Es ist keine Frage: Selbst unter den besonderen Christkindlmärkten in der Region ist der Achenmühler Weihnachtsmarkt ein ganz eigenes kleines Juwel. Das liegt schon daran, dass er nur alle drei Jahre stattfindet und lediglich zwei Tage dauert. Denn drei Jahre brauchen die Achenmühler, bis sie wieder genügend Sachen zum Verkaufen beisammen haben und für mehr als zwei Tage würde ihr Vorrat nicht reichen.
Wobei man gar nicht recht weiß, wie man die Dinge nennen soll, die da angeboten werden: „Selbstgebasteltes“ wäre auf jeden Fall eine arge Beleidigung, denn alles, vom Strohstern über die Adventsgestecke und Krippen bis hin zu den Mützen und Schals ist so schön und gediegen gemacht, dass auf dem Markt aus gutem Grund Schilder mit dem Hinweis stehen, dass alles hier wirklich von den Achenmühlern selbst stammt, es keinen einzigen gewerblichen Anbieter gibt. Die hätten möglicherweise auch nicht so wunderbare Ideen wie die eines „Krippenadventskalenders“. Bei dem findet sich in einer bunt bezogenen Schachtel für jeden Dezembertag eine einzeln verpackte kleine Krippenfigur, die man auf dem umgedrehten Schachteldeckel aufstellen kann, bis zu Heiligabend dann die ganze Krippe fertig ist.
Wenn „selbst gebastelt“ also offensichtlich die falsche Beschreibung ist, so trifft aber auch das Etikett „selbst hergestellt“ das Angebotene nicht wirklich: Denn es bringt nicht zum Ausdruck, wie viel Liebe in den Sachen steckt – und wie viel freiwillig geopferte Freizeit. Denn es geht nicht um Kommerz, sondern der dahinterstehende Verein nimmt den Erlös, um in der Gemeinde und darüber hinaus Gutes zu tun. Man unterstützt soziale Einrichtungen aber auch einzelne Mitbürger, die akut Hilfe gebrauchen können.
So echt und unverfälscht wie das, was verkauft wird – an Dingen und an Essbarem – ist auch das Drumherum. Musik wird von echten Menschen gespielt und gesungen, wie etwa den Höhenmooser Bläsern oder Traudi und Peter Vodermayer. Ganz besonders schön: die Hittenkirchener Trachtenkinder, die ein kleines Theaterstück zeigten: Um Weihnachtsvorbereitungen geht es, die Frauen sind mit den Kindern dabei, die letzten Plätzchen zu backen, während die Männer um Weihnachtsgans und Tannenbaum ausgeschickt werden. Die schwindsüchtige Gans und das traurige Gerippe von Tannenbaum, das sie anschleppen, bringen die Frauen fast der Ohnmacht nah. Trotzdem sollen die Männer als erste von den frisch gebackenen Spitzbuben abkriegen. Die aber sind mit Senf versetzt. Das ganze Stück ist absolut textsicher und in Mimik und Gestik toll und umwerfend komisch gespielt. Text und Fotos: jt