Bad Endorf-Mauerkirchen –- Normalerweise sind Wespennester so groß wie ein Teller, was da aber bei der Familie Grießl aus Mauerkirchen im Arbeitszimmer der Tochter im Laufe des Sommers gewachsen ist, das hat riesige Formen. Die Behausung der Wespen – oder sind es doch Hornissen? – hat geradezu unglaubliche Ausmaße: Das Nest ist etwa 70 Zentimeter hoch, 50 Zentimeter breit und etwa 50 Zentimeter tief. Insgesamt umfasst es rund 175 Liter, sagt Max Grießl, das Oberhaupt der Familie.
Ein solches Nest löst bei vielen Hausbesitzern regelrecht Panik aus. Nicht aber bei den Grießls in Mauerkirchen. „Das Zimmer wird im Sommer nicht viel benutzt. Durch das immer offenstehende Fenster konnten die Wespen einfliegen und sich ungestört ihr Nest bauen. Als wir es schließlich bemerkten, war es schon so groß wie eine Pampelmuse.“ erklärt Max Grießl.
Dann habe die Familie Kriegsrat gehalten und überlegt, was man denn nun tun sollte? Dass die Tiere laut Bundesnaturschutzgesetz unter Artenschutz stehen, war ihnen bewusst. „Einfach das Nest durch die Feuerwehr entfernen lassen, wäre wohl möglich gewesen. Doch unsere Tochter kommt nur noch ab und zu nach Hause. Es bestand also keine Gefahr. Deshalb haben wir die Viecher gewähren lassen. Wespen gehören auch geschützt,“ so „Gastgeber“ Grießl.
Gestochen wurde übrigens den ganzen Sommer über niemand. Und als es im November kühler wurde, seien die kleinen Mitbewohner „wieder ausgezogen“ und die Gefahr war im wahrsten Sinn des Wortes „verflogen“. „Nichts rührt sich mehr im Nest. Die Behausung steht leer“, sagt Grießl und ist zufrieden.
„Fantastisch“ findet Peter Pohl das „Bauwerk“ der fliegenden Tierchen. Der 53-Jährige ist Künstler und Insekten sind sein „Lebensthema“. Er malt, fotografiert und thematisiert sie in Installationen seit über 30 Jahren. „Natur fasziniert mich. Es ist diese Ästhetik, die hinter den Mustern, hinter den klaren Strukturen steht, die mich anzieht. Alles ist nach einem präzisen Plan gebaut. Für mich ein perfektes Ideal von Schönheit.“
Um diese sichtbar zu machen, zerlegt Pohl das Bild, bringt bewusst eine Disharmonie hinein und spielt mit der Morphologie der Formen. „Die Natur nachmachen, das ist unmöglich. Sie ist einfach perfekt. Und wenn man bedenkt, dass die Wespen den Bau mit ihren Mundwerkzeugen gemacht haben – Chapeau!“