„Die ungewisse Zukunft des Schloßwirts ist hoch emotional“

von Redaktion

Interview mit Brannenburgs Bürgermeister Matthias Jokisch über den historischen Gasthof am Kirchplatz

Brannnenburg – Der Schloßwirt am Kirchplatz in Brannenburg bildet zusammen mit Kirche, Friedhof und Kramerladen ein historisch gewachsenes Ensemble. Doch nun macht sich Enttäuschung in der Inntalgemeinde breit, denn der Gasthof – seine Wurzeln reichen bis ins Jahr 1447 zurück – soll verkauft werden. Die Heimatzeitung sprach mit Bürgermeister Matthias Jokisch über Hintergründe.

Der Gasthof war bereits im 19. Jahrhundert beliebt. Was wissen Sie darüber?

Schon am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Brannenburg ein beliebter Ort für zahlreiche Künstler und etliche Sommerfrischler – nicht zuletzt wegen genau diesem idyllischen Gebäude-Ensemble am Kirchplatz mit Wirt, Biergarten und Kirche.

Welche Bedeutung hat der Schloßwirt heute?

Bs heute gilt der Schloßwirt als typisch bayerische Adresse. Menschen kommen von weither, um dort im Biergarten unter den großen Kastanienbäumen bayerische Schmankerl zu genießen. Zudem verfügt der stattliche und schmuck anzusehende Gasthof neben seinem geräumigen Gastraum, den zwei Nebenzimmern und dem Gewölbe über 16 Fremdenzimmer. Er ist somit eine Säule des Ortstourismus.

Jetzt ist die Enttäuschung über das Ende groß?

Der gesamte Gemeinderat ist tief enttäuscht, dass dieser Gasthof wohl keine Zukunft mehr hat.

Der Gasthof Schloßwirt steht zum Verkauf?

Ja, das ist richtig. Eine große Immobilienfirma sucht für die Inhaberfamilie einen Käufer.

Von welcher Summe sprechen wir da?

Das ist kein Geheimnis und im Internet abrufbar. Im Raum stehen wohl rund 1,75 Millionen Euro, die für den Schloßwirt zu bezahlen sind.

Gibt es Interessenten?

Soweit ich weiß, gab es schon zahlreiche Ortstermine mit möglichen Erwerbern. Aktuell ist auch die Anthojo-Gruppe am Objekt interessiert. Die Anthojo-Gruppe betreibt Pflege- und Seniorenheime und möchte den Gasthof als Wohnheim für Mitarbeiter erwerben und umbauen.

Wie steht der Gemeinderat dazu?

Grundsätzlich bedauert der Brannenburger Gemeinderat, aber auch sehr viele Einheimische, dass dieses Schmuckstück mitten im Ort keine Zukunft hat. Die Gründe liegen im gesundheitlichen Bereich der Eigentümerin. Für deren Familie ist das nicht mehr zu stemmen. Wir bedauern das außerordentlich.

Und selbst kaufen?

Wir haben im Gemeinderat tatsächlich auch schon daran gedacht, das Objekt selbst zu erwerben. Bei verschiedenen Brauereien bin ich vorstellig geworden, die ich als Pächter gewinnen wollte. Bisher allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Gleichzeitig müssten natürlich Kauf und Nutzungskonzept der Rechtsaufsicht zur Prüfung vorgelegt werden. Aber soweit sind wir noch lange nicht.

Wie geht es nun weiter?

Aktuell hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einen Antrag von Anthojo auf Nutzungsänderung einstimmig abgelehnt. Geplant war unter anderem, im Dachgeschoss weitere Zimmer mit Gauben einzurichten.

Welche rechtlichen Instrumente hat die Gemeinde?

Diese sind tatsächlich recht begrenzt. Wenn wir einen Bebauungsplan darüber legen und somit den Gasthof als Wirtschaft erhalten wollen, brauchen wir zwingend einen Vorhabensträger. Dann gibt es noch die Möglichkeit der Erhaltungssatzung oder wir lassen uns ein Vorkaufsrecht einräumen. Das könnte interessant werden, wenn beispielsweise der Kindergarten aus allen Nähten platzt und schnell Unterbringungsmöglichkeiten nötig sind. Insgesamt muss man sich klar werden, wie die Zukunft am Kirchplatz aussehen soll. Sollte die Gemeinde das Objekt erwerben, muss die Nachfolgenutzung geklärt sein. Leerstand ist das Letzte, was wir erreichen wollen. Es wird schwierig, das Thema ist hoch emotional.

Interview: Sigrid Knothe

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