Bad Aibling/Rosenheim – „Michaela Eberl ist von Anfang an extrem zielstrebig an die Ausbildung herangegangen“, zeigt sich Oberstudiendirektor Jürgen Ersing, Leiter der Berufsschule, beeindruckt von den Leistungen der 21-Jährigen. Diese sind auch für seine Schule mehr als bemerkenswert. Im Jahr 2004 wurden die Anlagenmechaniker-Ausbildungssparten Sanitär, Heizung und Klima (SHK) zusammengelegt. Seither hat an der Aiblinger Berufsschule noch nie jemand jeweils eine glatte Eins in der theoretischen und praktischen Prüfung geschafft. Bis Michaela Eberl kam.
Einzige Frau
unter 47 Azubis
Sie ist in München geboren und in Ebersberg aufgewachsen. Nach dem Besuch der Grundschule und der Realschule machte sie zunächst ein Wirtschafts-Praktikum an der FOS. Dabei stellte sie aber bald fest: „Den ganzen Tag im Büro sitzen, das ist nicht meins.“ Sie sattelte um auf mehr Praxis. Und fand durch die Ausbildung in dem Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik-Betrieb ihres Vaters ihre Berufung – wie jetzt auch die Prüfungsergebnisse eindrucksvoll bestätigen. In der SHK-Klasse der Aiblinger Berufsschule war sie unter 47 Azubis die einzige Frau. Und noch dazu mit den besten Leistungen. Doch Konkurrenzkämpfe gab es nie: „Mit meinen Mitschülern bin ich sehr gut ausgekommen.“
Die junge Handwerkerin stand den männlichen Azubis nicht nur bei der körperlichen Arbeit in nichts nach, sondern auch in allen anderen technischen Belangen. Denn zum SHK-Beruf gehört heute viel mehr als noch vor einigen Jahrzehnten: „Der Beruf erfordert nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch großes technisches Verständnis und Programmierwissen“, sagt der zuständige Fachlehrer Heinz Wuttig.
Die Fähigkeiten in all diesen Bereichen wurden nun in den Prüfungen abgefragt. „Auf die theoretische Prüfung, die bayernweit gleich und auch am selben Tag stattfindet, folgt zeitversetzt die praktische Prüfung“, erläutert der Prüfungsausschuss-Vorsitzende der SHK-Innung Rosenheim, Josef Gantner. „Dazu muss jeder Prüfling innerhalb von 18 Stunden ein Projekt erarbeiten. Dabei werden unter anderem Anschlüsse beispielsweise für Heizung oder Wasser erstellt, Heizungsrohre geschweißt und Wasserleitungen gelötet.“ Zudem seien, so Gantner weiter, entsprechend der Aufgabenstellung Elektroarbeiten durchzuführen, Druckprüfungen an Wasser- und Gasleitungen vorzunehmen sowie Gas- oder Elektrogeräte technisch einzustellen. Zum Prüfungsprogramm gehört außerdem ein Fachgespräch, bei dem der Azubi die Umsetzung des Projektes schildert. In all diesen Bereichen hat Michaela Eberl absolut überzeugt. Nun steht erst einmal die Zeugnisübergabe an. Die wird natürlich gefeiert. Nicht zuletzt hat sich die 21-jährige Auszubildende damit automatisch auch als Empfängerin des Staatspreises qualifiziert.
Auch in Zukunft möchte die angehende Gesellin weiter im väterlichen Betrieb arbeiten. Dabei peilt sie schon das nächste Ziel an: Sie möchte die Meisterprüfung ablegen. Bei allem Ehrgeiz und aller Zielstrebigkeit bleibt im Leben der jungen Frau aber auch die Freizeit nicht auf der Strecke. Da steht bei ihr Bewegung im Vordergrund: Sie macht Zumba und Krafttraining, geht joggen und fährt Rad, liest aber auch gern.