Flintsbach – „Es ist lange schon vorbei, aber längst noch nicht vergessen“, sagte Flintsbachs Bürgermeister Stefan Lederwascher anlässlich des 100. Jahrestages zum Ende des Ersten Weltkrieges. Die nunmehr vierjährige Ausstellung zum leidvollen Geschehen im Foyer des Flintsbacher Rathauses sei hiermit auch beendet. Dass dieser schreckliche Krieg auch unter den Flintsbacher Bürgern noch nicht vergessen ist, zeigte die große Teilnehmerzahl an der Ausstellung.
Vier Jahre dauert der Erste Weltkrieg (1914 – 1918) und vier Jahre dauerte auch die Ausstellung (2014 – 2018) im Rathaus. Sie wurde vom Freundeskreis des Pfarrmuseums eingerichtet und stetig begleitet.
Viel konnten die Mitglieder vom Pfarrmuseum nicht ausstellen, denn es ist nicht mehr viel von den 93 Gefallenen und den weiteren sechs nach Ende des Krieges an ihren Verwundungen Gestorbenen der Gemeinde Flintsbach erhalten geblieben. Degerndorf zählte damals auch dazu.
Geblieben sind ihre Namen, die heute noch im Dorf zu hören sind, denn es gab wohl kaum eine Flintsbacher Familie, die nicht einen Toten zu beklagen hatte. „Mehr als die Hälfte waren älter als 25 Jahre, der älteste 48 Jahre, der jüngste erst 19. Er starb, nachdem er schon zwei Jahre an der Front war. Er wurde bereits mit 17 Jahren als Soldat eingezogen“, so der Bürgermeister bei seinem Rückblick.
Jener junge Mann war der zweite Sohn seiner Familie, der sein Leben im Krieg verloren hat. Da die älteren Soldaten oft verheiratet gewesen seien, verloren damit die Familien den Ehemann und zumeist auch den Vater. „Die Not kehrte ein, denn der Ernährer fehlte. Etwa ein Drittel der hiesigen Gefallenen waren Familienväter“, erklärte Manfred Benkel, Vorsitzender des Freundeskreises.
Um alle Gefallenen aus den Ortsteilen der Pfarrei zu erfassen, schuf der damalige Pfarrer Rieder ein „Ehrenbuch“, in dem er handschriftlich jeden einzelnen Gefallenen auflistete.
Vier Jahre lang wurde jetzt jeweils zum 100. Todestag die entsprechende Seite in der Ausstellungsvitrine aufgeschlagen. Ein wichtiger Bestandteil der Erinnerung bildete zudem das dazugehörige Sterbebild, von denen noch rund 70 Stück in der Pfarrei vorhanden sind. „Oft habe ich mir die Bilder länger angeschaut und bestimmte Ähnlichkeiten in den Gesichtszügen von Freunden, Bekannten und auch von mir selbst entdeckt. Ohne Zweifel, das waren Familienangehörige. Diese Menschen gehören zu uns, sind ein Teil von uns selbst und ein Teil unserer Geschichte“, meint Lederwascher. „Wirklich tot ist nur der, an den niemand mehr denkt.“ So leben die Gefallenen aus Flintsbach auch 100 Jahre später noch in den Gedanken der Menschen weiter.