Vogtareuth – Normalerweise hat im Fasching das Prinzenpaar das Sagen, doch in Vogtareuth hält man es in diesem Jahr mit dem Klassiker von status quo und ist sozusagen „in the army now“. Weswegen beim Inthronisationsball am Freitag Abend dem Prinz Anton I. noch das Szepter – sprich: der Marschallstab – blieb, den Ton aber der „drill sergeant“ alias Peter Rottmoser angab. Der zeigt von Anfang an auch dem Publikum, wie der Hase läuft und lässt zunächst einmal einen „Applaus exerzieren“.
Das ist eine Vogtareuther Eigenheit, bei der wirklich nur einmal geklatscht werden darf. Das Publikum in der ausverkauften Vogtareuther Turnhalle ist aber gelehrig, so dass nur ein paar Mal geübt werden musste, bis „Ein Applaus“ militärisch korrekt durchgeführt wird: Scharf, wie ein Peitschenknall und ohne saumselige Nachklatscher.
Bevor sich aber – bildlich gesehen – das Kasernenhoftor endgültig schließt, gibt es noch einen Rückblick auf die schöne, die zivile Welt: das Prinzenpaar der letzten Saison, Prinzessin Martina I. und Prinz Maximilian I., zeigen noch einmal ihren eigenen Krönungswalzer, bevor sie offiziell die Regentschaft an Anton I. und Regina I. übergeben. Weich und geschmeidig wirkt das, was sie tanzen, während die neuen Hoheiten bei ihrem Walzer schon einen Tick härter und dynamischer sind. Vielleicht ist‘s auch nur Einbildung, liegt daran, dass Prinz Anton zum Walzer zwar noch in einer eleganten K-und-K-Paradeuniform tanzt – vom grünseidenen, mit 6000 Strass-Steinen besetzten Kleid-Traum von Prinzessin Regina ganz zu schweigen – die Garde im Hintergrund aber schon Camouflage-Look trägt.
Dann aber ist Schluss mit lustig, Prinz Anton und Prinzessin Regina passen sich im Outfit der Garde an und von da an fetzt es: Die 21 Tänzer und Tänzerinnen legen schon beim Gardemarsch eine beeindruckende Show hin, voller Dynamik und hartem Tempo. Das Ganze übrigens wie immer aus „eigener Kraft“ einstudiert, nur für den Krönungswalzer hatte man sich in Gestalt der Chiemgauer Tanzschule Höslwang professionelle Betreuung geholt. Kein Wunder, dass es dafür viel Übung braucht: Seit Mai trainierte man, anfangs zweimal in der Woche, zunächst aus gutem Grund vor allem Konditionstraining, dann ab Sommer sogar dreimal in der Woche. Von daher gut, dass sich die Vogtareuther und die Pruttinger im Fasching abwechseln, so dass jede Faschingsgilde nur jedes zweite Jahr ran darf beziehungsweise muss – anders wäre dieser Aufwand wahrscheinlich nicht zu stemmen. Ob denn da nebenher überhaupt noch Zeit für andere Freizeitaktivitäten bleibt, fragt man Stephan Rinser, Schriftführer und selbst Mittänzer. „Doch“ sagt der, empfiehlt als Hobby aber Fußballspielen, „weil dort dann gerade Sommerpause ist, wenn bei uns das Training intensiver wird“.
Die James-Band aus Schwabering trug zum Erfolg des Abends bei. Die drei Musiker rund um Stefanie Greindl, der Frontfrau mit der Wahnsinns-Stimme, spielten an dem Abend gefühlt alles, was von den Achtzigern bis heute die Leute irgendwann einmal von den Stühlen riss. Entsprechend dicht gefüllt war die Tanzfläche. Der Elferrat zog um Mitternacht als Mönche, später als Nonnen, auf die Bühne – bis gegen fünf Uhr früh die Truppe zum Frühappell bei Sergeant Rottmoser musste.