Klein, aber oho!

von Redaktion

Katholische Pfarrbücherei Flintsbach überrascht mit enormem Zulauf

Flintsbach – In einer gemütlichen Leseecke sitzt eine junge Frau und ist vertieft in ein Buch. Es sind nur noch wenige Minuten bis 19 Uhr an diesem Dienstagabend und gleich wird die öffentliche Bücherei in Flintsbach schließen. Noch einige Male öffnet und schließt sich die Tür zum Leseraum. Späte Gäste, die das Angebot der abendlichen Servicezeit gerne annehmen und sich noch mit Lesestoff versorgen.

Vielleicht ist dieser Servicegedanke, den die insgesamt 16 ehrenamtlichen Mitarbeiter in „ihrer“ Bibliothek leisten, der tiefere Grund für den enormen Zulauf zu dieser Bücherei. Rund 300 Ausleihen im Monat, über 5000 Bücher stehen zur Auswahl, jährlich werden für rund 1700 Euro Neuerscheinungen angeschafft – und das bei gerade einmal 2941 Einwohnern in Flintsbach. Für sechs Euro im Monat steht allen die Welt der Bücher offen.

Birgit Pelikan, die ehrenamtliche Leiterin der Katholischen Pfarrbücherei in Flintsbach, ist versiert. Sie kennt sich nicht nur mit dem EDV-System aus, sie weiß auch um die Vorlieben der Flintsbacher. Romane wie etwa „Wohin dein Traum dich führt“ – wochenlang auf der Hitliste der erfolgreichsten Romane des Jahres 2017 – sei auch in Flintsbach ein „Renner“.

Während in Deutschland Büchereien und der Buchhandel über einen massiven Leser-Rückgang klagen, erfreut sich die Bücherei in Flintsbach großer Beliebtheit. Von den gut 5000 Büchern sind circa ein Drittel derzeit ausgeliehen. „Es ist noch nicht lange her, da lagen als Weihnachtsgeschenke Bücher unter dem Tannenbaum, die zuvor auf den Wunschzetteln der vielen Leseratten standen.“ Heute hätten Smartphone, Tablets oder der Fernseher mit unüberschaubar vielen Programmen ihnen den Rang abgelaufen, sagt Johanna Astner, Gemeinderätin und ehemals langjährige Leiterin der Bücherei.

Was das Erfolgsrezept der Bücherei ausmacht? Das umschreibt Birgit Pelikan mit dem Titel des gerade ausgeliehenen Romans: „Wohin dein Traum dich führt! Hierher führt es Leser, die sich mithilfe der Bücher in eine, in ihre Traumwelt mitnehmen lassen.“

Zu ihnen gehören auch die Schüler der Flintsbacher Grundschule, für die einmal im Monat ein einstündiger Leseausflug in die Bibliothek auf dem Stundenplan steht. „Renner sind derzeit die Comic-Romane Gregs und Seppis Tagebücher. Natürlich auch der Klassiker Die Drei Fragezeichen. Aber auch Sachbücher stehen ganz oben an. Insbesondere dann, wenn in der Schule bestimmte Themen wie Wald, heimische Tiere oder Geschichte durchgenommen werden“, berichtet Birgit Pelikan. „Und ein Referat in der Schule macht sich immer ganz gut, wenn die Kinder gleich die passende Literatur aus der Bücherei dazu mitbringen“, ergänzt Johanna Astner.

Mit der Schule besteht eine enge Kooperation, insbesondere im Hinblick auf die Neuanschaffungen von Lesestoff für die jungen Literaturliebhaber. Dadurch kann die Schule auf eine eigene Bibliothek verzichten. So lernen schon die Kleinsten, wie wertvoll Bücher für ihre Bildung, aber auch für ihre Unterhaltung sein können. Einmal im Monat gibt es für Kinder eine Vorlesestunde, wenn Gerti Ksellmann ihre Märchenkiste öffnet.

„Eine Investition in die Zukunft unserer Kinder“, so Bürgermeister Stefan Lederwascher. Aus voller Überzeugung stimmt er für den 500-Euro-Zuschuss für die Bücherei. Da ist er nicht alleine. Auch die Gemeinderäte gaben erst jüngst grünes Licht.

Birgit Pelikan: mein Lieblingsbuch

Astrid Lindgrens berühmte Geschichten von Pippi Langstrumpf waren aus ihrer Jugend nicht wegzudenken. „Mit vollem Namen hieß das Mädchen, dessen Markenzeichen rote Haare und Sommersprossen im Gesicht waren, übrigens Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf“, kann sich Pelikan noch erinnern. Heute hat es ihr die Heimatliteratur angetan. Ihr Lieblingsbuch ist zurzeit „Auf den Bergen wohnt die Freiheit“. Auf ihrem Wunschzettel steht „Die Mitternachtsrose“ von Lucinda Riley.

Johanna Astner: mein Lieblingsbuch

In ihrer Jugend hat sie gerne die Geschichten von Hanni und Nanni aus der Feder der englischen Kinder- und Jugendbuchautorin Enid Blyton gelesen. Außerdem lagen immer die Detektivgeschichten von Tina und Tini auf ihrem Tisch. Heute liest sie gerne Kluftinger-Krimis. Auf dem Weihnachtswunschzettel der Gemeinderätin steht das Buch „111 Orte im Chiemgau“, das ihr vielleicht das Christkind bescheren wird.

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