Frasdorf – „Ich bin eine gebürtige Aschauerin und wurde 1939 auf dem Wirtsanwesen von Gschwendt geboren. Ziemlich genau 20 Jahre nach der Zeit, als die bayerischen Prinzessinnen Hildegard, Gundelinde und Wiltrud auf ihrer Flucht ein paar Tage dort verbracht hatten“, erzählte Irmengard Schubert der Gratulantin, Frasdorfs Bürgermeisterin Marianne Steindlmüller, bei deren Besuch zu anlässlich ihrem 80. Geburtstags.
„Zu Fuß und in bäuerlicher Kleidung kamen sie zu uns ins Hintergschwendt. Sie fanden für elf Tage Unterschlupf bei meiner Großmutter im Wirtsanwesen und konnten sich dort vor den ersten Münchner Revolutionswirren verstecken“, erzählte die 80-Jährige. Die Erinnerung an diese „hohen Gäste“ lebe in ihrer Familie bis heute fort. „Die beiden Sonntagshüte, die die Prinzessinnen auf den bekannten Bildern tragen, stammen aus dem Besitz unserer Familie. Sie sind an der Unterseite goldgestickt und haben die damals typischen Schleifen an der Seite und lange Hutbänder.“
Sorgsam in zwei Hutschachteln verpackt, führte sie ihrer Besucherin die beiden Hüte, Modell „Schöner Priener Sonntagshut“, gefertigt vom Aschauer Hutmachermeister Blimetsrieder, vor. Mit dieser „Tarnung“ oder auch mit Kopftüchern verhüllt, trauten sich die Prinzessinnen bis nach Bernau in die Kirche.
„Nachdem sich wieder alles beruhigt hatte, kam König Ludwig III. in eigener Person aufs Gschwendt, um sich bei meiner Großmutter für die Aufnahme seiner drei Töchter zu bedanken. Er brachte einen Hausaltar mit einem Marienbildnis und der Inschrift: ,Zur Erinnerung an das Jahr 1918, gewidmet von Ihrer K. Hoheit, Prinzessinen v. Bayern‘“.
Die Verbindung zu den Prinzessinnen brach für die Familie auch in den Folgejahren nicht ab, wie Schubert weiß: „Meine Mutter durfte danach in Wildenwart im Schloss in der Küche arbeiten und Hildegard und Wiltrud kamen wiederholt auch aufs Gschwendt und hielten die Verbindung aufrecht.“
Lebhaft erzählte Irmengard Schubert aus ihrer Familiengeschichte. „Der Winter 1938/1939 brachte viel Schnee und gleich nach Neujahr war es klirrend kalt. Das hinderte meine Taufpatin nicht, mich warm in ihre Einkaufstasche zu packen und durch meterhohen Schnee auf ungebahnter Straße vom Hintergschwendt in die Aschauer Pfarrkirche zur Taufe zu tragen“.
Die Schulzeit begann für die Gschwendter-Kinder nach dem Ende des Krieges ein Jahr später, da sie 1945 zu schmächtig für die Einschulung waren. Der Schulweg bis nach Aschau wäre für die kleinen Mädchen zu anstrengend gewesen. Nach der Schulentlassung musste sie zu Hause mithelfen, in der Landwirtschaft und der Gastwirtschaft. Später ging sie nach Prien ins Büro und arbeitete danach in Aschau in der Verwaltung bei der Brauerei bis zur Schließung der Braustätte 1991. „Diese Jahre waren meine schönsten Berufsjahre“.
1973 heiratete sie, ein Sohn ging aus der Ehe hervor, mittlerweile gehören drei Enkelinnen und ein Urenkel zur Familie. Vier Generationen wohnen unter einem Dach. 1970 zog sie mit ihrem späteren Mann nach Frasdorf, gemeinsam lebten sie bis zu seinem Tod vor drei Jahren im Haus in Westerndorf. „Natürlich fahre ich mit dem Auto zum Einkaufen oder auch nach Aschau. Vielleicht ein bisserl vorsichtiger als früher – aber mit 80 ist man doch nicht alt, oder?“Heinrich Rehberg