„Nie wieder Krieg“

von Redaktion

Nußdorfer Delegation zu Gast bei Feierlichkeiten zum Ende des Ersten Weltkrieges

Nußdorf/Camblanes-et-Meynac – Es ist der 11. November kurz vor elf Uhr, es ist der Tag des Waffenstillstands vor 100 Jahren, der das Ende des Ersten Weltkrieges bedeutete. Der Dorfplatz von Camblanes-et-Meynac bei Bordeaux hat sich mit mehreren hundert Menschen gefüllt. Schulklassen waren vertreten, Vereine und Betriebe. Die ganze Gemeinde war unterwegs und das tägliche Leben ruhte für diesen wichtigen Moment in der Geschichte. Unter den Gästen war auch eine Delegation des französischen Freundeskreises aus Nußdorf. Sie waren der Einladung ihrer langjährigen Partnergemeinde gefolgt.

Eine Besucherin erinnert sich: „Dann schlug die Uhr zur vollen Stunde und es begannen die Glocken zu läuten – elf Minuten lang, wie überall in Frankreich. Wie damals am 11. November 1918, als die Waffen schwiegen und die Glocken vom Frieden kündeten. Elf Minuten, nur eine kurze Zeit, die jedoch für einen Menschen, der hier in Stille verharrt, zur Ewigkeit werden kann. Stille und Bewegungslosigkeit herrschte auf dem gesamten Platz, es sind nur noch die Glocken zu hören. Meine Gedanken schweifen ab und gehen zu den schrecklichen Bildern der Schlachtfelder von Verdun und Ypern, wo hunderttausende französische und deutsche Soldaten ihr Leben lassen mussten. Mit jedem Schlag sagt mir die Glocke: Nein – Nein – Nein. Nie wieder so einen Krieg.

Da vorne steht Francois, wir kennen uns schon lange. Sein Großvater war für die Verteidigung seiner Heimat, seines Dorfes, seiner Familie gefallen, wie auch viele andere Einwohner von Camblanes-et-Meynac. Mein Großvater ließ für Deutschland sein Leben. Haben sie etwa aufeinander geschossen? Nein – Nein – Bitte: Nein! Francois kannte seinen Großvater genauso wenig wie ich. Nur die Erzählungen in den Familien machten sie für uns lebendig. Sie waren damals noch junge Menschen, junge Familienväter, den Kopf voller Zukunftspläne. Sie wurden in einem Krieg vernichtet, der sie zwang, einander zu hassen. Jetzt schaut Francois zu mir herüber. Als Tränen über mein Gesicht fließen und er meine Betroffenheit spürt, lächelt er mir sanft zu. Das Lächeln macht aus dem Trauergeläut nun ein Friedensläuten und mir fallen Worte aus der Bibel ein: Und Friede auf Erden bei den Menschen, die guten Willens sind.“

Kinder, Jugendliche und Erwachsene treten nach vorne. Es werden alle Namen der Gefallen aus Camblanes-et-Meynac und aus Nußdorf vorgelesen. Sie tragen Gedicht und Erinnerungen aus der schlimmen Zeit vor. Unter ihnen auch Angehörige der deutschen Delegation aus Nußdorf.

Schließlich wendet sich mit großer Ergriffenheit Jean-Philippe Guillemot, Bürgermeister von Camblanes-et-Meynac, an die versammelte Menschenmenge: „Heute vor 100 Jahren haben die Kirchenglocken aller Dörfer in Frankreich Freudengeläut angestimmt. Die Leute lachten, weinten, umarmten sich. Der Friede wurde nach so vielen Kriegsjahren in außergewöhnlichem Überschwang, in riesiger Freude gefeiert. Schließlich ist die Ergriffenheit auch deswegen groß, weil wir, auf unsere Einladung hin, zum ersten Mal bei einem Ereignis, das so mit unserer Heimat verknüpft ist, vor unserem Kriegerdenkmal, die Kinder derjenigen begrüßen, die einst unsere Feinde waren. Ihre Anwesenheit hier ist für uns Ehre, ein starkes Symbol für Frieden und Freundschaft, die uns verbinden und für das Ziel, dem wir alle entgegenstreben sollten, die Einheit und die Völkerverständigung. Ihr Freunde aus Nußdorf setzt durch Euer Kommen ein außergewöhnliches Zeichen von Freundschaft, Achtung und Brüderlichkeit, damit die zukünftigen Generationen die Grausamkeiten nicht mehr kennen. Dies ist eine wunderbare Friedensbotschaft.“

Den zukünftigen Generationen gab er mit auf dem Weg, dass sie Botschafter des Friedens sein mögen und dass sie die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg wach halten sollen, denn diese Tragödie und andere, die leider folgten, dürfen niemals in Vergessenheit geraten. Er schloss seine emotionale Rede: „Es ist ein Tag der Freude, ein Tag zum Feiern, ein Tag des Friedens. Es lebe Frankreich, es lebe Deutschland, es lebe der Frieden!“ Großer Jubel brach aus, die Menschen fielen sich in die Arme.

„Es ist für uns eine große Ehre, eingeladen worden zu sein und mit euch diesen Tag begehen zu dürfen“, sagte der Vorsitzende des Nußdorfer Freundeskreises, Dr. Hans Hausner, in seiner kurzen Ansprache. Dieser Tag sei für ihn nicht nur zur Erinnerung da, sondern zugleich auch Ansporn dafür, dass es nie mehr zu solch schrecklichen Ereignissen kommen darf.

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