Nußdorf – Wieder einmal sorgte der Brenner-Nordzulauf für Meinungsverschiedenheiten im Nußdorfer Gemeinderat, obgleich alle beteiligten Parteien bereits seit längerer Zeit nahezu gleicher Meinung sind, wie dann auch das Ergebnis nach einer heftigen Debatte schließlich ans Tageslicht brachte.
Vorangegangen war der Antrag einer Bürgerinitiative (BI) aus Nußdorf, der von einigen Gemeinderäten ebenfalls unterzeichnet war. Darin wird gefordert, dass sich der Gemeinderat bis auf Weiteres gegen jegliche Planungen eines 3. und 4. Gleises als Brenner-Nordzulauf aussprechen soll. Außerdem sollen jegliche Bodenuntersuchungen im Gemeindegebiet sowie weitere Planungen für den Brenner-Nordzulauf sofort eingestellt werden, heißt es dort. Eine Wiederaufnahme der Planungen setze zwingend den Nachweis des tatsächlichen Bedarfs voraus, heißt es dort weiter.
Mit diesen Formulierungen konnten sich allerdings einige Gemeinderäte, so auch Nußdorfs Bürgermeister Sepp Oberauer, nicht einverstanden erklären. Schließlich sei nicht die Gemeinde, sondern der Bund Auftraggeber der Planungen. Der könne hier Weisungen geben, aber nicht die Gemeinde Nußdorf. Sich gegen die Planungen zu stellen, würde bedeuten, sich nicht mehr aktiv am Planungsprozess zu beteiligen. „Dann werden die Planungen mit Sicherheit auch ohne uns fortgesetzt und wir können uns dann mit unserer Meinung nicht mehr einbringen“, erläuterte Oberauer. Und das wolle schließlich keiner der Räte so wirklich.
Sich aktuell gegen jegliche Bodenuntersuchungen zu stellen, sei zu spät, da diese bereits abgeschlossen seien und diese Forderung auch keinen Sinn mehr mache, so Susanne Grandauer, Nußdorfs zweite Bürgermeisterin.
Dass die Gemeinde Nußdorf und nicht nur sie, sondern alle betroffenen Gemeinden im Inntal einschließlich der Bayerischen Landesregierung belastbare Zahlen haben möchten, die den tatsächlichen Bedarf für den Ausbau des dritten und vierten Gleises rechtfertigen, sei von der Gemeinde bereits mehrfach gefordert worden und zudem Bestandteil einer bekannten und viel zitierten Resolution der Gemeinde aus dem Jahr 2016, so Sepp Oberauer. Außerdem hätten die Delegierten der Gemeinden in den Planungsforen immer wieder diese Zahlen angefordert. Lieferant ist das Bundesverkehrsministerium. Doch von politischer Seite werde man von Monat zu Monat vertröstet, klagten einige Gemeinderäte.
Um die Betroffenheit der Gemeinde Nußdorf zu verdeutlichen, soll ein Brannenburger Bürger einen Vortrag halten, forderten schließlich die Unterzeichner des Antrages im Rat. Oberauer, der sich diesen Vortrag bereits zuvor angesehen und mit dem Referenten gesprochen hatte, stellte allerdings fest, dass es sich um eine Zusammenfassung aller bereits bekannter Fakten handele. Der Vortrag bringe keine neuen Erkenntnisse, denn der Gemeinderat werde stets und regelmäßig über die aktuelle Entwicklung durch die Gemeindevertreter aus den Planungsforen informiert, resümierte Bürgermeister Oberauer. Außerdem stehen diese Information jedem interessierten Bürger, der über einen Internetzugang verfüge, unter www.brennernordzulauf.eu zur Verfügung.
Zur Kernfrage, wie der Gemeinderat zum Gleisausbau steht, wurde schließlich als Beschluss einstimmig festgehalten: „Wir fordern die Aussetzung der Planungen für ein drittes und viertes Gleis, solange keine Bedarfszahlen vorgelegt werden. Am Planungsdialog werden wir weiterhin teilnehmen. Sollte der tatsächliche Bedarf ergeben, dass ein Gleisausbau benötigt wird, halten wir an unserer Resolution fest.“
Denn diese Resolution besagt, dass im Fall des Falles für die betroffenen Gemeinden im Inntal ausschließlich eine unterirdische Trassenführung in Frage komme.