Das völlig narrische Dorf

von Redaktion

Faschingsgesellschaft Flintsbach-Fischbach besteht seit 130 Jahren – Zug am 3. März

Flintsbach – „Wo anderst fangt da Fasching o, in Flintsbach bricht er aus!“ So formulierte der Ehrenpräsident Georg Krapfl senior einstmals den Zustand des Dorfes in der sogenannten fünften Jahreszeit. Große Nachwuchssorgen quälte die Faschingsgesellschaft Flintbach-Fischbach noch nie. Dennoch gibt es ein Auswahlkriterium: Ein „Faschingsspinner“ muss seinen Wohnsitz im Gemeindebereich Flintsbach nachweisen.

„Kandidaten oder Spinner suchen wir uns im Laufe des Jahres schon nach den Spinner-Fähigkeiten aus“, sagt Florian Stadler, der Schriftführer der ehrwürdigen Gesellschaft und ehemaliger Faschingsprinz im Jahr 2011. „Organisiert und geführt wird die Gesellschaft seit jeher von einem Komitee, bestehend aus Präsident, Hofmarschall und elf Räten. Der Präsident ist das Oberhaupt der Gesellschaft und vertritt den Flintsbacher Fasching nach außen. Er trägt die Verantwortung bei allen Veranstaltungen und deren Organisation. Der Hofmarschall muss dagegen ein guter Entertainer sein und sollte „ned aufs Mei gfoin“ sein. Denn seine Aufgabe ist es, in voll besetzten Sälen die Stimmung vor den Auftritten der Garde auf den Siedepunkt zu bringen und bei Bällen in Flintsbach direkt einen humoristischen Überblick über das Ortsgeschehen zu geben, erklärt Stadler.

Die Elferräte haben Ämter wie Kassier, Wagenbauerchef für den Prinzenwagen, Schriftführer und Gardechef. Gemeinsam wird über das Motto, das Prinzenpaar und die Gardemädchen entschieden. Die Dauer der Mitgliedschaft im Elferrat bestimmt jedes Mitglied selbst. Nach dem Ausscheiden eines Mitglieds sucht der Elferrat zusammen mit Präsident und Hofmarschall einen Nachfolger oder Nachfolgerin: junge Faschingsspinner, die sich im Faschingstreiben bewährt haben. Viele der engagierten Mitglieder sind Enkel oder sogar Urenkel der Gründer der Faschingsgesellschaft.

Dieses gemeinsame „Spinnen“ ist es, was den Flintsbacher Fasching auszeichnet und weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt gemacht hat. Vielleicht, weil es in Flintsbach und Fischbach schon immer Spinner und Oberspinner gab, liegen die Anfänge dieses Faschingstreibens schon mehr als 130 Jahre zurück. Dokumente zeigen, dass in fast jedem Jahr ein Faschingszug oder mindestens drei Bälle stattgefunden haben. Bereits seit 1926 erscheint in Flintsbach und Fischbach jährlich die „Flintsbacher Faschingszeitung“.

Danach verhinderte der Krieg, aber auch die Maul- und Klauenseuche das närrische Treiben des Ortes. 1946 wurden zaghafte Versuche in Köln und Düsseldorf unternommen, einen Karneval-Umzug zu organisieren. Auch in Flintsbach entschlossen sich die Faschingsspinner, der schlechten wirtschaftlichen Lage, der Trauer um die Gefallenen und Vermissten zum Trotz, einen kleinen Fasching abzuhalten. Sie überzeugten die amerikanischen Besatzer, das Fest zu genehmigen und hatten damit auch noch finanziellen Erfolg. Den Erlös spendete die Faschingsgesellschaft der Gemeinde.

So kann man behaupten, dass in Köln, Düsseldorf und Flintsbach die allerersten Faschingsaktivitäten nach dem Krieg stattfanden.

Seit 1961 können sich die Narren aus nah und fern regelmäßig alle zwei Jahre am originellen Faschingszug und den Festivitäten in Flintsbach erfreuen. Darüber hinaus sind die Flintsbacher Spinner mit 50 bis 60 Auftritten bei Bällen und Veranstaltungen im gesamten Landkreis vertreten.

Auch in diesem Jahr heißt es wieder „Fasching bleib do“ in Flintsbach beim größten Faschingszug des Inntals mit vier Musikkapellen, 40 Faschingswägen, Fußvolk und lustigen Gruppen. Der Zug bahnt sich seinen Weg durch den Ort am Sonntag, 3. März, ab 14 Uhr und der große Kehraus findet am Dienstag, 5. März, im Gasthof Schwaigerwirt um 19 Uhr statt.

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