Rott – Die unendliche Geschichte „Discounter in Meiling-Süd“, sie scheint doch ein Ende zu haben. In einer Sondersitzung beschloss der Rotter Gemeinderat jetzt mehrheitlich eine Variante mit eingeschossiger Wohnbebauung. Die CSU und eine Vertreterin des Rotter Forums stimmten dagegen, sie wollten einen klassischen einstöckigen Discounter.
Standortsuche, Grundstücksverhandlungen, verschiedene Ansichten in Sachen Baupläne von Gemeinderäten und Investor, Verbindung Gewerbe und Wohnen, mit oder ohne Tiefgarage, die Diskussionen zogen sich über Jahre hinweg und dürften Bürgermeister Marinus Schaber das eine oder andere graue Haar beschert haben. „Das Ganze kostet mich Zeit, Nerven und Kraft – jetzt muss endlich eine Entscheidung her“ verkündete Schaber denn auch zum Auftakt der Sondersitzung. „Dass die Rotter einen Discounter brauchen und wollen, haben sie oft genug verdeutlicht. Nun geht es um die Frage, wie dieser gebaut werden soll“, so der Bürgermeister.
Drei Varianten für den Bau des Discounters mit einer Fläche von 1180 Quadratmetern und einer dazugehörigen rund 200 Quadratmeter großen Bäckerei mit Café an der Haager Straße stellte der Architekt des beauftragten Planungsbüros „gsu – Gesellschaft für Stadtplanung und Urbanistik“ vor:
Die erste Variante ist ein „klassischer“ Discounter mit 63 Stellplätzen und Randeingrünung an der Parkfläche. Diese Variante sieht nur eine Zufahrt von der Haager Straße kommend vor, da im Norden die Anlieferung geplant ist und von Grünflächen zur Straße hin abgegrenzt ist. Es ist die bevorzugte Variante der CSU-Fraktion im Gemeinderat und auch eine Rätin des Rotter Forums ist dafür.
Ohne Terrasse
und Balkon
Variante zwei ist mit Wohnungen auf dem Discounter geplant und sieht einen zweiten Zufahrtsweg von Norden aus vor. 64 Stellplätze sind am Parkplatz vorgesehen, ebenso eine Begrünung. Was fehlt ist eine Tiefgarage. 288 Quadratmeter Wohnfläche sind im Erdgeschoss und 1194 Quadratmeter im Obergeschoss vorgesehen. Etwa 15 Wohnungen mit einer Größe von je 65 Quadratmetern könnten so auf insgesamt 1422 Quadratmetern entstehen. Es gibt weder Terrasse noch Balkon.
Die letzte Variante bietet zwei Stockwerke oberhalb des Discounters mit insgesamt 2180 Quadratmetern für Wohnungen an. Damit ist der Baukörper deutlich höher als die umliegende Bebauung. Eine Tiefgarage ist bei dieser Planung wegen der Stellplätze unabdingbar. 57 Parkplätze sind für den Discounter vorgesehen. Im Erdgeschoss würde der Wohnraum 290 Quadratmeter betragen, im ersten Obergeschoss 1134 und im Dachgeschoss 756 Quadratmeter. 18 Wohnungen à 85 Quadratmeter könnten so realisiert werden.
In der phasenweise doch sehr fulminanten Diskussion ging es unter anderem um die Stellplätze und die Parksituation. Ob man keine Einbahnstraße planen könnte, um ein Verkehrschaos – vor allem samstags – zu vermeiden? Die Zahl der Stellplätze sei zu gering angesetzt, wenn Mitarbeiter, Kunden und Mieter dort parken sollen.
Unterschiedliche Meinungen warfen die Ratsmitglieder auch in puncto Flächenverbrauch und der Notwendigkeit von Wohnungen und Discounter in den Raum. Christoph Sewald (SPD) erklärte beispielsweise, Rott brauche dringend einen Discounter. Für ihn als Tiefgaragen-Verfechter sei es zwar schade, dass Variante zwei keine im Plan vorsehe, aber: „Es wäre ein Wahnsinn, diese Fläche zu versiegeln, ohne dies mit einer Wohnbebauung zu verbinden. Dann muss die Gemeinde eben in den sauren Apfel beißen und die Planungen ohne Tiefgarage weiterführen.“ Deshalb biete Variante zwei für ihn ein stimmiges Konzept, die dritte Variante sei zu mächtig und groß in seinen Augen.
Dieser Meinung schloss sich Bürgermeister Marinus Schaber (Bürger für Rott) voll und ganz an: „Die Bevölkerung braucht sowohl einen Discounter als auch Wohnraum, diese Anliegen wurden oft genug an mich herangetragen. Ich finde es auch schade, dass in Variante zwei die Tiefgarage gestrichen ist, aber hege eine kleine Hoffnung, dass man in der Detailplanung auf Kellerflächen zurückkommen könnte.“
Auch Johann Kirschbaum (Rotter Forum) betonte, der Flächenverbrauch rein für den Bau des Discounters sei undenkbar. Variante drei käme für ihn ebenfalls nicht in Frage, er sprach sich für die zweite Planung aus.
Kritik an fehlender Tiefgarage
Eine andere Ansicht hat hingegen die CSU-Fraktion, wie Florian Lemmrich erklärte: „Variante drei kommt für uns nicht in Frage, das passt nicht zu einer ländlichen Gemeinde wie Rott. Auch die zweite Variante ist uns zu städtisch, die Crux ist die fehlende Tiefgarage. Für uns ist die erste Variante des klassischen Discounters die richtige Wahl. Sie greift nur gering ein in Ortsbild und Struktur und so erreichen wir endlich den Bau eines Discounters, den sich die Bürger seit Jahren wünschen.“
Dann fiel die Entscheidung des Rotter Rates: Mit 11:6 Stimmen setzte sich Variante zwei durch. Die Geschossfläche für die Wohnungen wird auf 1200 Quadratmeter brutto begrenzt.
Des Weiteren musste der Rat noch über den in der September-Sitzung zurückgestellten Antrag der CSU-Fraktion auf Errichtung eines Höhengerüsts auf der Fläche in Meiling-Süd entscheiden. Mit ebenfalls 11:6 Stimmen sprach sich der Rat dagegen aus. Der Mehrheit hatte das vom Architekten mitgebrachte Modell ausgereicht.