Prien – Das hat Magdalena Löhmann jetzt auch schriftlich: Bei der Siegerehrung des Leistungswettbewerbs des deutschen Handwerks in Berlin unter Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wurde sie von dessen Frau Elke Büdenbender als Deutschlands beste Modistin geehrt. Die 20-Jährige nahm die Auszeichnung standesgemäß in der Festtagstracht des Priener Trachtenvereins entgegen.
Die Prienerin steht für den Fortbestand eines selten gewordenen Handwerksberufs. Es waren nur knapp 20 Modistinnen, wie der Beruf offiziell heißt, die heuer in Deutschland ihre Lehre erfolgreich beendet haben, darunter drei aus Bayern: eine aus dem Allgäu, eine aus Bamberg und die Prienerin Magdalena Löhmann. Ausschlaggebend für die Ehrung in Berlin waren die Leistungen aus der Gesellenprüfung.
Wer die junge Prienerin bei der Arbeit in der Werkstatt hinter dem Laden des Traditionsgeschäfts Brunhuber in der Seestraße nah am Marktplatz beobachten darf, spürt sofort: Da weiß eine ganz genau, was sie in Händen hält. Billigware vom Fließband kommt nicht ins Schaufenster oder Regal.
Aus Augsburg bekommt Inhaberin Monika Voggenauer den besonders dicken Filz, der nötig ist, um einen Hut zu formen, der sich beim Gebrauch nicht mehr verformt. Was sie meint, zeigt Voggenauer, indem sie einen hellgrauen Damenhut in der Hand zusammenknüllt. Als sie loslässt, rollt sich der Filz wieder von selbst in den Ursprungszustand. 20 Maschinen durchläuft das Material beim Hersteller in Schwaben, bevor es gut genug ist, um daraus einen Hut-Rohling für die Priener Zwei-Frau-Werkstatt zu formen.
Die Chefin ist seit 40 Jahren im Geschäft, vor 17 Jahren hat sie es übernommen. Vor ein paar Jahren kam ein junges Dirndl durch die Tür und fragte nach einem Praktikum. Eine Freundin der Mama hatte den Begriff der „Hutmacherin“ als möglichen Berufsweg wohl mehr spaßeshalber in die Runde geworfen. Magdalena nahm sie ernst und beim Wort. „Des war so schee“, erinnert sich Magdalena Löhmann an ihre ersten Wochen und bekommt sofort leuchtende Augen. Ein paar Monate später stand sie wieder bei Voggenauer im Laden und fragte nach einem Ausbildungsplatz, die Hüte hatten es der heute 20-Jährigen angetan.
„Des Engerl is mir jetzt zugeflogen“, habe sie gedacht, erinnert sich Voggenauer, „es werd wohl so sei, dass mir des miteinander stemmen“. Und so geschah es. Bis dahin hatte der Inhaberin ab und an noch eine Verwandte beim Verkauf geholfen. Die Chefin machte selber erstmal eine Ausbildung zur Ausbilderin, um Magdalena als Azubi einstellen zu dürfen.
Heute sitzen sich beide in der Werkstatt gegenüber, jede wirkt bedächtig, obwohl die Handgriffe tausendmal durchgespielt sind. Die große Sorgfalt, die sie an den Tag legen, spiegelt sich später in den Ergebnissen ihrer Arbeit wider. Vor allem sehr viele Stammkunden wissen das zu schätzen und sind gerne bereit, dafür auch etwas mehr zu zahlen als für einen Hut vom Fließband.
„Ich weiß, wenn einer in den Laden kommt, sofort, welcher Hut zu ihm passt“, sagt Voggenauer. Wenige Minuten später muss sie das Gespräch in der Werkstatt kurz unterbrechen: Die Ladenklingel hat angeschlagen, ein Herr braucht einen Zylinder: kaum eine Kopfbedeckung, die es nicht gibt bei Voggenauer und Löhmann. In den Regalen dominieren zwar die gedeckten Farbtöne, aber die beiden Frauen probieren zwischendurch auch immer wieder gern etwas Neues aus, hantieren gern mit Bändern und anderen Accessoires.
Kreativ war Magdalena schon immer, erzählt sie. Ein großes Plus ihres Traumberufs sei es, „dass ma auf d‘ Nacht sieht, was ma g´macht hod“. Bayerin ist die 20-Jährige von klein auf und aus natürlicher Überzeugung. Wenn sie fortgeht und jemanden entdeckt, der einen Hut aufhat, den sie gemacht hat, freue sie sich jedes Mal – und sie erkenne jeden einzelnen.
Auch im Freundes- und Bekanntenkreis kennt man die 20-Jährige als Hutmacherin, die offizielle Berufsbezeichnung verwendet sie nicht. „Ich stelle mich nie als Modistin vor.“ Wer weiß schon, was das eigentlich ist?
Sie selbst trägt Hut auch beim Fortgehen („I mog schee ausschau´n“), erzählt die Prienerin, die in ihrer Freizeit auch beim Hackbrett- und Gitarrespielen ein feines Händchen unter Beweis stellt. Im Priener Trachtenverein ist sie aktiv, wie die Eltern und die Geschwister. Überhaupt, die Trachtler: Im Frühjahr war heuer besonders viel zu tun in der Werkstatt: Nicht nur die Rottauer als Gastgeber wollten sich fürs Gaufest schön neu ausstaffieren.
Weithin bekannt ist das Fachgeschäft im Herzen Priens für den Preaner Hut, der für Voggenauer und inzwischen auch für Löhmann vertraut, aber immer wieder eine Herausforderung ist „wegen der brutalen Genauigkeit“, die unabdingbar sei, wie die 20-Jährige gelernt hat. Talent und die richtige Lehrmeisterin haben dazu beigetragen, dass Magdalena Löhmann ihre Ausbildung mit Auszeichnung bestanden hat: „I hob bei der Moni nie was falsch machen können“, ist die neue Generation Hutmacherin dankbar und greift fast ohne hinzusehen routiniert nach einer goldenen Sicherheitsnadel mit Perlchen aus einer Schachtel – dem Markenzeichen von Brunhuber.
Der Hut auf ihrem Schoß ist fast fertig. Sie wird sich freuen, wenn sie ihn irgendwann beim Fortgehen wiedersieht. Vielleicht begrüßt sie ihn mit Namen, denn jede Eigenkreation hat ihre individuelle Geschichte und wird in der Werkstatt getauft, verraten die beiden Hutmacherinnen. Und zur Erklärung zeigt Magdalena auf „Freddy“ und „Gisela“ im Regal.