Bauprojekte und ein Schreckgespenst

von Redaktion

Bürgerversammlungen in Großkarolinenfeld und Tattenhausen

Großkarolinenfeld/Tattenhausen – Der Rathausneubau in Großkarolinenfeld, lange das bestimmende Diskussionsthema in der Gemeinde, scheint den Bürgern nicht mehr besonders unter den Nägeln zu brennen. Auf den Bürgerversammlungen in der Max-Josef-Halle und beim Wirt „Der Bräu“ in Tattenhausen wollten sie vielmehr über den geplanten Nordzulauf zum Brennerbasistunnel, den Ausbau der Wendelsteinstraße und die Kinderbetreuung sprechen.

Zuerst stellte Bürgermeister Bernd Fessler die Entwicklung der Gemeinde vor, sprach über steigende Geburtenzahlen, steigende Einwohnerzahlen und ein gestiegenes Gewerbesteuer-Ist-Aufkommen sowie einen Gesamthaushalt für 2018 von rund 24,2 Millionen Euro und damit den höchsten in der Geschichte der Gemeinde.

Gut, dass die Einnahmen der Kommune hoch sind – denn man habe auch hohe Ausgaben gehabt, so der Bürgermeister. „Wir haben heuer viel geschafft. Das war nur zu bewerkstelligen, weil wir eine stabile Kassenlage haben“, betonte er.

Mit dem Rathausneubau geht es nun, nach dem Bürgerentscheid, voran. Vor knapp zwei Wochen wurde der erste Spatenstich gesetzt. Mit einem Bauende rechnet man im August 2020. Die derzeitige Kostenprognose beläuft sich auf etwas über acht Millionen Euro für Rathausneubau inklusive Gestaltung des Ortszentrums.

Weitere Maßnahmen sind der Ausbau der „Baum-Wege“ in Großkaro-Süd sowie der DSL-Ausbau. Im Außenbereich werden 197 Haushalte erschlossen, wobei jeder einzelne davon die öffentliche Hand über 3000 Euro kostet. Den Hauptteil der Wirtschaftlichkeitslücke von 640000 Euro insgesamt übernimmt der Freistaat, rund 128000 Euro bleiben an der Gemeinde hängen.

Ein großes Problem für die Gemeinde ist der Aushub aus den Bauprojekten. Die Unsicherheit, wie und wo man welches Material entsorgen darf, ließen sich die Anbieter bezahlen. „Das ist ein erheblicher Preistreiber“, so der Bürgermeister. Daher hat man nun eine Fläche zum Zwischenlagern auf Gemeindegebiet geschaffen, wo das Erdreich in Haufen aufgeschüttet, einzeln beprobt, einzeln ausgeschrieben und dann entsorgt wird. Die Kosten für die Planung, Herstellung und Rückbau der Fläche liegen bei 382000 Euro – ohne Entsorgung.

Den großen Mengen an Aushub fällt ein geplantes und von den Anwohnern ersehntes Vorhaben vorläufig zum Opfer. Auf die Anfrage einer Gemeindebürgerin informierte Fessler, dass der Ausbau der Wendelsteinstraße verschoben werden muss. Die Verkehrssicherheit an der Straße ist den Anwohnern schon lange ein Dorn im Auge. Doch der Ausbau der Straßen in Großkaro-Süd und der Rathausneubau sorgen für so große Mengen an Aushub, dass der Platz auf der Zwischenlagerfläche erschöpft ist. Weil laut Fessler an einen kompletten Ausbau nun vor 2021 nicht zu denken ist, damit auch die Möglichkeit der Erhebung von Erschließungsbeiträgen wegfällt, ist nun ein Teilausbau lediglich eines Fuß- und Radweges im Gespräch.

