Wenn Töne schweben

von Redaktion

Umjubeltes Cäcilienkonzert in der Schulturnhalle Kiefersfelden – Da capo am Samstag

Kiefersfelden – Die Cäcilienkonzerte der Musikkapelle Kiefersfelden in der Vorweihnachtszeit sind aus dem musikalischen Kalender der Region nicht mehr wegzudenken. Einmal mehr bewies auch heuer wieder die „Blaskapelle“ – so wird sie on Kiefer salopp genannt – ihr außergewöhnliches Leistungsvermögen und musikalisches Repertoire.

Kein geringer Verdienst fällt dabei auf Dirigent Jürgen Doetsch, der die Kapelle vor rund 15 Monaten übernommen hatte und ihr zwischenzeitlich eine etwas andere orchestrale und auch musikalische Performance gegeben hat.

So versprach die Premiere des Cäcilienkonzerts die eine oder andere Überraschung und das wollten sich die vielen Zuhörer, unter ihnen auch Bürgermeister Hajo Gruber, in der Kieferer Schulturnhalle nicht entgehen lassen.

Musikfreunde aus Welsberg wieder dabei

Nach kurzer Begrüßung durch den Vorsitzenden der Musikkapelle Kiefersfelden, Werner Schroller, der sich besonders freute, dass auch die Musikfreunde aus Welsberg (Tirol) „wieder in der Kiefer waren“.

Dirigent Jürgen Doetsch, der erstmals auch als Entertainer fungierte und Informationen über die zu spielenden Stücke gab, erzählte so manche Anekdote aus dem Probenalltag mit seinen über 70 Musikern und Sängerinnen. Dann aber ging das Konzert richtig los, ohne großes Vorspiel, hinein in die voluminösen Töne und Klänge des Marsches von Wilhelm Lindemann „Unter dem Grillenhammer“. Ständig wechselnde Tempi, mal dynamisch, leiser werdend und dann wieder wuchtig; so viele musikalischen Vorträge schon im ersten Lied ließen einen besonderen Abend erahnen. Im „Konzert für drei Hörner und Blasorchester“ standen die Solisten Sebastian Bichler, der eigens aus Hannover angereist war, sowie Hans Glas und Bernd Reinold im musikalischen Fokus. Nach eher verhaltenem Beginn nahm das Stück merklich Fahrt auf, an Virtuosität gewinnend, wobei die drei Bläser immer mehr in den Vordergrund rückten. Die Besonderheit an diesem musikalischen Vortrag war, „dass auch in größeren Orchestern nicht immer drei Hörner zur Verfügung stehen“, worauf Dirigent Jürgen Doetsch eingangs hingewiesen hatte.

Mit der Ouvertüre zur weltberühmten Oper „Die diebische Elster“ von Gioachino Rossini hatten sich die Kieferer Musikanten keine leichte Kost ausgesucht, die sie aber bravourös meisterten, wovon sich alle Zuhörer trefflichst überzeugen konnten. Die lehnten sich zurück und genossen die pulsierenden Töne und die Reinheit der Klänge der vielen Instrumente, von denen man jedes einzelne fein und nahezu fehlerlos hören konnte. Minutenlang verzauberte sich die Schulturnhalle in einen Konzertsaal, der eine wahre orchestrale Meisterleistung erlebte, die in lang anhaltendem Applaus endete. Doch noch keine Pause für Musiker und Besucher, denn die Musikkapelle Kiefersfelden führte ihre Gäste nun in die fantastische Welt der Märche und des Balletts; Tanzsequenzen aus den Werken von Tschaikowsky regneten hernieder. Ob bei „Nussknacker“, „Schwanensee“ oder „Blumenwalzer“ – vor dem inneren Auge schwebten Ballerinas über die Bühne.

Gerade so als hätten die Musiker in der Pause ihre Instrumente gewechselt, erwartete die Besucher dann nach der Pause eine völlig andere Musikrichtung. Nun folgten eher melodiöse, neuzeitliche Stücke, ausgesucht aus dem großen Repertoire namhafter Komponisten der Filmmusikszene. An erster Stelle stand dabei Ennio Morricone, den Dirigent Jürgen Doetsch als einen der Filmmusikmacher der Szene beschrieb und dem er als Hommage diesen Teil des Abends widmete.

Solo mit der Mundharmonika

Das sicher allen bekannte Lied aus dem Edelwestern „Spiel mir das Lied vom Tod“ legte sich mit dem unerreichten Mundharmonika-Solo über die Zuhörer, die mit ein wenig Vorstellungskraft die sich duellierenden Westernhelden sehen und den Pulverrauch aus den rauchenden Colts auch riechen konnten. Aufgewertet wurde das Stück noch durch die drei Gast-Sängerinnen Sieglinde Zehetbauer, Julia Endres und Petra Schlosser und es endete mit dem Aufstieg der Musikkapelle Kiefersfelden in gänzlich neue musikalische Sphären.

Ein weiterer großartiger Vertreter dieser Musikrichtung war der amerikanische Komponist, Dirigent und Pianist Leonard Bernstein, der mit dem Musical „West Side Story“ zu Weltruhm gelangte. In ihm erzählte er in musikalischer Form die Geschichte von William Shakespeares Tragödie „Romeo und Julia“, die er aber in das New York der 1950er-Jahre verlegt hatte. Die beiden rivalisierenden Straßenbanden, musikalisch blendend umgesetzt von Saxofonisten und Klarinettisten der Musikkapelle Kiefersfelden, lieferten sich einen klangvollen „Straßenkampf“. Auf den Höhepunkt und zugleich tragischen Schluss zusteuernd, sang Sieglinde Zehetbauer mit klangvoller Stimme das Lied „Tonight“ und so mancher verdrückte dabei eine Träne.

Am Samstag

eine weitere

Aufführung

Minutenlanger Applaus, das Brot der Künstler, schloss sich an und mit der Zugabe des vielleicht schönsten deutschen Volksliedes „Auf der Heide blüh’n die letzten Rosen“ von Textdichter Bruno Balz und dem Komponisten Robert Stolz, das Jürgen Doetsch extra für das diesjährige Cäcilienkonzert musikalisch arrangiert hatte, endete der bombastisch-orchestrale Abend. Dieser wird noch einmal wiederholt und findet am Samstag, 8. Dezember, um 19 Uhr in der Schulturnhalle statt.

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