Vogtareuth – Als man Josef Rumberger, der am 28. März 89 Jahre alt geworden wäre, am vergangenen Mittwoch zu Grabe trug, waren Kirche und Friedhof bis auf den letzten Platz gefüllt: Ganz Vogtareuth erwies seinem Ehrenbürger noch einmal die Referenz.
Schließlich ist für die Vogtareuther jede Form von Musik im Dorf untrennbar mit seinem Namen verbunden, vor allem auch die Kirchenmusik: 53 Jahre war er Dirigent des Männergesangvereins gewesen, über 50 Jahre Leiter des Kirchenchors, mehr als sieben Jahrzehnte hinweg der Organist der Pfarrgemeinde. Nicht wenige hat er somit buchstäblich über ihr ganzes Leben hinweg an der Orgel begleitet, so dass sich viele am Ende gar nicht mehr vorstellen konnten, es habe in Vogtareuth je einen anderen Kirchenmusiker als Sepp Rumberger gegeben.
Für ihn selbst war die Musik schlicht Lebensinhalt, nie hat er das Datum jenes Tages vergessen, als er mit 14 Jahren die erste „richtige“ Klavierstunde bekam, es war dies der erste Januar 1944 gewesen, auch keine der über 100 Kirchen, in der er einmal Orgel gespielt hatte. Vogtareuths Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter betonte, dass keiner die Ehrenbürgerwürde mehr verdient hatte als er, „denn er war einfach immer da, wenn man ihn gebraucht hat“. Und gebraucht hat man ihn, mit seinen vielen Talenten, oft. Da waren, um nur Weniges zu nennen, sein jahrzehntelanger Einsatz für den Obst- und Gartenbauverein, seine Tätigkeit als Feldgeschworener und – nicht zuletzt – seine Funktion als Hochzeitslader. Bei über 1000 Paaren hat er dafür gesorgt, dass ihr Hochzeitstag wirklich zu einem Lebenshöhepunkt wurde und dies mit eben so viel Witz wie Organisationstalent.
Zu seinen nobelsten Eigenschaften zählte, dass er die Menschen ohne Wenn und Aber mochte. Gespeist wurde diese Haltung sicher auch durch seinen tief empfundenen Glauben. Sepp Rumberger war kein „stiller“ Christ, der sein Verhältnis zu Gott in den eigenen vier Wänden regelt. Er war vielmehr auch hier ein barocker Mensch, für den die Pracht eines feierlichen Gottesdienstes in einer schönen Kirche wichtig war. Nicht um ihrer selbst willen, sondern als Ausdruck eines fröhlichen Glaubens. Nicht umsonst hat er als eine wichtige Lebensleitlinie immer wieder den Satz von Johannes Bosco zitiert: „Fröhlich sein, Gutes tun – und die Spatzen pfeifen lassen“.
Vor dem Sterben hatte Sepp Rumberger deshalb keine Angst. Er war vielmehr der Überzeugung, bald seine Frau Annemarie, die schon 2003 gestorben war, wiedersehen zu können. Und wusste außerdem, dass seine Liebe zur Musik mit seinem Tod nicht aus der Welt sein würde: Er hat sie an sechs Söhne, zehn Enkel und zwei Urenkel weitergegeben.