In Großkaro-Ost steht der Vorentwurf des Bebauungsplanes an. Hier kann man sich in der Gemeinde vorstellen, sozialen Wohnungsbau voranzutreiben. Nach Rückfrage eines Bürgers gibt es zwar noch keine genaueren Planungen dazu. Bürgermeister Fessler machte aber klar: „Selbst wenn wir hier 15 Wohnungen schaffen, bleibt das ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Die allgemeine Situation auf dem Wohnungsmarkt sei ein „Riesenproblem“, die Grundstückspreise im Raum Rosenheim „der helle Wahnsinn“.

Beim Neubau des Gehweges an der Grafinger Straße in Tattenhausen/Thonbichl ist die Frage nach dem Standort einer Querungshilfe noch nicht endgültig geklärt. Klar ist aber für Bürgermeister Fessler, dass die Schulkinder dort sicher zur Bushaltestelle kommen müssen.

In Tattenhausen war erst kürzlich die Fahrzeugweihe für das neue Löschfahrzeug (rund 252000 Euro) und den Mannschaftstransportwagen (rund 74000 Euro). In den nächsten Jahren stehen Planungen für den Neubau des Wertstoffhofes, die Umgestaltung des Ortszentrums und die Sanierung des alten Gemeindeamtes auf dem Programm.

Besonders die Frage nach der Kinderbetreuung liegt den Großkarolinenfeldern am Herzen. Auf Nachfrage berichtete der Bürgermeister, dass Mitglieder des Gemeinderates kürzlich einen Waldkindergarten in Tuntenhausen besichtigt haben. Eine solche Gruppe könne man sich auch in Großkaro vorstellen, einen interessierten privaten Betreiber sowie ein mögliches Grundstück habe man bereits. Außerdem plane ein privater Träger den Bau eines konventionellen Kindergartens in der Gemeinde. Weil auch das nicht reichen werde, zieht die Gemeinde mit der Erschließung von Großkaro-Süd ab 2020 außerdem den Bau eines weiteren Kindergartens in Betracht.

Ein weiteres Thema der Diskussionen war die Brenner-Zulaufstrecke. Die Bürger von Tattenhausen sprachen unter anderem den enormen Flächenverbrauch durch das Projekt an. Dadurch würden die Preise für landwirtschaftliche Flächen und Bauland weiter steigen.

Bei einer Veranstaltung im Oktober in Großkarolinenfeld hatten die Bürger bereits Gelegenheit, ihre Kritik zu diesem Schreckgespenst „Zulaufstrecke“ zu äußern. Einen der Notizzettel, die man dabei an eine Pinnwand heften konnte, wollte der Bürgermeister kommentieren. „Schade, dass unser Bürgermeister als Einziger im Landkreis für die Neubaustrecke ist“, hieß es darauf.

Er sei nicht für die Zulaufstrecke, sondern für sorgfältige Planungen, stellte er klar. „Ich bin überzeugt, dass die Realisierung des Tunnels einen großen Einfluss auf die Bestandsstrecke haben wird“, sagte er. Dazu müsse man sich überlegen, wie man das planerisch löse. Mit dieser Einstellung sei er auch sicher nicht der Einzige. Das Thema werde sehr unterschiedlich diskutiert, je nachdem, wo man sich befinde. Wer an der Bestandsstrecke lebe, spreche eher über das „Wie“. Wer abseits wohne, aber von alternativen Trassen betroffen wäre, stelle auch das „Ob“ in Frage. „In den Gemeindeforen Nord und Süd hat man jetzt beschlossen, nicht weiterzuarbeiten. Das halte ich für Schmarrn“, so Fessler. Denn dann gingen die Planungen einfach ohne die Gemeinden weiter. „Ich bin dafür, dass man sich in der Planungsphase Gedanken macht“, betonte er. Sonst werde der Verkehr, der sicher zunehmen werde, auf der Bestandsstrecke für negative Auswirkungen sorgen, etwa den Personennahverkehr zurückdrängen. Und der, insbesondere die gute Verbindung zum Ostbahnhof, sei ein wichtiger Standortvorteil von Großkarolinenfeld. Fessler meinte also: „Planung ja, das ob und wann und wie ist dann eine andere Frage.“

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