Brannenburg – Harfenklänge von Miriam Heran erfüllten das Kirchenschiff der Michaelskirche in Brannenburg, grüßten die Teilnehmer der Andacht für verstorbene Kinder, die heuer erstmals von der evangelischen Kirche initiiert worden war. Denn jährlich sterben viele Tausend Kinder und Jugendliche. Sie hinterlassen verwaiste Eltern, Großeltern und trauernde Geschwister und Freunde.
Neben dem persönlichen Schicksal verliert auch die Gesellschaft mit jedem Kind ein Stück Zukunft, Hoffnung und Zuversicht. Der Tod von Kindern geht alle in der Gesellschaft etwas an, doch leider bleibt oft nur ein stummer Protest, wenn die Meldungen über Gewaltverbrechen, Unfälle oder Krankheiten in den Medien erscheinen. Und eben das veranlassten Katja Reinbold-Kowalschik und Pfarrer Günter Nun aus Oberaudorf jetzt zu dieser Andacht am vergangenen Samstag-Abend.
In seiner Begrüßung stellte der Geistliche fest, „dass das, was wir hier tun, heilsam ist für die, die ihre Kinder verloren haben“. Und um das verstorbene Kind erkennbar zu machen, zündeten die Trauernden jeweils eine Kerze an, gedachten so still der Verstorbenen.
Mehrere betroffene Eltern erzählten dann von ihren Liebsten, die sie verloren hatten, richteten bewegende Worte an die Mittrauernden, denen sie in der Trauer verbunden waren. Ob schrecklicher Unfall, Selbstmord, Krankheit oder plötzlicher Kindstod – all diese Kinder starben viel zu früh. Der Schmerz aber hält an und der Platz im Herzen bleibt für immer leer.
Abwechselnd erinnerten sich die Trauernden an erwartungsvolle Freude und schmerzlichen Verlust und die nachfolgende Stille, die so laut wurde, fast nicht mehr aushaltbar.
Dazwischen sang der Chor „Bella Voce“, begleitet am Klavier von Andrea Bönning, in leisen und auch lauten Tönen, gleich dem Herzschlag der Trauernden: mal langsam-hoffnungslos und dann schneller werdend – hoffnungsvoll.
Pfarrer Nun sprach von Stunden, die nie vergehen werden, von der Freude der Geburt bis zum schrecklichen Tag des Todes, der Trauer und Leid für eine lange Zeit mit sich bringt. Doch im Glauben liege die Gewissheit, die verstorbenen Kinder einmal wiedersehen zu dürfen. Mit dem von vielen gesungenen Lied „Von guten Mächten“ und dem abschließenden Segen von Pfarrer Günter Nun endete dieser außergewöhnliche Gottesdienst, der „sehr tröstlich war und dankbar angenommen wurde“, wie es eine trauernde Teilnehmerin in ihrem Schmerz ausdrückte.
Mit diesem besonderen Gottesdienst wird jedes Jahr am zweiten Advent der verstorbenen Kinder auf der ganzen Welt gedacht.
Betroffene stellen brennende Kerzen in die Fenster, die an ihre Kinder erinnern sollen. Während dann die Kerzen in der einen Zeitzone erlöschen, werden sie in der nächsten entzündet, so dass in 24 Stunden eine einzigartige Lichterkette rund um die ganze Welt geht.
Dieses Licht schlägt die Brücke zwischen den verwaisten Eltern und es hilft, die durch den Verlust entstandene Dunkelheit ein wenig zu erhellen.
Es macht das starke innere Band sichtbar, das zu den verlorenen Kindern immer bestehen bleibt und es stärkt den Glauben daran, dass die Trauernden ihre Kinder einst in einer anderen Welt einmal wiedersehen dürfen.