aufs Wildwasser zu kommen – denn die Mühlen der indischen Bürokratie mahlen langsam und unberechenbar.
Völlig weiß ist Kerala auf der Paddlerlandkarte schon länger nicht mehr: Bereits zum siebten Mal fand Ende Juli in Kodanchery das „Malabar River Festival“ statt, Asiens größtes Kajakevent lockt mit einem üppigen Preisgeldtopf jedes Jahr einige der besten internationalen Wildwasserpaddler an. Auf unterschiedlichen Flüssen messen sich Profis und lokale Amateure in den Disziplinen Freestyle, Slalom, Boatercross und Downriver Sprint. Für Olaf Obsommer und sein Team – Thilo Schmitt, Philip Baues, Manuel Arnu, Quinn Cornell und Nouria Newman – sollte das Festival der perfekte Auftakt sein für einen Erkundungstrip in die Dschungel-Wildwasserwelt Keralas.
Dass es weitaus größere Sorgen als bürokratische und kulturelle Hindernisse für Kajaktouristen gibt, zeigte sich auf dramatische Weise, nachdem das Team längst wieder zu Hause war. Der Monsun steigerte sich zum stärksten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Dadurch verloren mehr als 350 Menschen ihr Leben, Hunderttausende ihre Häuser und Existenzen.re