Aschau – Er stand 16 Jahre als Kapitän ganz vorn am Bug eines Riesentankers und manövrierte sein „Schiff“, das Behandlungszentrum (BHZ) Aschau, sicher durch alle Untiefen und bedrohlich nahen Klippen. Jetzt ist Elmar Kuhn, der Geschäftsführer des BHZ Aschau, offiziell in den Ruhestand verabschiedet worden.
Es war kein „08/15-Job“, schon gar nicht von „nine to five“. Immer wieder war Kuhn sogar gezwungen, in der Klinik zu übernachten, denn der Heimweg nach Bischofswiesen bei Regen oder Schnee war einfach zu weit. Darauf wurde in den Abschiedsreden mehrfach hingewiesen. Zum Abschied bekam er sogar einen Satz Klinik-Bettwäsche als Erinnerung geschenkt.
Der drahtige, eher stille, nicht allzu groß gewachsene Mann war im Haus eine Respektsperson, einer, den niemand überging. Er war „Mr. Kinderklinik“. Die Kinder, die in Aschau behandelt wurden, liebten ihn. Zum Abschied sprang ihm sogar der kleine Maxi auf den Schoß, umarmte ihn und sagte: „Lieber Herr Kuhn.“
Kuhn, der als einfacher Krankenpfleger seine Karriere startete, arbeitete sich dank etlicher Lehrgänge, Weiterbildungen und einem Studium bis zum Geschäftsführer des Behandlungszentrums mit 640 Mitarbeitern hoch. „Er war mein allererster Ansprechpartner, einer, der sogar in der Krise seinen Humor nicht verloren hat.“ So ein bisschen Wehmut lag über den Abschiedsreden, speziell von Bartholomäus Brieller, Vorstandsvorsitzender der Katholischen Jugendfürsorge.
Sie gelten als „Mr. Kinderklinik“. Sie waren 16 Jahre lang Geschäftsführer eines großen Komplexes aus orthopädischer Kinderklinik und heilpädagogischen Zentren. Ihr Fazit?
Es ist für mich tatsächlich ein komisches Gefühl, nun aufzuhören. Ich blicke jetzt nach vorne und will künftig die Dinge, die auf mich zukommen, mehr genießen. Wie oft bin ich nachts wach gelegen und konnte nicht mehr einschlafen. Dann gingen mir viele Gedanken durch den Kopf. Jede Führungsperson kennt das. Aber jetzt möchte ich diesen täglichen Stress im beruflichen Alltag hinter mir lassen. Deshalb habe ich auch Angebote ausgeschlagen, im Ruhestand neue Aufgaben zu übernehmen. Es muss auch einmal Schluss sein.
Wie wird es mit dem BHZ Aschau weitergehen?
Mein Nachfolger Simon Leicht wird die Zukunft meistern müssen. Er ist seit einem halben Jahr an meiner Seite und konnte sich einarbeiten. Ich bin überzeugt, dass er die Herausforderungen, die künftig an ihn gestellt werden, meistern wird. Die künftigen Vorgaben werden von der Politik gemacht. Wir in der Klinik und den heilpädagogischen Zentren haben es umzusetzen – mit weniger finanzieller Unterfütterung und immer weniger Personal. Selbst wenn wir mehr Ärzte und Krankenschwestern einstellen wollten, der Markt ist leer gefegt.
Wie sahen Ihre Herausforderungen aus?
Mein Arbeitsleben hier in Aschau war geprägt von Bauen und Veränderungen. Wir haben das ja bereits bei den Abschieds-Reden gehört. Bei meinem Start in Aschau habe ich tatsächlich einen Zettel genommen und aufgeschrieben, was ich alles ändern wollte. Dieser ist inzwischen abgearbeitet, aber es kommen ja täglich neue Anforderungen wieder hinzu. Kurz: Mein Nachfolger wird sicher auch so einen Zettel schreiben oder vielleicht schon haben. Man fällt gewissermaßen in die Aufgaben. Die größte Herausforderung für mich war sicher die Bewältigung der großen Krise, in die uns das Hochwasser gestürzt hat. Ich wusste manchmal wirklich nicht mehr, ob und wie es hier weitergehen wird. Es stand Spitz auf Knopf. Heute bin ich sehr froh, wie alles gelaufen ist und dass das Behandlungszentrum Aschau mit den heilpädagogischen Zentren weiter bestehen wird.
Ihre Karriere war außergewöhnlich. Ihr Tipp, wie das geht…
Es ist richtig, dass ich als Krankenpfleger begonnen habe, dann OP-Pfleger wurde und mich weitergebildet habe. Ich war schon 40 Jahre alt, als ich noch einmal die Schulbank drückte und ein Studium zum Krankenhausbetriebswirt absolvierte. Diese vier Jahre waren eine sehr harte Zeit, das muss ich sagen. Da möchte ich besonders meiner Frau danken, die mir eigentlich immer den Rücken freigehalten und sich alleine um Kinder, Haushalt und unsere Finanzen gekümmert hat. Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen. Einen Tipp? Ich denke, dass ein solcher Werdegang, wie ich ihn hatte, heute so nicht mehr möglich ist. Froh bin ich um das Studium, sonst wäre ich den Anforderungen als Geschäftsführer nicht gewachsen gewesen. Hilfreich war auch meine langjährige Erfahrung in der praktischen Arbeit am Patienten.
Und nun?
Meine Frau und ich wollen eine große Reise über mehrere Wochen nach Südafrika machen. Darauf freue ich mich sehr.
Wann war Ihr letzter Urlaub?
Vor 20 Jahren.
Interview: Sigrid Knothe