Oberaudorf – Über Nacht war er weg. Einfach so. Wer sich am Freitagmorgen, 2. November, am Dorfplatz von Oberaudorf eine Leberkässemmel holen wollte, rieb sich erst einmal verwundert die Augen. Das Bäckermandl, eine Bronzefigur, die immer so lässig am Dorfbrunnen mit seinem Brotkorb lümmelte, hatte sich über Allerheiligen davongemacht.
Allerdings nicht ganz freiwillig. Wie die Polizeiinspektion Kiefersfelden erst jetzt auf Anfrage mitteilte, war ein stark alkoholisierter 32-Jähriger aus Österreich in der Nacht auf den 2. November mit seinem Wagen gegen die Figur geprallt und hatte sie komplett aus ihrer Verankerung gerissen.
Die durch einen Anwohner alarmierten Beamten konnten am Unfallort allerdings nur das stark beschädigte und nicht mehr fahrbereite Fahrzeug feststellen, vom Fahrzeugführer fehlte zunächst jede Spur. Allerdings konnte kurz darauf unweit der Unfallstelle der junge Österreicher angetroffen werden, der letztlich als Unfallfahrer identifiziert werden konnte, so die Polizei. Nun wurde auch klar, wieso dieser das Eintreffen der Polizei nicht abwarten wollte. Der Mann stand sichtlich unter Alkoholeinfluss. Ein Atemalkoholtest ergab einen Wert von zwei Promille. Er musste sich einer Blutentnahme unterziehen. Zusätzlich erwartet ihn ein Strafverfahren, das wohl einen längeren Führerscheinentzug mit sich bringen wird.
Die Gemeinde Oberaudorf – sie hatte die Bronzefigur im Jahr 2001 erworben – musste handeln. Der Bauhof brachte die beschädigte Figur sofort auf das Gelände des Bauhofs. Der neue Platz des Dorfbäck: die Bank am Bauhof. Dort hatte ihm auch gleich ein Scherzbold ein Bierglas mit Henkel in die Hand gedrückt. Fehlt nur noch, dass jemand kommt und ihm einschenkt. Wie hoch die Kosten für die Instandsetzung sind, und wie lange diese dauern wird, dazu konnte Hubert Wildgruber, Bürgermeister in Oberaudorf, der OVB Heimatzeitung auf Anfrage noch nichts sagen.
Es hatte allerdings schon einmal ein bisschen Wirbel um die Bronzefigur gegeben. Zur Aufhübschung des Dorfbrunnens mitten im Ort wurde sie einst beim Künstler bestellt. Zuvor stand dort „eine gefühlte Ewigkeit“ am Holzbrunnen auch eine Figur aus Holz. Es war der Gesprächsstoff in Oberaudorf, als 2001 die Bronzefigur, fest verankert auf zwei schweren Granitblöcken, an den Standort am Dorfbrunnen gebracht wurde. Zu guter Letzt musste noch nachträglich ihr Kopf gedreht werden, denn sonst hätte sie immer nicht in eine Bäckerei, sondern in eine Metzgerei geblickt. Und das ging gar nicht!
Schließlich gewöhnten sich die Oberaudorfer an ihren Dorfbäck und schlossen ihn in ihre Herzen. Nun ist er weg und soll schleunigst wieder an seinen angestammten Platz kommen. „Es ist ein tolles Kunstwerk“, so Wildgruber. Er wolle alles dafür tun, dass diese Attraktion wieder an den Dorfbrunnen kommt. Schließlich sei er ein echter Hingucker. Touristen lieben das Selfie mit ihm.