Wichtige Etappe beim „Nestbau“

von Redaktion

Wohngemeinschaft für junge Menschen mit Hilfebedarf nimmt Gestalt an

Aschau – „Der Herrgott möge seinen Segen allzeit dem Benedetto-Menni-Nest geben!“ Rainer Küblbeck, geschäftsführender Gesellschafter der Aschauer Baufirma Pumpfer, ließ es sich nicht nehmen, anstatt des Zimmermanns den Richtspruch für das Benedetto-Menni-Nest zu spenden. Zentrumsnah gelegen, soll das Haus ab kommenden Sommer bezugsfertig sein und es zwölf jungen Menschen mit Hilfebedarf ermöglichen, weitgehend selbstständig dort zu leben.

Zum Richtfest kamen jetzt über 100 Gäste: Nachbarn, Gemeindevertreter, Architekt und Mitarbeiter der beteiligten Firmen, aber auch potentielle neue Bewohner samt ihren Familien. Bürgermeister Peter Solnar erklärte in seiner Ansprache, dass er „angenehm überrascht“ sei, wie schnell der Rohbau vonstattenging. Ein solches Haus passe „sehr gut zu Aschau“, betonte er. „Der Beginn ist schwierig gewesen, doch jetzt kann es nur besser werden.“ Damit spielte Solnar nicht nur auf die schwierige Vorplanung und lange Vorbereitungszeit für das Haus an, sondern auch auf die Ziele, die sich die Bauherren, sprich der Verein, selbst gesetzt haben.

Weitgehend selbstständig leben, das heißt rollstuhlgerecht und mit durchdachtem Grundriss, in einer modernen und offenen Wohnform, mit Gartenterrasse, mit Sport- und Therapieräumen und das gesund, nachhaltig und ressourcenschonend. Für das Niedrigenergiehaus mit Wärmepumpen aus Erdwärme wurden im Sommer schon acht Bohrungen bis auf 70 Meter Tiefe durchgeführt.

Bodenproben

in der Glassäule

Wenngleich von den tiefen Bohrlöchern später nichts mehr zu sehen sein wird, so wirkte mancher Besucher erstaunt, wie viele Gesteinsarten sich bis in diese Tiefen hinab verbergen, waren diese doch aus den originalen Bodenproben in einer schlanken, hohen Glassäule maßstabsgetreu eingefüllt. Die Gäste waren von den Räumlichkeiten angetan, wenngleich der nackte Rohbau die angedachten Wohnungen und Funktionsräume mehr erahnen als erkennen ließ.

Dietmar Klemens, Sprecher des Vereins, der sich nach dem italienischen Pater Benedetto Menni (1841-1914) benannt und der sich zeitlebens für eine humane und zeitgemäße Betreuung und Behandlung von physisch Kranken und geistig behinderten Menschen engagiert hat, freute sich über den regen Zuspruch der vielen neugierigen Besucher.

Schon vorab hatte Klemens den bestehenden Mangel an bedarfsgerechtem Wohnraum für Behinderte, auch im Landkreis Rosenheim, beklagt. Da er selbst, wie viele weitere Mitglieder des Vereins auch, ein behindertes Kind hat, wolle er – zusammen mit anderen betroffenen Familien und Unterstützern – dazu beitragen, die Situation zu entspannen und zweigte dafür den nötigen Baugrund vom eigenen Grundstück ab. Leider seien es mühsame Wege, die versprochenen staatlichen Hilfen für solche sozialen Projekte zu bekommen, so Klemens. Daher ist der gemeinnützige Verein für jede Unterstützung sehr dankbar.

Küblbeck lobte die Hartnäckigkeit der Vereinsmitglieder. Ihnen sei nicht nur die Initiative für eine solche Wohngemeinschaft zu verdanken, sondern auch die gute Planung des Gebäudes. Dem schlechten Wetter geschuldet, fand das Richtfest nicht draußen, sondern im Erdgeschoss des Neubaus statt.

Marlies Heibler (21) freut sich schon, wenn sie hier eine Wohnung beziehen darf. Das Alleinleben hat sie schon getestet, zwei Jahre war sie in einem Münchner Internat und auch ihre Mutter Agnes erklärt, dass sie das unbedingt möglich machen wollen.

Vereinsmitglied Gerhard Rolletschek betonte, dass das Haus geeignet sei, um eine Heimat zu schaffen und „das mitten im Ort.“ Küblbeck hatte das ähnlich im Richtspruch formuliert: „D’rum hoff ich, dass sich jeder freut, dass man in uns’rer Heimat heut, wie’s nötig ist auf dieser Welt, das Haus für Kinder hier erstellt.“

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