Discounter kommt, Schaber hört auf

von Redaktion

Bürgerversammlung in Rott Stechlsaal „g’steckt voll“ – Auch Schulneubau im Fokus

Rott – Sehr gut besucht waren die Senioren- und die allgemeine Bürgerversammlung der Gemeinde Rott. Der Stechlsaal war, zur großen Freude des Bürgermeisters, „g’steckt voll“. Im Fokus stand unter anderem der kostspielige Neubau der Grund- und Mittelschule an der Haager Straße. Schaber selbst überraschte mit der Ankündigung, 2020 bei den Kommunalwahlen nicht mehr antreten zu wollen.

„Letztes Jahr habe ich auf der Bürgerversammlung noch von einer Sanierung gesprochen, nun rede ich von einem Neubau.“ Mit diesen Worten leitete Marinus Schaber den Punkt „Schulneubau“ ein. Dass das Gebäude aus dem Jahr 1958 in die Jahre gekommen ist, sei nicht von der Hand zu weisen. Die Gemeinde sehe dringenden Handlungsbedarf. Nachdem die Kosten für eine notwendige Totalsanierung höher als 80 Prozent der Kosten für einen Neubau kalkuliert wurden und so ein Zuschuss wegfallen würde, habe sich der Gemeinderat für die wirtschaftlichere und in Schabers Augen „absolut vernünftige Lösung: abreißen und neu bauen“ entschieden. „Egal, wie man es dreht und wendet – trotz Sanierung würde das Gebäude im Kern immer eine alte Schule bleiben“, unterstrich Schaber das Projekt an der Haager Straße.

Nun wolle man ein viergeschossiges Gebäude errichten. Auch ein Hort soll laut dem Bürgermeister eingebunden werden, „denn den brauchen wir definitiv“. Schaber schätzte die endgültige Eröffnung des neuen Gebäudes nicht vor Ende 2022, eher Anfang 2023. Es zeichnet sich bereits ab: Die Crux bei dem Megaprojekt sind definitiv die Kosten, die die rund 4000-Seelen-Gemeinde vor neue Herausforderungen stellt. „Wir müssen von Anfang an schauen, dass wir im Rahmen von insgesamt etwa 16 Millionen Euro bleiben. Luxus werden wir uns nicht leisten können. Kosten von über 20 Millionen Euro würden für uns den Tod bedeuten“, mahnt Schaber.

Laut dem Bürgermeister könne man mit neun Millionen Euro an Zuschüssen rechnen. Beteiligen wird sich auch der Schulverband um die Nachbargemeinden Ramerberg und Griesstätt.

In sachlicher Weise informierte Marinus Schaber weiter über die Belange und Ereignisse des vergangenen Jahres und präsentierte dazu Video-Bildmaterial, auch über „Dauerthema und Nervenkiller“ Discounteransiedlung in Meiling oder die Anschaffung des neuen Drehleiterfahrzeugs für die Feuerwehr, „das vor allem für die Brandsicherung bestehender Wohnungen wichtig werden kann“.

Weiter ging es mit der Vollsperrung und Sanierung der Rosenheimer Straße und die von vielen Bürgern als schmerzlich empfundene Fällung der Kastanienbäume an der Bahnhofstraße. „Leider war das aus Sicherheitsgründen nicht zu vermeiden“, so Schaber. „Ich bin nur dafür, dass große Bäume ausgetauscht werden, wenn es – wie es hier der Fall war – nicht mehr anders geht. Dennoch sind die jungen Bäume nicht annähernd ein Ausgleich für den Lebensraum, den die alten Kastanien boten.“

Suche nach einem neuen Seniorenbeauftragten

Informationen über neue Mitarbeiter und neue Aufgaben in der Gemeindeverwaltung gipfelten in der allen Anwesenden aufgetragenen Suche nach einem neuen Seniorenbeauftragten, da die bisherige Seniorenbeauftragte diese Tätigkeit aus beruflichen Gründen aufgeben musste.

Rektor Markus Kinzelmann stellte ausführlich die Situation der Grund- und Mittelschule vor und verabschiedete sich damit in sein neues Amt als Schulrat mit dem Dank für die gute Zusammenarbeit mit Gemeinde, Gewerbeverband, Vereinen und Pfarrei. Seine Aufgaben in der Schule übernimmt nun Konrektorin Carola Vodermaier zusammen mit weiteren Kollegen in der Rotter Schule.

Drei Jubiläen gab es am Ende in der Gemeinde zu verzeichnen: Die Rotter Störche zieht es seit zehn Jahren nach Rott. Der Verwaltungschef Daniel Wendrock ist seit zehn Jahren in der Gemeinde tätig und auch bei Bürgermeister Marinus Schaber jährt sich das zehnte Jahr als Orts-Chef. An dieser Stelle kündigte Schaber offiziell an, 2020 bei den Kommunalwahlen nicht mehr antreten zu wollen. „Die einen werden sich freuen, andere bedauern es“, so Schabers abschließende Worte.

Zahlen und Fakten:

• Einwohnerzahl: 4067.

• Einnahmen: Einkommensteuerbeteiligung: 2453700 Euro (Plus von 12,9 Prozent gegenüber Vorjahr). Herausragend bei den Einnahmen: Die Parkgebühren am Ausee mit 31600 Euro (Plus von 42,3 Prozent), was laut Schaber gewiss an dem heißen Sommer gelegen habe. Mit einem deutlichen Minus gehen die Schlüsselzuweisungen hervor. Statt wie 2017 noch 232500 Euro, erreichen sie einen Tiefstwert von nur noch 6500 Euro. Gewerbesteuereinnahmen: 2189115 Millionen Euro bei 150 gewerbesteuerpflichtigen Betrieben in Rott.

• Ausgaben: Kreisumlage 2195500 Euro (Plus von 11,9 Prozent zum Vorjahr).

• Schulden: Pro Einwohner bei 1519 Euro, Tendenz steigend. Schaber prognostiziert mit Hinblick auf den anstehenden Brocken „Schulneubau“ für 2019 eine Pro-Kopf-Verschuldung von 1410 Euro.

•Straftaten und Unfälle: 29 pro 1000 Einwohner gab es 2018 und 101 Verkehrsunfälle, was Schaber mit der nahen Lage zur B15 erklärte.

•Schule: In der Grund- und Mittelschule gibt es 17 Klassen, 341 Schüler und 36 Lehrkräfte. 217 Schüler sind Rotter, 69 Ramerberger und 48 Griesstätter. Einen Wechsel gab es heuer bei der Schulleitung: Auf Markus Kinzelmann folgte Carola Vodermaier.

•Kindergarten: 54 Kinder besuchen den katholischen Kindergarten, 103 den Gemeindekindergarten.

•Asyl: In Rott leben 63 Asylbewerber. Schaber verwies in dem Zusammenhang darauf, dass die anerkannten Asylbewerber Wohnraum benötigen würden. Wer von Unterkünften oder Vermietungen Kenntnis habe, möge sich bitte an der Suche beteiligen.

• Feuerwehr: Die Feuerwehr Rott hat 81 – davon 20 Frauen – aktive und 706 passive Mitglieder. 20 sind im „First-Responder-Dienst“ unterwegs, der dringend aufgestockt werden müsste, um den Dienst der Ersten Hilfe aufrecht erhalten zu können. 2018 waren es 86 First-Responder-Einsätze, laut Schaber eine Zahl, die deutlich mache, wie wichtig der Erhalt sei.

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