Aschau – Zwölf dieser Öko-Modellregionen gebe es in Bayern bisher, die drei nächstgelegenen sind das Miesbacher Oberland, die Region Waginger See – Rupertiwinkel und das Isental. Alle drei stimmten überein, dass dieser lose Zusammenschluss für alle Beteiligten nur mit Vorteilen verbunden sei. Gegen die Stimmen von Werner Runte (CSU) und Philipp Sanner (PTL) beschloss der Gemeinderat nach kurzer Diskussion, sich an die Gemeinden Bad Aibling, Bad Feilnbach, Frasdorf, Raubling, Rohrdorf und Samerberg anzuschließen und sich mit ihnen gemeinsam zu einer durchgehenden Öko-Modellregion von Bad Aibling über das Mangfall- und Inntal bis in den westlichen Chiemgau nach Aschau zu verbinden.
Susanna Mühlbacher-Kreuzer aus Traunstein erläuterte den Gemeinderäten, dass dieser Zusammenschluss für Aschau nur Vorteile bringen könne. Zugleich gab sie bekannt, dass sie sich die Mitarbeit als Projektbeauftragte vorstellen könne. Aschau steige jetzt als letzte Gemeinde in einen bereits anrollenden Zug ein, der Bewerbungsschluss sei in den nächsten Tagen. Das Ziel sei für alle beteiligten Gemeinden eine Stärkung der regionalen (Öko)-Landwirtschaft und des Lebensmittelhandwerks sowie der Erhalt der Kulturlandschaft und der Biodiversität.
Mit der Bündelung der Maßnahmen solle eine Deckung der heimischen Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln aus regionaler Produktion erreicht werden. Da vor allem im Oberen Priental bereits voll auf Bio-Betrieb umgestellt worden sei, stellten die neuen Anforderungen für die Bauern keine Neuheit dar.
Für die Gemeinde Aschau ergäben sich viele Vorteile: bei äußerst geringen Kosten lassen sich Strukturen und ein Netzwerk für die Zukunft aufbauen. Die bestehenden Betriebe werden durch diese Investitionen zukunftsfähig, zugleich entsteht bei allen Beteiligten ein ganz neues Öko-Verständnis und Zusammengehörigkeitsgefühl. Da bei weitem nicht alle Antragsteller in das Zukunftsprogramm aufgenommen werden, stellt die Teilnahme eine Auszeichnung für die Gemeinde Aschau dar und könnte langfristig auch die Attraktivität des Tourismus im Oberen Priental stärken. Die in den vergangenen Jahren erworbenen zahlreichen touristischen Auszeichnungen könnten hier bestätigt und sogar noch gesteigert werden.
Alle Betriebe können in ihrer bisherigen Form weiterproduzieren. Es sei keineswegs notwendig, dass alle landwirtschaftlichen Betriebe im Ort auf Bio umstellen müssen, der bisherige gesunde Mix in der Landwirtschaft könne durchaus erhalten bleiben. Hier könnten durch die Vermarktung hochwertiger regionaler Erzeugnisse der Erhalt von landwirtschaftlichen Betrieben und Arbeitsplätze gesichert und der Tourismus fühlbar gesteigert werden.
Aschau und die anderen beteiligten Gemeinden haben in ihrer Bewerbung jede Menge hochwertige Projekte auf der Palette. Das reicht von der Bewirtschaftung und Nutzung von Streuobstwiesen, über die heimische Fleischerzeugung und -vermarktung bis hin zur Anlage von Blühstreifen für den Insektenschutz und einen intensiven Landwirt/Verbraucher Dialog.
Die Kosten für das Vorhaben sind überschaubar: da eine hohe Förderung von 75 Prozent der entstehenden Personal- und Sachkosten durch den Freistaat in den ersten zwei Jahren im Raum steht, verbleiben für die teilnehmenden Gemeinden rund 3000 Euro pro Jahr. „Wenn wir die ersten zwei Jahre teilnehmen, sehen wir, wohin die Reise geht und können unseren Beschluss entsprechend ändern. Entweder wir sehen einen Erfolg, dann können wir verlängern, oder es ist ein Popanz ohne jegliche Erfolgsaussicht, dann können wir aussteigen“, war sich das Gremium einig. Dritte Bürgermeisterin Monika Schmid (FWG), selbst Landwirtin, erkannte in dem Projekt eine Herzensangelegenheit der Bevölkerung.
Durch die Produktion und Vermarktung hochwertiger Produkte in der Nachbarschaft könne die enge Verbindung zwischen Produzenten und Verbrauchern hergestellt und weiter gepflegt werden. Meist sei es für den Kunden schwierig zu erkennen, wo es in der Region ein Angebot gebe. „Wir sind mit dem Prientaler Bergbauernladen schon einen Schritt weiter als andere, aber es lässt sich bestimmt noch vieles verbessern“. Anja Müller-Eschenbrücher (FWG) fordert eine laufende Information des Gemeinderates ein.