Vodafone lässt Seniorin hängen

von Redaktion

Erst nach Recherche der OVB-Heimatzeitungen wird Telefonanbieter aktiv

Kiefersfelden – „Beste Unterhaltung mit Giga TV“. Mit diesem Slogan wirbt Vodafone um die Gunst potenzieller Kunden und verspricht, dass der Abonnent „bestimmt, was wann und wo läuft“. Dem mochte sich auch die 92-jährige Anna Rennebaum, die seit 1968 in der Kiefer ein schmuckes Haus bewohnt, nicht verschließen. Doch dann sah sie nur noch einen schwarzen Bildschirm, auch das Internet war tot. „Nichts ging mehr und Vodafone stellte sich taub“, klagte sie. Dann schalteten sich die OVB-Heimatzeitungen ein und siehe da: nun läuft’s wieder.

Seit nunmehr zehn Jahren ist Anna Rennebaum Witwe und da kann der Fernseher schon auch für ein paar unterhaltsame Stunden sorgen – wenn er denn geht. Für die rüstige Dame war seit dem 2. Januar aber „Schicht im Schacht“, das heißt, ihr Bildschirm bleibt schwarz und es erscheint nur die Meldung auf dem Gerät: „Kein Eingangssignal an Antenneneingang erkannt.“

Ohnmachtsgefühle und viel Ärger

Und damit beginnt eine Geschichte, die gekennzeichnet ist von immensem Zeitaufwand, Vertröstungen sowie Ohnmachtsgefühlen und viel Ärger. Volker Heintze, ein Freund aus Münchener Zeiten, der zugleich Bevollmächtigter der Witwe ist, kümmerte sich. Alles, was er bisher beim Anbieter Vodafone versucht hatte, lief ins Leere. Ungezählte Telefonate, in denen er auf diesen Missstand in Kiefersfelden aufmerksam machte, ausführliche Schreiben, aber letztlich immer wieder Vertröstungen oder auch „pampige und inkompetente Antworten“, mehr habe es nicht gegeben, sagt er den OVB-Heimatzeitungen.

Von einem „Verteilerfehler“ war dann irgendwann einmal seitens des Anbieters die Rede, doch wann dieser behoben werden soll, sei vom Unternehmen offengelassen worden. An eine Kündigung des Vertrages hätten die Seniorin und ihr Bevollmächtigter auch schon gedacht, „aber ich bekam von Vodafone die Vertragsunterlagen nicht, obwohl ich bereits mehrfach darum gebeten habe“, sagt Heintze. Auch darin sieht er klar die Hinhaltetaktik des Anbieters Vodafone.

Der Kreis der Betroffenen ist „leider nicht sehr groß, denn sonst hätte Vodafone wohl schon längst reagiert“, vermutet er weiter. In der Kieferbachstraße sind fünf bis acht Anlieger von dem Malheur betroffen, dazu zählt auch Nachbarin Eva Marschke, die seit Anfang Januar ebenfalls ohne Fernsehen ist, hinzu kommt noch der Komplettausfall von Internet und Telefon.

Doch dann kommt vergangene Woche Bewegung in die Geschichte, „denn ich habe heute einen von Vodafone beauftragten Monteur getroffen, der mir vor Ort erklärte, dass ein Verteilerkasten komplett tot ist“, so die Eva Marschke damals. Eine Fachfirma solle den Fehler finden und beheben, lautete die unverbindliche Auskunft des Technikers. Wann jedoch der Anbieter diesen Auftrag erteilen wird und ob die Betroffenen vielleicht schon bald wieder über Telefon-, TV- und Internetgenuss verfügen können, lässt er offen. Schon leicht desillusioniert äußert Eva Marschke: „Wir müssen nun wieder warten, bis die Bauarbeiten beginnen, und hoffen, dass das bald geschieht und auch positiv endet.“

Volker Heintze erwartete von Vodafone „eine verbindliche Auskunft, wie es weitergehen soll und was wann passiert“. Scheinbar stehe die Zufriedenheit des Kunden nicht zuoberst auf der Agenda des Anbieters, denn „die sitzen da oben alles aus, auf unserem Rücken“, vermutet Heintze. Dabei ist es trotz mehrmaliger Hinweise an den Anbieter scheinbar auch nicht so wichtig, dass die 92-Jährige seit dem TV-Totalausfall nachts nicht mehr schlafen kann und deswegen auch in ärztlicher Behandlung steht. „Ich bin richtig abgehängt vom Leben und das schlägt mir schwer aufs Gemüt“, so Anna Rennebaum.

Auch Nachbarin Eva Marschke konnte ihren Ärger nicht mehr so ganz herunterschlucken. „Bei mir ist neben dem Fernsehen auch das Internet und das Telefon betroffen. Ich bin selbstständig und muss seit über einem Monat alle Geschäftsaktivitäten über mein Handy abwickeln, was deutlich teurer, komplizierter und zeitintensiver ist.“

Als persönliche Protestaktion haben die beiden Geschädigten beschlossen, die monatliche Rechnung von Vodafone, die natürlich pünktlich kommt, ab sofort nicht mehr zu begleichen. „Und nach Abschluss der Arbeiten werden wir von Vodafone einen Ausgleich für die uns entstandenen Mehrkosten und Aufwendungen einfordern, zur Not auch über einen Rechtsanwalt“, sagen die beiden Frauen unisono, die sehr enttäuscht über die Hinhaltetaktik und das Geschäftsgebaren des Mediengiganten sind.

Ursache des Übels:

Ein defektes Bauteil

Mit diesen doch massiven Vorhaltungen der OVB-Heimatzeitungen konfrontiert, nahm die Pressestelle von Vodafone relativ schnell Stellung. Volker Petendorf, Leiter der Presseabteilung und Chef vom Dienst der Pressestelle Vodafone Deutschland, teilte den Heimatzeitungen schon einen Tag später schriftlich Folgendes mit: „Die Störung in unserem Kabelglasfasernetz auf der Kieferbachstraße in Kiefersfelden betraf genau fünf Kunden. Diese konnten Kabel-TV und Breitband-Internet seit Anfang Januar nicht nutzen. Ursache war ein defektes Bauteil am Verteilerpunkt vor Ort. Dieses konnte erst heute ausgetauscht werden, weil die allgemeinen Wetterbedingungen der letzten Wochen dieses nicht früher zuließen. Wir bitten die betroffenen Kunden um Entschuldigung für ihre Unannehmlichkeiten, die sie im Ausfallzeitraum hatten. Seit Freitagnachmittag, 8. Februar, steht das Vodafone-Kabelglasfasernetz den fünf Kunden wieder in vollem Umfang zur Verfügung.“

Bei einer sofortigen Nachfrage durch die Heimatzeitungen beim Bevollmächtigten von Anna Rennebaum, Volker Heintze, konnte er diesen Sachverhalt auch für Eva Marschke bestätigen. „Die Vodafone-Nutzer in der Kieferbachstraße können nun wieder in vollem Umfange Fernsehen sowie Internet und Telefon nutzen.“

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