Riedering – Bürgermeister Josef Häusler informierte den Riederinger Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung jetzt darüber, dass das Landratsamt Anfang Januar an die Verwaltung einen Bescheid zum Vollzug der Wassergesetze geschickt habe. Darin wurde der Kommune mitgeteilt, dass der Deutschen Bahn die beschränkte Erlaubnis zu „Probeaufschlussbohrungen mit Ausbau zu Grundwassermessstellen im erweiterten Planungsraum zwischen Raubling und Großkarolinenfeld für die Trassenplanung Nordzulauf für den Brennerbasistunnel“ erteilt wird.
Nicht nur Riedering ist davon betroffen, auch in Stephanskirchen und in Kolbermoor soll gebohrt werden werden. Die Bohrungen sollen im ersten Bohrstellenabschnitt von Januar bis März abgeteuft – also ein Schacht geschaffen – werden. Die Tiefe bei der Probebohrung in Riedering auf einem privaten Grundstück westlich von Untermoosen, soll 75 Meter betragen.
Häusler bezeichnete die Bohrung als „Eingriff in Natur und Landschaft“ und wolle notfalls dagegen klagen, auch wenn das Landratsamt die Bohrung genehmigt habe. Auf einer Karte zeigte Häusler die geplante Bohrstelle bei Untermoosen.
Gemeinderatsmitglied Rupert Lindner sprach sich ebenfalls dafür aus, notfalls mit einer Klage dem Bahn-Vorgaben entgegenzutreten: „Unbedingt, das sind wir unseren Bürgern schuldig.“ Auf Nachfragen Dr. Georg Kasbergers bestätigte Uhlig, dass die Gemeinde klagen könne, auch wenn die Bohrung auf einem Privatgrundstück erfolge: „Es geht ums Grundwasser.“ Für die Ablehnung und die Vorbereitung einer Klageschrift stimmten letztlich alle Gemeinderatsmitglieder.
„Zerstörung der Heimat“ befürchtet
Häusler ging zudem auf den Besuch des Bundesverkehrsministers Andreas Scheuer in Rosenheim und die Demonstration Anfang der Woche ein. Über 3000 Menschen seien dabei gewesen, darunter auch viele Riederinger, berichtete er. Er bedankte sich bei allen Teilnehmern, die damit gezeigt hätten, dass sie „keine unnötige Zerstörung unserer Heimat“ wollen.
Er bezeichnete das Gespräch im Landratsamt als „ernüchternd“. Es gebe weiterhin keinen Bedarfsnachweis, sondern nur eine Szenarienstudie bis 2050: „Die Zahlen sind aus der Luft gegriffen.“ Scheuer habe weder Prognosen noch Annahmen abgegeben, so Häusler weiter. Bis Juli 2019 sollen die bisherigen 100 verschiedenen Trassen auf fünf mögliche Neubautrassen und parallel die Planung für die Bestandstrasse verengt werden (wir berichteten).
Ratskollege Matthias Pummerer hakte nach, ob die Gemeinden an dem Planungsprozess beteiligt seien, was Häusler verneinte. Es seien immer noch Fragen offen, aber die Deutsche Bahn wolle ihren Zeitplan einhalten. Dr. Georg Kasberger erklärte das Einbeziehen der Bestandsstrecke zum Erfolg. Auch wenn dies ein neuer Aspekt in der Trassenplanung sei, so sei dies doch eigentlich selbstverständlich.
Während Sebastian Niedermaier einwarf, dass die Inntalgemeinden sicher davon nicht begeistert sind, bezeichnete Häusler das Einbeziehen der Bestandsstrecke als „Augenwischerei“. Die im Gespräch mit dem Minister geforderten Lärmschutzmaßahmen seien natürlich für die betroffenen Gemeinden gut. „Dank unseres Widerstandes“, wie Dr. Kasberger ergänzte. Richard Mühlbauer kam noch einmal auf die Bedarfszahlen zu sprechen. Das sei alles „Lüge, es gibt keine Prognosen“. Bürgermeister Häusler versprach: „Wir werden weiterhin dagegen anarbeiten.“